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Stimmen aus Prag – Teil 2

Stimmen aus Prag – Teil 2

Kurze Interviews mit einigen Teilnehmern des Trägerkreis-Treffens von Miteinander für Europa in Prag – Teil 2

„Identity is something what we desperately need!“ Pavel Fischer, Senator in the Czech Parliament

„Europa ist sehr bewegt“. Valerian Grupp, CVJM Esslingen, Deutschland

„Abbiamo un grande fondamento che ci lega.“ Matthias Leineweber, Comunità di Sant’Egidio, Germania

„Pour leur communiquer la beauté“. François Delooz, Communauté de Sant’Egidio, Belgique

„I realised the strength of the Movements.“ Pavel Černý, Pastor, Czech Republic

Zweiter Tag von MfE in Prag

Zweiter Tag von MfE in Prag

Der zweite Tag der Begegnung von Miteinander für Europa in Prag sollte den Teilnehmenden einen genaueren Blick auf die Situation des Glaubens und der Kirchen in Tschechien ermöglichen. Daher gab es neben vielen Möglichkeiten zum persönlichen Austausch und zum Gespräch in kleineren und größeren Gruppen drei größere thematische Impulse.

Jaroslav Šebek, Historiker und Mitglied des Instituts für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, sprach zunächst zum Thema „Die Kirchen in der Tschechischen Republik und die Herausforderungen der heutigen turbulenten Zeit“. Die Flüchtlingskrise sei für die Zukunft der europäischen Integration ein grundsätzlicher Prüfstein geworden, an dem unterschiedliche Konzepte aufeinanderprallen „und wieder steht hier symbolisch Ost gegen West“, so Šebek. Ein Problem der heutigen Zeit sei die von den sozialem Medien mitbewirkte „Kommunikationsverkapselung“. „Während in der Zeit des Kommunismus bei uns eine Informationswüste herrschte, bewegen wir uns heute in einem Informationsdschungel.“ Das Ergebnis, so Šebek, sei dasselbe: „Orientierungsverlust und eine größere Anfälligkeit für Manipulation sowie Misstrauen gegenüber allem und jedem.“ Besonders schwierig sei, dass in einer solchen Situation auch die Repräsentanten der Kirche nach Orientierung suchten.

Pavel Fischer, Senator im Tschechischen Parlament, beschrieb ebenfalls die aktuelle Situation Tschechiens und stellte aus gesellschaftspolitischer Sicht die Herausforderungen dar. Er betonte die Wichtigkeit der emotionalen Identifikation mit einer persönlichen gesellschaftlichen Erfahrung. Sie entstehe in einem konkreten Sprach- und Erfahrungsraum. Die Einheit Europas gehe nur über das Ernst-nehmen aller lokalen Identifikationsvorgänge und der einzelnen Menschen, mit denen man gemeinsam unterwegs sei. Die Vision eines geeinten Europas könne nur entstehen, wenn die Politik Subsidiarität beachte und die Vielfalt der europäischen Völker, Sprachen und Kulturen respektiere und fördere.

Interview „Identity is something what we desperately need!“ Pavel Fischer

Interview „Let’s engage on the very local level!“ Pavel Fischer

Tomáš Halík, tschechischer Soziologe, Religionsphilosoph und römisch-katholischer Priester (Templeton-Preis 2014), stellte im Rahmen seines Beitrages zur religiösen Situation in seinem Heimatland in einem großen Bogen die geschichtliche Entwicklungen der tschechischen Kirche bis in die heutigen Tage dar. Dabei wurde deutlich, dass der Versuch der Kirche, den gestern gelebten Glauben für das heute und die Zukunft anzubieten, gescheitert ist. Die traditionelle Volkskirche habe heute keine Kraft mehr, weil ihre Biosphäre immer mehr verschwinde. Die Religion habe heute weitgehend keinen Einfluss mehr auf den Stil des Denkens der heutigen Generation. Diese lebe im neuen Kosmos des Internets. „Die neue Generation ist nicht bereit, die Religion ohne Argumente zu empfangen.“ Heute sei die Kirche herausgefordert, sich vor allem auf die Suchenden einzustellen. Diese seien sozusagen die „größte Diözese“. Nachdrücklich betonte Halík: „Die Zukunft der Kirche hängt an ihrer Bereitschaft, mit den Suchenden zu kommunizieren, die Suchenden zu begleiten.“ Der Glaube dürfe keine Ideologie der präzisen Antworten sein, sondern es gehe darum mit den Suchenden einen Weg zu gehen. Weil jeder die Frage nach dem Sinn habe, müsse die Kirche auch für alle da sein, nicht nur für die Frommen. Halík lud die Zuhörer ein, mutig zu sein und die anderen, die auf anderen Wegen die Wahrheit suchen, ernst zu nehmen und mit ihnen einen Dialog zu führen.

Der reich gefüllte Tag endete mit einer Gebetszeit, in der alle Überlegungen und Themen des Tages sowie die Zukunft Europas vor Gott gebracht wurden. Daran schloss sich ein festliches Abendessen mit kulturellem Programm an.

Heinrich Brehm

 

Europa ist unsere Sache

Europa ist unsere Sache

Kleine Beispiele für Synergien zwischen Bewegungen und Initiativen „pro Europa“

„Miteinander für“ in Dresden

Wir sind eine kleine Gruppe der Fokolar-Bewegung in Dresden. Vor einigen Monaten hatten wir die Gelegenheit, auf dem Hauptplatz der Stadt etwa 200 Menschen die Gedanken über die weltweite Geschwisterlichkeit weiterzuschenken, wie Chiara Lubich sie im Jahre 2001 in Innsbruck vor 700 Bürgermeistern formuliert hatte. Mitorganisator der Veranstaltung in Dresden war „Pulse of Europe“, eine offene Initiative, die sich gemeinsam mit anderen für ein vereintes und demokratisches Europa einsetzt. „Pulse of Europe“ organisiert monatlich ein Programm, um Menschen für den Frieden und für die Werte, auf denen Europa gründet, zu sensibilisieren. Spürbar war die „geistliche Verwandtschaft“ die uns auch durch die Person von Chiara verbindet, die weltweit in vielen Menschen die Werte einer universalen Geschwisterlichkeit zu wecken wusste, auch im Blick auf das große Projekt eines vereinten Europas.

Als ein Verantwortlicher für die Jugendlichen in der Diözese, ein Jesuit, von unserer Zusammenarbeit hörte, hat er uns sehr ermutigt: „Macht weiter! Ihr habt die Möglichkeit, ganz unkompliziert euren Beitrag zu leisten. Ich bitte euch wirklich darum: Macht damit weiter, denn andere habe zu viel Angst!“  Wenn wir auch wenige sind, können wir dennoch den Weg einschlagen, den Gott uns weist! Wir sind sehr froh die Leute von „Pulse of Europe“ kennengelernt zu haben und sie wissen, dass wir sie unterstützen. Wir können es mit Überzeugung sagen: Ihr Anliegen, ihre große Herausforderung, ist auch die unsere.

Monika Scheidler, Ilse Fehr

Der „Neokatechumenale Weg“ feiert sein 40-jähriges Bestehen in Slowenien. Eine Gelegenheit, ein Fest innerhalb der großen Familie des Miteinanders zu feiern.

Anfang September feierte der „Neokatechumenale Weg“ seine 40-jährige Präsenz auf slowenischem Boden. Mitgefeiert haben auch Vertreter von verschiedenen Bewegungen wie Couples for Christ (Ehepaare für Christus), Cammino (Pot), Fokolar-Bewegung, Erneuerung im Geist und die Gemeinschaft Emmanuel. Die Feierlichkeiten waren sehr gut vorbereitet: ein Hochamt mit der Teilnahme von 5 Bischöfen und anschließend eine Agape, die Raum zu geschwisterlichen Begegnungen und zum Austausch gab. Ein besonderes Geschenk bei diesem Jubiläum war die Anwesenheit der ersten Neokatechumenalen, die vor 40 Jahren diesen Geist aus Italien nach Slowenien gebracht hatten. Die Feier war eine gute Gelegenheit um echte und tiefe Beziehungen zu knüpfen. Im Saal wurden wir herzlich empfangen und unter den besonderen Gästen wurden auch die Mitglieder der verschiedenen Gemeinschaften erwähnt.

Das Netz der unterschiedlichen Bewegungen und Gemeinschaften in Slowenien hat sich auch Dank der gegenseitigen Hilfe und Gastfreundschaft in all den Jahren verstärkt. So hat beispielsweise die Fokolar-Bewegung in ihrem Tagungszentrum in Planina 200 Ukrainer des „Neokatechumenalen Weges“ auf ihrer Hin- und Rückreise nach Rom beherbergt und mit Freude werden demnächst erneut 80 Ukrainer auf der Durchreise in die Ewige Stadt erwartet. Planina liegt strategisch günstig auf dem Weg nach Italien, was wir gerne für die Begegnungen im Sinne des Miteinanders nutzen.

Pavel und Marjana Snoj, Slowenien

Foto: privat

Auf den Spuren der „samtenen Revolution“

Auf den Spuren der „samtenen Revolution“

Miteinander für Europa 2018 in Prag

Prag, Hauptstadt der Tschechischen Republik, ein Land im Herzen der historischen und kulturellen Wegkreuzung Europas, wird vom 15.-17.11.2018 das jährliche Treffen des Trägerkreises von Miteinander für Europa beherbergen.

Die großen Ereignisse Mitteleuropas – und insbesondere die des tschechischen Volkes – werden den Hintergrund bilden für diese neue Etappe von Miteinander für Europa, das sich für den gegenseitigen Respekt und den Dialog zwischen verschiedenen kulturellen und politischen Identitäten einsetzt.

Im November 2017 hatte der europäische Trägerkreis von Miteinander für Europa in Wien, der Brückenstadt zwischen Ost und West, getagt. Mit einem weiteren Schritt gen Osten, findet die Begegnung diesmal in Prag, im östlichen Mitteleuropa statt. Der gemeinsame Wunsch besteht darin, sich den aktuellen, schwerwiegenden Schwierigkeiten, Vorurteilen und Ängsten zu stellen, die vor allem zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, aber auch darüber hinaus, existieren. Ein Leben nach dem Evangelium, das aus der Gegenwart Christi in und zwischen den christlichen Gemeinschaften Stärkung und Licht erhält, möchte Zeugnis dafür geben, dass der Weg zu einem Europa als „Haus der Nationen und Familie von Völkern“ keine Utopie ist.

Auf den Spuren der „samtenen Revolution“

Genau am 17. November gedenkt man in der Tschechischen Republik des Beginns der „sametová revoluce“ (der friedlichen Revolution, als „samtene“ bezeichnet), die auch aus diesem Land einen Protagonisten des noch andauernden europäischen Wiedervereinigungsprozess machte. Diese Übereinstimmung ruft die Freunde von Miteinander für Europa auf, ihr gemeinsames Engagement zu erneuern: In die postsäkulare Kultur den Geist des christlichen Humanismus einzubringen und damit einen Beitrag zu leisten, einem geeinteren Europa Leben und Gestalt zu geben.

Der bekannte Theologe und Philosoph Tomas Halik, persönlicher Freund von Vaclav Havel, Jaroslav Sebek, Mitglied des Historischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, und Pavel Fischer, vielversprechender tschechischer Politiker, werden zusammen mit Verantwortlichen und Vertretern verschiedener Bewegungen, Gemeinschaften und Organisationen die Tagung mit Beiträgen und Zeugnissen eröffnen. Die Tagung in Prag hat sich ein hohes Ziel gesteckt: An ein anderes Europa zu erinnern, an das Europa der großen Hoffnungen und Verheißungen, die aus dem reichen Erbe einer ethnischen, sozialen und kulturellen Vielfalt hervorgehen, die nach Gemeinschaft und Dialog strebt.

Das Ereignis in Prag wird so zu einer wichtigen Etappe in der Geschichte von Miteinander für Europa, das sich unermüdlich für ein von Einheit, Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit geprägtes Europa einsetzen möchte. Es wird auch eine gute Gelegenheit sein, um sich gemeinsam auf die nächsten Wahlen zum Europäischen Parlament vorzubereiten.

Den Abschluss der Begegnung wird ein offener Abend bilden, mit der Teilnahme von Repräsentanten der Bewegungen und Gemeinschaften aus verschiedenen Kirchen, die in Tschechien vertreten sind.

Adresse: Mariapolizentrum, Mladoboleslavská 667, 190 17 Praha 9 – Vinoř, Tschechische Republik  – Tel. +420 286 007 711; email: cmpraha@espol.cz  www.centrummariapoli.cz

Beatriz Lauenroth

Foto: Canva

 

Die Wahrheit siegt

Die Wahrheit siegt

Europa lebt von den Ideen, aus denen es entstanden ist

Zur Vorbereitung auf das Treffen des Trägerkreises von Miteinander für Europa, hier drei Fragen an Jiři Kratochvil aus Prag, Experte für den Dialog zwischen den verschiedenen europäischen Kulturen.

Das nächste Treffen des Trägerkreises von „Miteinander für Europa“ findet in Prag statt, Land der „Hussiten“, des „Prager Frühlings“ und der „Samtenen Revolution“. Die große Geschichte des tschechischen Volkes wird den Rahmen zum Dialog unter den Teilnehmern bilden. Wir kann man diese Geschichte vertieft verstehen?

Es ist eine bewegte Geschichte, gekennzeichnet von großen idealistischen und spirituellen Aufbrüchen, von der Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit, die aber oft in große Ernüchterung endete. Dies war gerade bei den drei erwähnten Ereignissen der Fall: Die hussitische Bewegung entbrannte nach dem Tod des Priester Jan Hus, der 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und der für seine Anhänger als Märtyrer für die Wahrheit galt. Leider haben die darauffolgenden Kriege, in denen es nicht mehr um die Wahrheit, sondern um Macht ging, das Land komplett verwüstet. So auch viele Jahrhunderte später, 1968, als die Hauptakteure des „Prager Frühlings“, die mit der begeisterten Unterstützung der ganzen Nation – so etwas hatte es zuvor nie gegeben – ein sozialistisches Regime mit einem „menschlichen Gesicht“ errichten wollten, das frei sein sollte von den Lügen und Grausamkeiten der nahen Vergangenheit. Leider wurde diese Hoffnung von den Raupen der Panzer vernichtet und machte einer allgemeinen Resignation Platz, die auch durch das heldenhafte Opfer von Jan Palach (einem Studenten, der sich aus Protest lebendig verbrannte) nicht zum Stillstand kam.

Und dann 1989 die „Samtene Revolution“, an die sich viele von uns noch gut erinnern; sie stand unter dem Wort ihres Hauptprotagonisten, Vaclav Havel: „Liebe und Wahrheit müssen über Lüge und Hass siegen.“ Niemand ahnte jedoch, dass ein so langer Kampf folgen werde: Die geistigen Früchte der ersten Monate, die man bei den Kundgebungen auf der Strassen und Plätzen so stark wahrgenommen hatte, wurden immer geringer weil sie vom Pragmatismus einer „Technologie der Macht“ ersetzt wurden.

Die Fahne des Präsidenten der Tschechischen Republik trägt den Schriftzug „die Wahrheit siegt“. Allerdings wurde die ursprüngliche Version – „Gottes Wahrheit siegt“ – abgeändert. Wir aber sind sicher, dass am Ende der Geschichte Seine Wahrheit siegen wird. Aber vielleicht muss sie zuvor noch manche Niederlage erfahren, wie uns die Geschichte (nicht nur die tschechische) lehrt, aber das entbindet uns nicht von der Pflicht, stets auf Seiner Seite zu stehen, auf der Seite Seiner Wahrheit.

„Miteinander für Europa“ möchte einen Beitrag zur Förderung der Einheit zwischen Ost- und Westeuropa leisten. Welche Rolle fällt dabei der Tschechischen Republik zu?

Aufgrund seiner zerrissenen religiösen Geschichte ist die Tschechische Republik ein sehr säkularisiertes Land. Die Mehrheit seiner Bevölkerung will sich nicht mit einer Kirche identifizieren. Aber das heißt nicht, dass sie atheistisch ist; erstaunlicherweise geht die Zahl derer, die sich als Atheisten bezeichnen, immer mehr zurück. Unter den Menschen, unter den Jugendlichen und auch unter den Intellektuellen gibt es eine starke Sensibilität für spirituelle und kulturelle Werte. Das kam zum Beispiel 2009 beim herzlichen Empfang, den die akademische Gemeinde von Prag Papst Benedikt XVI bereitet hat, zum Ausdruck. Vielleicht hat gerade diese Begegnung den Papst bewogen, einen „Vorhof der Völker“  als Raum für den Dialog mit der „säkularisierten“ Welt einzurichten.

Als Christen verschiedener Kirchen, die untereinander vereint sind, gemeinsam nach möglichen Formen dieses Dialogs zu suchen, das könnte eine Aufgabe für Miteinander für Europa sein. Säkularisierten Laien mit unterschiedlichen Merkmalen und Zügen gibt es in ganz Europa. Tschechien könnte zu einer kleinen „Werkstatt“ der Begegnung mit ihnen werden.

Mit dem Blick auf die Zukunft Europas, welche weitere Herausforderungen zeichnen sich ab auf dem Weg zum angestrebten Ziel, der Einheit?

Eine sehr schwierige Frage, deren Antwort mir zwar nicht einfach, aber gleichzeitig auch logisch erscheint. Man sagt, dass jede Nation – und dies gilt auch für einen Kontinent – von den Ideen lebt, aus denen sie entstanden ist. Man braucht sich nur in Erinnerung zu rufen, woraus das Europa, in dem wir heute leben, hervorgegangen ist: aus Jerusalem (Glaube), aus Athen (Vernunft) und aus Rom (Recht). Auf diesem sicheren Fundament sind seine kulturelle, spirituelle und materielle Größe und sein Reichtum gewachsen. Heute stehen wir vor der Situation einer Völkerwanderung, ähnlich wie die zu Beginn des Mittelalters: Die größte Herausforderung besteht darin, mit dem Anderssein der Neuankömmlinge, die sicherlich viele sein werden, leben zu können, denn die Migrationsströme werden nicht nur aus politischen und wirtschaftlichen Gründen, sondern vor allem aus klimatischen Gründen anhalten.

Wir dürfen uns nichts vormachen: Europa, wie wir es kennen, wird früher oder später verschwinden, nicht zuletzt wegen der sinkenden Geburtenraten. Wir Christen müssen die „kreative Minderheit“ bilden und zu diesen starken Wurzeln unserer Tradition und zu allen wahren Werten, die daraus hervorgegangen sind, zurückkehren, ohne uns jedoch den neuen Impulsen zu verschließen. Auf dieser spirituellen Grundlage können wir mit der Gnade Gottes, um die es immer zu beten gilt, die neue Einheit des neuen Europas suchen.

Jiři Kratochvil, Jahrgang 1953, Wirtschaftsstudium in Prag. Er hat viele Jahre in den Finanzabteilungen von verschiedenen staatlichen Unternehmen gearbeitet. Nach dem Fall des Kommunismus hat er der Caritas beim Wiederaufbau geholfen. Er hat in Kanada, Italien und Deutschland gelebt, sowie in Tschechien und in der Slowakei. Derzeit arbeitet er in Prag als Übersetzer in der tschechischen Bischofskonferenz.

Foto: Prag: ©Canva; Jiři Kratochvil: privat

Mit dem Blick nach vorn

Mit dem Blick nach vorn

Im Jahr 2019 finden Ende Mai die Direktwahlen zum Europäischen Parlament statt. Zwei Wochen davor, am 9. Mai, feiern wir den „Europatag“. Wenn wir gemeinsam unseren Beitrag zum Aufbau eines lebendigen und zukunftsträchtigen  Europa geben wollen, gilt es, sich in den verschiedenen Ländern und Städten rechtzeitig auf den Weg zu machen.

Es scheint, dass Miteinander für Europa noch nie so aktuell war wie heute, in einer Zeit, in der Europa zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen hat. Wir sind überzeugt, dass Gott dieses Netzwerk nicht ohne Grund ins Leben gerufen hat.

Europa beschäftigt viele. Es ist in aller Munde. Doch wie wird es uns gelingen, uns als Christen in die Gestaltung dieses Europas einzubringen? Wir wissen,  dass wir angesichts der großen Herausforderungen nur sehr begrenzte Möglichkeiten haben. Doch gerade kleine, aber kreative und motivierte Minderheiten können Entscheidendes bewirken und zur Veränderung in einem Land und in einem Kontinent beitragen. Deshalb wird es darauf ankommen, dass wir das, was uns geschenkt ist, unser Charisma, noch mehr einbringen und zur Entfaltung kommen lassen: Unsere Berufung zur Einheit, unsere Kultur des Miteinanders ist heute wichtiger denn je.

Der 9. Mai – Europatag

Beim europäischen Trägerkreis 2017 in Wien wurde der Vorschlag von Jeff Fountain (Niederlande) und der italienischen Gruppe, den am 9. Mai gefeierten „Europatag“ mit Leben zu füllen, von vielen mit Interesse aufgenommen. In diesem Jahr ist hier und dort schon manches in Bewegung gekommen.

Im Blick auf 2019 scheint es wichtig, dass wir diesen Termin bereits jetzt in unsere Jahresplanung aufnehmen. Es gilt, uns vor Ort als Bewegungen und Gemeinschaften zusammen zu tun und die Chance dieses Tages auszuloten.

Dabei kann es hilfreich sein, auch andere Initiativen einzubeziehen, die sich für ein Miteinander in Europa einsetzen. Die Europawahlen werden zwei Wochen später stattfinden, sodass man mit öffentlichem Rückenwind und entsprechenden Gestaltungsideen rechnen kann. Der 9. Mai 2019 hat somit ein gesteigertes Bedeutungspotenzial: Er soll ein Tag der Freude, des Feierns, des Engagements und des Gebetes sein! Diverse Impulse dazu> stehen bereits online zur Verfügung.

Europa braucht unser Gebet.

Wir sehen unseren Beitrag für Europa auch im Gebet. Nach unseren Initiativen am Vorabend des 60. Jahrestages der «Römischen Verträge» am 24. März 2017 wurde deutlich, welche verändernde Kraft es entfaltet hat. Vertrauen wir darauf, dass sich im Himmel und auf der Erde vieles bewegen wird, wenn wir gemeinsam für unseren Kontinent beten.

Gerhard Proß, Diego Goller, P. Heinrich Walter

Siehe auch: Bringen Sie ihre Stadt in Bewegung>

Foto: ©Ursel Haaf – www.urselhaaf.de

Europa im „Zeitalter der Angst“

Europa im „Zeitalter der Angst“

Es gilt, immer mehr in eine «Kultur des Vertrauens», eines eben auch welthaften Gott-Vertrauens hineinzuwachsen. 

Der Beitrag von Herbert Lauenroth am Mitarbeiter-Kongress von „Miteinander für Europa – München 2016″ ist noch immer höchst aktuell. Hier der volle Wortlaut. 

Liebe Freunde!

Beginnen möchte ich meine – eher grundsätzlich gehaltenen – Überlegungen zum Thema der Angst, der Angst in Europa mit zwei eindringlichen Bildern biblischer bzw. säkularer Prägung:

(1) Im Buch Genesis ruft Gott nach dem Menschen – in einem dramatischen Augenblick: „Wo bist Du, Adam?“ – Der Ruf geht an den, der sich – schamerfüllt und angstgetrieben – in das Unterholz geflüchtet hat, der sich vor dem Anblick Gottes verbirgt, weil er sich seiner existenziellen Nacktheit und Armseligkeit bewusst geworden ist. Das Bild beschreibt unsere gegenwärtige Situation in Europa recht drastisch: Unser Kontinent verbarrikadiert sich, verschanzt sich in seiner ausweglos erscheinenden Gegenwart. Europa steckt also in diesem Unterholz, diesen Verstrickungen in die eigenen Begrenzungen und Schuldgeschichten. Dieses Unterholz ist Idomeni, die mazedonische Grenze, der stacheldrahtbewehrte Zaun an der ungarisch-serbischen Grenze, es steht aber auch für die vielfältigen Aus-Grenzungen in unserer Gesellschaft.

Liest man nun das biblische Szenarium im Blick auf den Ausbau Europas zur „Festung“ – als Maßnahme gegen die Migranten, dann gewinnt das Bild noch einmal eine andere Lesart: Dann steht hier nämlich der europäische Souverän vor uns: als der eigentlich Unbehauste, Heimatlose, Flüchtende, der auf der fatalsten aller Fluchten ist: der vor sich selbst. Europa muss also neu diesen Anruf des biblischen Gottes vernehmen: als Frage nach der Bestimmung, der Sendung und Verantwortung für sich und die Welt: „Adam/Europa, wo bist Du?“

(2) Dieses Bild einer existenziellen Enge, aus der Gott herausruft, findet seine Entsprechung in den Visionen einer kosmischen Verlorenheit des Menschen in einem indifferenten, ungastlichen Universum. Dem hat der Philosoph und Mathematiker Blaise Pascal Ausdruck verliehen: „Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern!“.  Es geht hier um ein Entsetzt- oder Ausgesetzt-Sein, das den auf sich zurückgeworfenen, isolierten Menschen ängstigt – und leitmotivisch in der Geschichte Europas als „Verlust der Mitte“ oder „metaphysische Obdachlosigkeit“ beschrieben worden ist.

(3) Diese Angst vor Selbst- und Weltverlust kann aber zugleich auch einen neuen Erfahrungs-Raum erschließen:

* Der tschechische Dichter und Staatspräsident Vaclav Havel hat seinerzeit – im Rückblick auf die friedlichen Revolutionen in Ostmitteleuropa in den Jahren 1989/90 – von der ANGST als „ANGST VOR DER FREIHEIT“ gesprochen: Wir waren wie Gefangene, die sich an das Gefängnis gewöhnt hatten, und dann, aus heiterem Himmel in die ersehnte Freiheit entlassen, nicht wussten, wie sie mit ihr umgehen sollten und verzweifelt waren, weil sie sich ständig selbst entscheiden und Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen mussten. Es gilt, so Havel, sich dieser Angst zu stellen. Denn so kann sie in uns schließlich auch neue Fähigkeiten wecken: Angst vor der Freiheit kann genau das sein, was uns schließlich lehrt, unsere Freiheit wirklich richtig auszufüllen. Und Angst vor der Zukunft kann genau das sein, was uns zwingt, alles dafür zu tun, dass die Zukunft besser wird.  

* Der große protestantische Theologe Paul Tillich schließlich verortet die Angst als grundlegende Erfahrung menschlicher Existenz:  Der Mut zum Sein, schreibt er, wurzelt in dem Gott, der erscheint, wenn Gott in der Angst des Zweifels verschwunden ist. Das bedeutet: Erst die Erfahrung der Angst – als Verlust eines vormals prägenden und für unveränderlich gehaltenen Gottes-, Menschen und Welt-Bildes – setzt das frei, was hier „Mut zum Sein“ genannt wird. Der wahre – göttliche – Gott erscheint gewissermaßen im Herzen der Angst, und Er allein bewirkt Ent-Ängstigung. Und diese Erfahrung wiederum führt den Menschen zu den tieferen Erfahrungshorizonten des Seins. Gott offenbart sich in der vermeintlichen Gesichts- und Geschichtslosigkeit der Welt als Antlitz des Anderen.

(4) Es gilt also, in diese „Weltinnenräume“ biografischer wie kollektiver Ängste und Verlust­erfahrungen hinabzusteigen, um dort jenem Gott zu begegnen, der uns rettet. Zwei Beispiele:

(4.1) Yad Vashem: Mein Besuch im vergangenen Herbst in der Erinnerungsstätte an die Shoah ist mir unvergeßlich: Ich gehe wie benommen durch diese labyrinthisch anmutende Architektur und gelange schließlich zum „Denkmal für Kinder“, einem unterirdisch angelegten Raum, in dem das Licht brennender Kerzen durch Spiegel reflektiert wird. In diesem dunklen Resonanzraum körperloser Stimmen, die unablässig die elementaren Lebens-Daten der unschuldigen Opfer in Erinnerung rufen, empfinde ich eine neue, tiefe Solidarität  – gerade im Blick auf diese tiefsitzende Ur-Angst, nicht nur physisch vernichtet, sondern überhaupt aus dem kulturellen Gedächtnis gelöscht zu werden. Das Zeugnis dieses Ortes wird mir zur eigenen Erfahrung: Dem verlorenen Namen einen Ort geben, dem Namen Gottes und seiner Geschöpfe eine Erinnerung bewahren. Mein Eintrag ins Gästebuch ist ein Satz des Propheten Jesaja und bringt sowohl meine Verstörung als auch die neue Hoffnung auf die unverlierbare Nähe eines väterlichen Gottes zum Ausdruck: „Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich mit Deinem Namen gerufen, Du bist mein!“

(4.2) Und im Blick auf die Großen europäischen Erzählungen der Angst beschreibt der tschechische Philosoph und Theologe Tomás Hálik eine ähnliche Erfahrung: „Das kühne Projekt der europäischen Einheit errichten wir nicht auf unbekanntem Boden oder Brachland. Wir bauen es auf einem Boden, in dessen Schichten vergessene Schätze und verbrannte Trümmer lagern, wo Götter, Helden und Verbrecher begraben sind, verrostete Gedanken und nicht explodierte Bomben liegen. Wir müssen uns von Zeit zu Zeit aufmachen und in die Tiefen Europas blicken, in die Unterwelt, wie Orpheus zu Eurydike oder der getötete Christus zu Abraham und den Vätern aus dem Alten Testament.“

(5) Für mich bündeln sich diese verschiedenen „Abstiege in die Abgründe der Angst“ in der Schilderung der Taufe Jesu bei Matthäus:

Als aber Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden ihm aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herniederfahren und auf ihn kommen. Und siehe, eine Stimme ergeht aus den Himmeln, die spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Mit Christus absteigen, um an jenen Nullpunkt zu gelangen, über dem sich dann ganz überraschend der Himmel öffnet. Und hier zeigt sich Gottes Lebensgesetz: „Was von oben kommt, muss von unten wachsen.“ So entsteht in, mit und durch Jesus jene „geschwisterlich“ geprägte Solidargemeinschaft, in der sich die einzelnen nicht nur als „Schwestern und Brüder“, sondern auch als „Söhne und Töchter Gottes“ erkennen, in der also „Menschenwürde“ und „Gottebenbildlichkeit“ eine untrennbare Einheit bilden.

(6) In seinen Aufzeichnungen aus der Haft „Widerstand und Ergebung“ sieht Dietrich Bonhoeffer den Kern der christlichen Identität als Antwort an die Anfrage Jesu im Moment seiner Todesangst in Gethsemane: „Könnt Ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“ –   Es ist die Einladung zur Nachtwache an der Seite Jesu, seiner dem Vater zugewandten Gegenwart in einer säkularen  – vermeintlich gott-losen – Welt, und diese Gegenwart Jesu verwandelt unterschiedlichste Orte in Erfahrungs- und Erwartungs-Räume trinitarischen Lebens.

(7) Die „Angst“ erscheint in dieser Schlüsselstelle des Lukas-Evangeliums als privilegierter Lernort des Glaubens, an dem sich unsere diffusen, „blinden“ Ängste, bündeln und zur authentischen und erkenntnisstiftenden „Gottes-Furcht“ Jesu wandeln.

Denn:

  • In, mit, durch Jesus: ereignet sich die Ent- als echte Durch-Ängstigung des Menschen auf Gott hin: Die vermeintliche Preisgabe des Sohnes wandelt sich zur Hingabe an den Vater.
  • Einheit wächst als Erfahrung wechselseitigen Vertrauens aus der Sensibilität für das unverfügbare Geheimnis Gottes, der Alterität des anderen; die jüdische Philosophin Simone Weil hat für diese Erfahrung eine markante Formulierung gefunden: erst das vorbehaltlose „Einwilligen in die Distanz des anderen“  – so die franz. Philosophin Simone Weil – ermöglicht authentische Nähe und Gemeinschaft mit Gott und den Menschen.
  • Und also geht es darum: Das Unbekannte, Fremde, Randständige bevorzugen –  als „Lernort“ des Glaubens – in, mit, durch Jesus.
  • Das gilt gerade auch für die verschiedenen Charismen und die Gemeinschaft unter ihnen: Bei einer Begegnung des „MfE“ im November 2013 mit Jean Vanier, dem Gründer der „Arche“, in Paris wurde uns deutlich: Eigentlich besteht die Aufgabe der Charismen auch darin, das „Charisma der Welt“ zu empfangen und eben dieser Welt zu spiegeln; Vaniers Zeugnis hat uns sehr beeindruckt: nicht in erster Linie mit und für die „Adressaten“ der Seligpreisungen Jesu zu leben, sondern von ihnen her. Sie, die vermeintlich Bedürftigen und Empfangenden, sind die eigentlich Gott-Begabten und Gebenden, die Träger einer Botschaft, einer Gegen­wart Gottes, die von den Rändern wieder in die Mitte unserer Gesellschaften gelangen muss.  Der Aachener Bischof und Religionsphilosoph Klaus Hemmerle formulierte prägnant: „Lass mich an Dir die Botschaft lernen, die ich Dir zu überbringen habe“.

(8) Diese Haltung aber verlangt eine „Schubumkehr“, eine echte Metánoia im Selbst- und Weltverständnis so mancher Christen, einen neuen Glauben an die in Christus geoffenbarte Liebe Gottes zur Welt. Dabei gilt es, immer mehr in eine „Kultur des Vertrauens“, ja eines eben auch welthaften Gott-Vertrauens hineinzuwachsen, das in Jesus grundgelegt ist.

(9) Der Blick hinauf in die Kuppel des Circus-Krone-Bau lässt uns vielleicht an die Trapezkünstler denken – für mich die wahren Artisten der Ent-Ängstigung: immer im Wagnis des Vertrauens, des Loslassens und sich erneut Ausstreckens im Raum des Zukünftigen, als „Springer in der Schwebe“ (H.Nouwen). Artistischer Augen-Blick in jenem prophetischen und immer auch prekären, riskanten Zwischen von „Gnade und Schwerkraft“: als Anmut des Schwere-Losen, in der sich das Geschöpf doch immer gehalten und unterfangen, in gewisser Weise von sich „erlöst“ und zum anderen hin befreit weiß:

Ein Springer muss springen, und ein Fänger muss fangen, und der Springer muss mit ausgestreckten Armen und offenen Händen darauf vertrauen, dass der Fänger da sein wird. … Denke daran, dass du Gottes geliebtes Kind bist. Er wird da sein, wenn Du Deinen langen Sprung machst. Versuche nicht, nach ihm zu greifen. Er wird nach Dir greifen. Strecke einfach Deine Arme und Hände aus – und vertraue, vertraue, vertraue!“  (H. Nouwen)                                                                                                     

Herbert Lauenroth (Ökumenisches Lebenszentrum Ottmaring bei Augsburg), München, Circus-Krone-Bau, 01.07.2016 

Foto: Trapezkünstler ©Thierry Bissat (MfG); H. Lauenroth: ©Ursula Haaf

Das Europa der kleinen prophetischen Schritte

Das Europa der kleinen prophetischen Schritte

Wir haben es oft erlebt: Einheit in Europa ist keine Utopie und hängt nicht (nur) von Institutionen ab. Sie entsteht durch die Begegnung von Menschen: ohne Vorurteile, bereit den Reichtum, der in den anderen ist, zu entdecken, was – fast überraschend – dazu führt, dass man auf eine vertiefte Weise auch die eigene Identität wahrnimmt.

Das ist auch am vergangenen  3. Juni geschehen, als uns sechzehn Vertreter von Miteinander für Europa aus verschiedenen Bewegungen und Gemeinschaften unterschiedlicher  Kirchen (Schönstatt, Fokolar-Bewegung, Charismatische Erneuerung, Freie Christengemeinde, Kloster Wernberg) der Regionen Steiermark und Kärnten (Österreich)  in der Stadt Ljubljana (Slowenien) besuchten.

Als erste Etappe, am Morgen, drei Stunden Eintauchen in die Schönheit des Ortes: Silvester Gaberšcek, Kulturexperte, hat der Gruppe den schönsten Teil der Stadt gezeigt, das historische Zentrum von Ljubljana. Dann das Mittagessen mit einem typisch slowenischen Picknick, zu dem sich auch 15 Personen aus verschiedenen christlichen Bewegungen und Gemeinschaften Sloweniens dazugesellten. Es waren sehr schöne Momente, charakterisiert von einer Atmosphäre, wie es sie unter Schwestern und Brüdern gibt. Ja, es entstanden solche Beziehung wahrer Freundschaft, dass sich etwas von einem vereinigten Europa erspüren lies.

Danach fanden wir uns in einem Saal zusammen. Der Nachmittag begann mit typisch slowenischen Liedern. Der gegenseitigen Vorstellungsrunde folgte ein tiefer Austausch und ein Mit-teilen unserer jeweiligen Aufgaben und Einsätzen in verschiedenen Bereichen (wie zum Beispiel Aufnahme von Flüchtlingen, gemeinsame Aktivitäten mit Teens um Beziehungen unter Bürgern zu knüpfen, Referenden für Familie). Wir redeten über das, was wir schon gemeinsam tun, über unsere Zukunftsträume… und das alles bereichert mit  ausgewählten Gebeten und Liedern. Unsere Freunde aus Österreich haben ein auf Slowenisch gesungenes Gebet gelernt! In diesen gemeinsamen Stunden wurden wir alle gepackt vom Eifer und dem Feuer für den Dienst an der Einheit unseres Europas.

Um 18 Uhr haben wir uns verabschiedet, bereichert durch die neuen Bekanntschaften und entschlossen, uns bald wieder zu treffen. Erfreulicherweise wird das für einige schon im nächsten November in Prag der Fall sein.

Mariana und Pavel Snoj,  Koordinatoren für Miteinander für Europa in Slowenien

Blitzlichter vom Europafest 2018

Blitzlichter vom Europafest 2018

Um den 9. Mai herum, hat sich Miteinander für Europa mit Kreativität und Phantasie bewegt. Machen wir einen kleinen Ausflug in einige Länder unseres Kontinents.

In Bratislava (Slowakei) wurde der Abend vom 9. Mai der Jugend gewidmet, um sich über die Ideen eines geeinten Europas und wie wir einander Werkzeuge des Dialogs und der Verständigung sein können, auszutauschen. Am darauffolgenden Samstag kamen nochmals 120 Teilnehmer zusammen.

Aus Esslingen (Deutschland) erreichte uns der Bericht über eine Initiative, an der auch Bürgermeister Dr. Jürgen Zieger teilgenommen hatte. In seiner Rede ging es über Europa, über die historische Entwicklung der Europäischen Union und die Situation auf lokaler Ebene. Städtepartnerschaften, die nach den Katastrophen des ersten Weltkriegs zustande kamen, seien ein bedeutendes Zeichen des Friedens. Die enorme Bedeutung Europas für unser Land, aber auch ganz konkret für die Stadt wurde im Vortrag und in dem engagierten anschließenden Gespräch überaus deutlich. Miteinander für Europa hat mit seinen Aktivitäten das «Ja zu Europa» hervorgehoben und präsentierte einen Videoclip über die Veranstaltung «München 2016». Nach einem Gebet für Europa folgte ein gemeinsamer Moment bei Tisch, mit französischem Wein, einer italienischen Focaccia und intensiven Gesprächen. „Ein sehr guter Abend mit Einblicken, mit Weitblick und mit persönlicher Betroffenheit“, lautete das Fazit eines Teilnehmers.

In Paris (Frankreich) fand das „Europafest“ am 12. Mai vor dem Rathaus statt. Organisiert wurde es in Zusammenarbeit mit „Maison de l’Europe“ (Haus von Europa); Miteinander für Europa und zahlreiche Verbände und Gremien bildeten das „Europäische Dorf“. Das Ganze spielte sich im Herzen des Stadt ab, mit einer Mehrheitsbeteiligung von jungen Leuten. Miteinander für Europa hatte einen Stand eingerichtet, der auch von der Bürgermeisterin von Paris, Frau Hidalgo, und von Nathalie Loiseau, Ministerin für Europaangelegenheiten, besucht wurde, die sehr an der Initiative interessiert war und Dokumentationen mitnahm.

Auch in Trient (Italien) haben sich am 9. Mai Freunde des Miteinanders getroffen, um dann am 21. Mai die Einladung zu erweitern und u.a. eine DVD von «München 2016» zu zeigen.

In Belgien nutzten drei Bewegungen die Gelegenheit, um an einem Vormittag das Miteinander zu vertiefen.

Im Ambrosianeum in Mailand (Italien) nahmen Verantwortliche von Miteinander für Europa an der Präsentation von Robert Schumanns Essay «Für Europa» teil.

In Zagreb (Kroatien), trafen sich etwa 40 Vertreter verschiedener Bewegungen und Gemeinschaften – Charismatische Erneuerung, Schönstatt, Ignigo, Ökumenisches Forum, Fokolar-Bewegung – zusammen mit Vertretern der Baptistenkirche und einer Freikirche, um für Europa zu beten. Es folgte ein Moment der Besinnung, unter dem Titel «Ist es richtig?», präsentiert von der amerikanischen Schauspielerin Kathleen Ann Thompson. Inspiriert von D. Bonhoeffer, der Heiligen Schrift und anhand ihrer persönlichen Erfahrung verdeutlichte sie den christlichen Wert schmerzhafter Ereignisse.

Beim Trägerkreis-Treffen im vergangenen November in Wien hatte man darüber gesprochen, junge Menschen für Europa zu gewinnen. Dieser Einladung folgend, gingen Bewegungen des Miteinander für Europa Sloweniens an ein katholisches Gymnasium in Ljubljana, wo sie von 60 Studenten der dritten Klasse (18 Jahre) gemeinsam mit ihrem Professor erwartet wurden. Die zweistündige Präsentation der Gründungsväter Europas (Schuman, De Gaspari, Adenauer) und des Weges von Miteinander, aber auch die Berichte des persönlichen Engagements, stiessen auf grosses Interesse. Eine weitere Initiative des slowenischen Komitees war ein Brief an den Präsidenten der Republik, um Miteinander für Europa vorzustellen und den Wunsch nach einer Zusammenarbeit bei der Feier des 9. Mai zum Ausdruck zu bringen. In diesem Jahr wurde im Zentrum von Ljubljana eine grosse öffentliche Veranstaltung abgehalten.

In Rom (Italien) feiert das lokale Komitee von Miteinander für Europa seit 2013 den 9. Mai zum Gedenken an die Schuman-Erklärung. In diesem Jahr haben 15 Bewegungen, Gemeinschaften und Verbände dazu eingeladen, an einer Messe in der Kirche von San Marco-Evangelist beim Campidoglio teilzunehmen. Sie wurde mit dem Anliegen gefeiert, für unseren Kontinent zu beten. Gemeinsam mit Priestern der Bewegungen, hatte dabei Weihbischof Gianrico Ruzza den Vorsitz. Er regte an, die Wurzeln Europas aufzuwerten, wie es Papst Franziskus wiederholt betont hat. Am Vortag hatte der Verband «Die Zivilisation der Liebe», zusammen mit NetOne (www.netone.org) im Vatikan eine hochrangige Konferenz über Abrüstung und die Bewahrung der Schöpfung (bereits Thema eines Forums bei Kongress in München 2016) gehalten.

Am 9. Mai organisierten in den Niederlanden drei Kirchen von Utrecht (römisch-katholische, alt-katholische und protestantische) gemeinsam eine Zeit des Gebets (Europa Day Vesper) in der Kathedrale von Utrecht, gefolgt von einem Symposium mit dem Titel: «Europa? Impuls zum Zusammenhalt!». Die Kirchen fühlten sich als soziale Institutionen angesprochen, eine Reflexion über die Situation des Kontinents anzuregen, der trotz des gegenwärtigen Wiederauftauchens von Abgrenzungen und Autonomien zum Samen des Friedens und der Zusammenarbeit führen kann. Es waren Verantwortliche aus Kultur und Politik anwesend, mit denen die Teilnehmer ins Gespräch kommen konnten, im Bewusstsein, dass Europa nur in einem «miteinander» eine Chance hat und persönliches Engagement zur Zusammenarbeit gefragt ist.

Und wer weiß, wie viele weitere Initiativen auf unserem Kontinent stattgefunden haben…

Zusammengetragen von Ada Guazzo

Junge Menschen lieben das Konkrete

Junge Menschen lieben das Konkrete

Hat Europa eine Zukunft? Welchen Beitrag seht ihr etwa von Seiten der Kirchen und der christlichen Bewegungen und Gemeinschaften?

Sicher hat Europa eine Zukunft! Und darin spielen die Gemeinschaften und die Kirchen einzeln und gemeinsam eine wichtige Rolle, indem sie die Zivilgesellschaft stärken. Diese wird die künftigen führenden Politiker hervorbringen und in der Zwischenzeit stärkt und fördert sie das bürgerliche Engagement. „Der grösste Schaden wird von jenen Millionen von Menschen verursacht, die einfach ‚überleben‘ wollen.“  Deshalb sind die Gemeinschaften von Bedeutung, denn sie leben und entwickeln ihre je eigenen Gaben (wie etwa Ordnung, Freiheit, Gehorsam, Verantwortung, Gleichheit, Hierarchie, Achtung, Berichtigung, Privateigentum, Kollektiveigentum, Wahrheit usw.) und machen darauf aufmerksam.

Am 9. Mai feiern wir den „Europatag“. Was löst dieses Datum in euch aus? Wie würdet ihr euch wünschen, dass die Europäer diesen Tag feiern?

Die Wahl des Datums wie auch die Initiative selbst ist gut und notwendig. Die Frage stellt sich über das „Wie“. Man müsste einen Europatag konzipieren in dem – neben den interdisziplinären Konferenzen der verschiedenen wissenschaftlichen Bereiche – auch die ganze Gesellschaft einbezogen werden könnte. Keine offiziellen Festivitäten, sondern beispielsweise „Massenkundgebungen“, ähnlich dem Projekt mit den Kulturhauptstädten. Die Erfahrung zeigt, dass es immer die Politik ist, die offizielle Feierlichkeiten organisiert. Aber diese Nutzung zu eigenen Zwecken hält  die Menschen von solchen offiziellen Anlässen fern.

Wenn du Präsident/in der Europäischen Kommission wärst (d.h. wenn du eine verantwortliche Funktion mit Entscheidungsbefugnissen innehättest), welche Prioritäten, um die Gemeinschaft unter den europäischen Völker zu erhalten und zu fördern, stünden in der Agenda?

Keine Uniformität anstreben, sondern vielmehr auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung der Identität und der Solidarität die Integration fördern, stärken und beschleunigen. Es liegt auf der Hand, dass dieses schwache föderative System nicht funktioniert. Ein Beispiel sind die USA, wo man vergeblich eine gemeinsame Sprache spricht und man freiere Foren durch zentralistische verdrängt hat. Internationale Projekte wie etwa ERASMUS weiterführen und auf Forscher und Dozenten an Universitäten erweitern, aber mit der Zeit auch auf Erzieher und Lehrer der unteren Stufen. Unabhängig von der Studienrichtung müsste für alle Studierenden ein obligatorischer Semesteraufenthalt im Ausland eingeführt werden. Interuniversitäre Kurse zwischen benachbarten Ländern müssten regelmässig stattfinden (z.B. in Form von Sommer-Universitäten).

Wie seht ihr Europa im Kontext der aktuellen Weltpolitik?

Europa steht vor zwei wesentliche Herausforderungen. 1. Die Frage der Einheit: Wenn es Europa nicht gelingt die Einheit zu festigen und ihr Ausdruck zu verleihen, wird es an Gewicht einbüssen (siehe 2. Herausforderung). 2. Die Korruption: Jeder auch noch so kleine wirtschaftliche, moralische oder sexuelle Missbrauch kann der internationalen Gemeinschaft grossen Schaden zufügen, unabhängig davon, ob von einer öffentlichen oder privaten Instanz verübt. Dies kann nur und vor allem durch eine beständige und gemeinsame Gewissensprüfung (Reflexion) verhindert werden.

Es scheint, dass junge Menschen sich wenig Gedanken über die Zukunft Europas machen. Ist das so?

Junge Menschen lieben das Konkrete. Nicht-Greifbares interessiert sie nicht. Man müsste z.B. die Anzahl der Studenten im ERASMUS-Programm erhöhen und mehr in Auslandstudienprogramme investieren, damit sich die Jugend besser kennenlernen kann. Zudem bräuchte es konkrete europäische Ziele, an die sie glauben und wofür sie sich begeistern könnten.

Wie denkt ihr über die populistischen Tendenzen? Könnte es in einem MITEINANDER nicht besser gehen? Aber wie?

Erstens sind sie die Konsequenz der letzten Wirtschaftskrise; zweitens auch der verschiedenen bewaffneten Konflikte und Auseinandersetzungen (beispielsweise durch fremde Einmischungen); drittens sind sie durch den Nationalismus verursacht, der eine Frucht der oben erwähnten Realität ist; eines Nationalismus der nicht durch die Europäische Union repräsentiert ist, aber von den Populisten benutzt wird. Zudem haben die Wähler keinen Bezug zu den europäischen Politikern, sondern sehen und kennen nur die Politiker des eigenen Landes. Diese sind direkt verantwortlich dafür, wie die ursprünglichen Berichte von Bruxelles dem eigenen Land vermittelt werden; die Bevölkerung glaubt dann ihnen.

Auf jeden Fall müssen wir lernen miteinander vorwärts zu gehen. Wie? Siehe dazu die obigen Antworten. Der erste Schritt könnte der Wunsch sein, persönlich zu handeln und dann auch gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, aus der Erkenntnis der Effizienz und der Rolle des Miteinanders heraus.

Zsófia Bárány, PhD, und Szabolcs Somorjai, PhD, Ungarn, Universitätsassistenten im Bereich Gesellschaft, Wirtschaft in der Neuzeit, Politik und Kirchengeschichte.

 

 

 

 

 

 

Die Freude Europäer zu sein

Die Freude Europäer zu sein

Es scheint, dass sich junge Menschen wenig Gedanken über die Zukunft Europas machen.  Ist das so?

Meiner Meinung nach stimmt das nicht. Es gibt viele, die sich interessieren, aber man sieht sie nicht immer. Sichtbar sind vor allem jene, die die europäische Einheit nicht wollen. Dies müsste eine Herausforderung sein für alle Pro-Europäer, die für ein vereintes Europa eintreten.

Wie siehst du Europa im Kontext der aktuellen Weltpolitik?

Europa muss ein großes Beispiel an Demokratie geben, an Einheit und an  Zusammenarbeit. Es muss zeigen, dass die Demokratie eine bessere Lebensgrundlage ist.

Am 9. Mai feiern wir den „Europatag“. Was empfindest du bei diesem Datum? Wie würdest du dir wünschen, dass die Europäer diesen Tag begehen?

Für mich ist es ein wichtiges Datum. Es wäre ein Tag, an dem alle die Tatsache feiern könnten, dass wir in Frieden leben können, zumindest in weiten Teilen Europas. Vermutlich werden nicht ihn nicht alle öffentlich feiern, aber jeder sollte auf seine Weise der Freude Ausdruck verleihen, dass er ein Bürger Europas ist.

Wenn du Präsident der Europäischen Kommission wärst, also Entscheidungsbefugnis hättest, welche Prioritäten würden in deiner Agenda stehen um die Gemeinschaft unter den europäischen Völker zu erhalten und zu fördern? 

In erster Linie würde ich allen sagen, dass wir vor dem Gesetz gleich sind und als Bürger der Europäischen Union die gleichen Rechte haben. In den Ländern, die der EU erst seit kurzem angehören, sehen die Menschen nur die Unterschiede. Der Westen ist entwickelt, der Osten ist noch rückständig. In meiner Agenda würde stehen: Den Bürgern der EU sagen, dass wir alle gleich wichtig und unentbehrlich sind.

Hat Europa eine Zukunft? Welchen Beitrag siehst du etwa von Seiten der Kirchen, der christlichen Bewegungen und Gemeinschaften?

Europa hat eine große Zukunft! Europa ist für die Welt wichtig und sollte ein Beispiel sein. Es sollte zeigen, dass wir eins sind (was das Schwierigste ist) und dass es im Stande ist, alle anzunehmen. Der Beitrag der Kirchen und der Bewegungen müsste der sein, zu zeigen, dass wir keine Heuchler sind, die etwas sagen, aber etwas anderes tun. Wir müssen uns den anderen öffnen und sie annehmen. Dies gilt nicht nur für  Migranten, die nicht aus EU-Länder kommen, sondern auch innerhalb der EU selbst: Es darf keine Unterschiede zwischen Ost und West geben.

Wie denkst du über populistische Tendenzen? Könnte es in einem Miteinander nicht besser gehen? Aber wie?

Dies ist zurzeit wohl eine der schwierigsten Fragen. In den letzten Jahren haben wir erlebt, wie in fast allen Ländern der EU (und nicht nur dort) politische Parteien gewählt wurden, die sich mit populistischer Propaganda durchgesetzt haben. Dies ist auch in der Slowakei geschehen. Und es war nicht nur eine politische Partei. In den letzten Februartagen 2018  wurde in der Slowakei ein Journalist und seine Verlobte ermordet. Der 27 Jahre junger Mann schrieb über die Verbindung der Regierung (verschiedene populistische Parteien) mit der Mafia. Viele Slowaken haben darauf beschlossen, gemeinsam zu demonstrieren und mit ihrem Protest zu zeigen, dass sie genug von diesen Populisten haben. Aber miteinander. Friedlich, ohne Gewalt. Mit Angst, aber ohne Wut. Dies könnte ein Beispiel sein, wie man etwas miteinander tun kann. Sich vereinen, nicht nur als Bewohner einer Stadt, eines Landes, sondern als Bewohner der Europäischen Gemeinschaft. Als Bürger Europas.

Tomas Angelovic, Slowakei, 27 Jahre; Studium der Politikwissenschaften; Studiengang an der Sophia Universität in Loppiano (Italien)

Slowenien: dynamischer Dialog zwischen Bewegungen

Slowenien: dynamischer Dialog zwischen Bewegungen

Der 1. Februar war für uns Vertreter verschiedener Bewegungen und Gemeinschaften ein besonderer Tag. Zum ersten Mal waren wir im Slowenischen Parlament im Sitz der Christlich Demokratischen Partei zu Gast, um Miteinander für Europa vorzustellen. 

Jožef Horvat, Präsident des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und seine Mitarbeitern haben uns herzlich empfangen. Der ungarische Professor für Kommunikation und Experte für Ost-West Beziehungen, Pal Toth, hat die Spannungen zwischen Ost- und Westeuropa aufgezeigt und erklärt, wie Miteinander für Europa zur Lösung dieser Probleme beitragen kann. Danach hat der Präsident alle – einschließlich den anwesenden ehemaligen Kultusminister – aufgefordert, ihre Gedanken mitzuteilen. Präsident Horvat und seine Mitarbeiter haben uns am Ende für unseren Besuch herzlich gedankt und uns versichert, dass sie unseren Beitrag und unsere Erfahrung schätzen. Im Blick auf den 9. Mai wollen sie dem Slowenischen Parlament vorschlagen, einen der beiden freien Tage um den 1. Mai auf den 9. Mai, dem Europatag, zu verlegen.

Am Abend sind wir als Vertreter der verschiedenen Gemeinschaften und Bewegungen erneut zusammen gekommen – anwesend waren auch der Erzbischof von Ljubljana, Stanislav Zore und Pal Toth – um uns darüber auszutauschen, was uns im vergangenen November beim Treffen des Trägerkreises von Miteinander für Europa in Wien bewegt hatte. Das ökumenische Gebet im Stephansdom hatte uns besonders angesprochen und uns Mut gemacht, konkrete Schritte für die Versöhnung in Slowenien einzuleiten. Danach sprach Prof. Pal Toth über „die Kultur der Begegnung und des Dialogs zwischen Ost- und Westeuropa“ gefolgt von Prof. Igor Bahovec der unterstrich, wie wichtig es sei, Orte der Begegnung und des Dialogs zu finden. Außerdem forderte er dazu auf, bei unseren Gründern die europäischen Wurzeln wieder zu entdecken. Die Bewegungen können gemeinsam mit allen Menschen guten Willens konkrete Antworten auf die Frage nach dem Europa des Geistes geben.

Anschließend haben wir für die nächsten Jahre 5 Schritte vorgestellt, die auf große Zustimmung gestoßen sind. Als Bewegungen und Gemeinschaften die im Miteinander für Europa vernetzt sind, spüren wir eine „zweite Berufung“: Wir wollen uns nicht nur für unsere eigene Bewegung einsetzen, sondern auch miteinander unterwegs sein. Bischof Zore hat uns ermutigt, öfter solche Begegnungen einzuplanen, denn nur das Miteinander ist fruchtbar: Nur gemeinsam können wir für das Christentum Zeugnis ablegen, gemäß dem Gebet Jesu „alle sollen eins sein“ (Joh 17,21).

Es war danach selbstverständlich, dass wir den „Bund der gegenseitigen Liebe“ feierlich erneuert haben. Der Abend verlief weiter mit Fragen, Antworten und Vorschlägen; auch ein Radio-Interview stand auf dem Programm. In einem geschwisterlichen Dialog haben sich unsere gegenseitigen Beziehungen und unsere Entscheidungen gefestigt. Jemand hat es so formuliert: es ist ein Funke der Begeisterung aufgeleuchtet. Christus war wirklich unter uns und hat unsere Schritte auf ein immer umfassenderes Miteinander und eine fruchtbare Zusammenarbeit zu Gunsten Europas orientiert.

Pavel und Marjana Snoj, Vertreter von MfE in Slowenien  

 

Der Stephansdom Wien im Zentrum Europas

Der Stephansdom Wien im Zentrum Europas

Ökumenisches Gebet für Europa. Am 9.11.2017 stand der Stephansdom im Zentrum Europas. 

Sichtbar, einladend, europäisch – so präsentierte sich heute Abend das „Ökumenische Gebet für Europa“ im Stephansdom in Wien.

Im Herzen der österreichischen Hauptstadt waren am Vorabend ihres jährlichen Kongresses Menschen der christlichen Netzwerkorganisation Miteinander für Europa und aus ganz Österreich zusammengekommen. Ihr Anliegen: Einheit und Versöhnung der verschiedenen Konfessionen und Kulturen sowie Solidarität und Integration in Europa.

Mit Christoph Kardinal Schönborn, der eine ökumenische Schar geistlicher Würdenträger anführte, versammelten sich Hunderte von Menschen unter dem  Lettner-Kreuz im Dom, Erinnerung an die Opfer der zwei Weltkriege. „Von uns wird heute nicht erwartet, dass wir in Europa herrschen, sondern dienen“, unterstrich der Kardinal in seiner Ansprache.

In starker Verbundenheit erklang dann das feierliche Gebet um ein Miteinander von Kulturen, Generationen und um den Frieden. “ „Das Gebet war ein vielsprachiges, sichtbares, europäisches Hoffnungszeichen“, sagte  ein  Teilnehmer des Abends. „Es gibt Mut für die Zukunft.“

Video Ökumenisches Gebet Stephansdom>

Beim anschließenden Empfang unterstrichen Landessuperintendent Thomas Hennefeld, Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), und Jörg Wojahn, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, die christlichen Werte als Basis für ein geeintes Europa. „Wir brauchen jeden“, lud der Vertreter der EU die Anwesenden mit Nachdruck ein.

Nach dem 9.11. 1938 (Reichspogromnacht),  dem 9.11. 1989 (Fall der Berliner Mauer) wird der 9.11.2017, Tag des ökumenischen Gebets, vielleicht eine bedeutende Etappe auf dem Weg des Miteinander und ein Zeichen für Europa?

Beatriz Lauenroth;  Foto: Annemarie Baumgarten

Grußwort Thomas Hennefeld MfE Wien 9.11.2017 (195.5 KB, 54 downloads)
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555 Jahre!

555 Jahre!

„Verborgene Schätze“ in Wien

31.10.2017 = 555 Jahre! Ich verrate das Geheimnis: 500 Jahre = Luthers Reformation; 50 Jahre = so alt bin ich an diesem Tag geworden! 5 Jahre = so lange lebe ich in Österreich.

Als ich diesen sympathischen Zusammenfall  von Ereignissen feststellte, fragte ich mich: Wie kann ich meinen Geburtstag feiern und meine persönliche Geschichte mit jener der Ökumene in Beziehung bringen?

Ich bin Schweizerin, meine Mutter gehört der reformierten Kirche an, mein  Vater ist katholisch. Wir Kinder wurden in der reformierten Kirche getauft, aber dann haben wir unterschiedliche Wege eingeschlagen. Ich trat als Kind der Katholischen Kirche bei. Dieser lebensgeschichtliche Hintergrund erklärt wohl auch, warum die Leidenschaft für die Einheit der Kirche in mir so gross ist. Heute lebe ich in einer Gemeinschaft der Fokolarbewegung in Wien.

Bei einem Treffen  über geweihtes Leben im ökumenischen Lebenszentrum in Ottmaring (bei Augsburg) mit dem emeritierten lutherischen Bischof Herwig Sturm, durfte ich «Luther» mit Bildern, Worten und Tanz (von Beruf bin ich Tänzerin) vorstellen. Warum dies nicht an meiner Geburtstagsfeier wiederholen?

 

Mehr als 60 Gratulanten fanden sich am 29. Oktober „Am Spiegeln“, dem Begegnungszentrum der Fokolare in Wien, ein. Anstatt mir Geschenke zu bringen, haben sie meinem Wunsch entsprochen, für die Übersetzungskosten beim bevorstehenden europäischen Trägerkreis-Treffen von Miteinander für Europa, im selben Zentrum in Wien, einen Beitrag zu leisten.

Welche Freude dann, den gesammelten Betrag persönlich dem internationalen Komitee überreichen zu können!

Roswitha Oberfeld, Wien

Europa, eine Friedensverheißung

Europa, eine Friedensverheißung

Ein Kongress im Vatikan um Europa zu überdenken. Miteinander für Europa war dabei.

Heute sind die Christen aufgerufen, Europa wieder eine Seele zu geben, sein Gewissen wieder wachzurufen, nicht um Räume zu besetzen – dies wäre Proselytismus –, sondern um Prozesse in Gang zu bringen, die neue Dynamiken in der Gesellschaft erzeugen.” Diese Worte gab Papst Franziskus den 350 Teilnehmern des Kongresses (Re)Thinking Europe. Ein christlicher Beitrag zur Zukunft des europäischen Projekts der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat (Vatikan, 27.-29. Oktober 2017) mit. Die Begegnung hatte zum Ziel, den christlichen Beitrag zum europäischen Projekt deutlich zu machen, mit der Hoffnung, dass der hier begonnene Dialog für Europa und seine Institutionen in diesen schwierigen Zeiten hilfreich sei.

Der Präsident der COMECE, Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, zeichnete ein Bild von Situation, Perspektiven, Herausforderungen und Hoffnungen des Kontinents. Es ging um Themen wie Umwelt, Arbeit, Flüchtlingskrise, „es geht um einen klaren Blick auf unsere Gegenwart und vor allem auf die Zukunft“, wie er bei der Eröffnung am 27. Oktober sagte.

Für Erzbischof Jorge Ortiga von Braga, Delegierter der Portugiesischen Bischofskonferenz an der COMECE, „braucht die Europäische Union eine Seele, etwas Neues. Es geht nicht nur um Territorium oder Wirtschaft, sondern darum, sich der Verantwortung bewusst zu werden, eine gemeinsame Gesellschaft aufzubauen, Ausdruck eines einzigen Leibes, aber in der Verschiedenheit, unter Achtung jeder Kultur, jeden Landes, in dem, was ihm zu eigen ist.”

András Fejerdy, Professor an der Katholischen Universität von Budapest, stellte fest, dass „die Berliner Mauer vor nunmehr 25 Jahren gefallen ist, aber die Mauer in unseren Köpfen noch nicht. Vielleicht kennen wir im Ostteil Europas Geschichte, Kultur und Gedankengut des westlichen Europa. Aber uns begegnen dort viel Unverständnis, weil das Wissen fehlt. Beim Workshop, an dem ich teilgenommen habe, waren Vertreter aus Ost- und Südeuropa. Es war interessant zu sehen, dass wir die gleichen Hoffnungen und Ängste im Blick auf die Zukunft Europas teilen.”

Katrien Verhegge, Generaldirektorin von Kind en Gezin (Kind und Familie), Belgien: „In diesen Kontext bringen wir unsere Botschaft von Einheit und Verschiedenheit. Für mich bedeutet das, zum Wesentlichen zurückzukehren: zur Liebe und zur Goldenen Regel. Darüber können wir uns einig sein: Tu dem anderen nicht, was du für dich nicht möchtest. Wenn wir anfingen, von diesem Punkt her Europa neu zu denken, wären wir schon einen Schritt weiter.”

Pedro Vaz Patto, Präsident der Kommission Justitia et Pax in Portugal, sieht derzeit „eine Vertrauenskrise gegenüber Europa. Wir haben versucht, als Christen unseren Beitrag zu Europa zu geben, das immer auf der Suche nach einer Seele ist. Das Motto der EU ist ‚Einheit in Verschiedenheit‘. Wir Christen glauben an einen Gott, der eins und dreifaltig ist. Dieser Glaube hilft uns die Einheit in der Verschiedenheit zu leben, vor allem mit unserem Zeugnis, und das zwischen christlichen Bewegungen, Kirchen, Menschen.”

Unter den Teilnehmer an der Begegnung ist auch Ilona Toth, Beauftragte der Fokolar-Bewegung für Miteinander für Europa, ein Projekt von derzeit über 300 Gemeinschaften und Bewegungen verschiedener Kirchen auf dem ganzen Kontinent. Unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit bringen die verschiedenen Gruppierungen ihren spezifischen Beitrag in die Zusammenarbeit für gemeinsame Ziele ein. Sie sagte: „Das Projekt ist in diesem Zusammenhang mit Interesse aufgenommen worden. Wir wurden nach Brüssel eingeladen, um eine Zusammenarbeit zu beginnen. Den europäischen Völkern muss ihre Verantwortung für ihre Zukunft bewusst gemacht werden.”

 

Von Bedeutung die Anwesenheit von Verantwortlichen verschiedener Kirchen, darunter der Präsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, und Vertreter der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK): der Generalsekretär, P. Heikki Huttunen, und die Vizepräsidentin, Rev. Karin Burstrand.

Der Einsatz der Christen in Europa, sagte Papst Franziskus zum Abschluss seiner Ansprache, muss „eine Friedensverheißung darstellen. … Dies ist also nicht die Zeit, um Schützengraben auszuheben, sondern um den Mut zu haben, für die volle Verwirklichung des Traums der Väter von einem geeinten und einträchtigen Europa als einer Gemeinschaft von Völkern zu arbeiten, die sich nach einem gemeinsamen Ziel der Entwicklung und des Friedens sehnen.” (Franziskus, Ansprache an die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, 28. Oktober 2017)

Quelle: SIF  

Ansprache von Papst Franziskus> 

Video: https://vimeo.com/240377109

Der Trägerkreis von Miteinander für Europa tagt in Wien

Der Trägerkreis von Miteinander für Europa tagt in Wien

2017 trifft sich der Trägerkreis des Netzwerkes zu seinem jährlichen Kongress (9.-11. November) in Wien, Tor zwischen Ost und West des europäischen Kontinents

Es werden ca. 120 Teilnehmer aus rund 20 west- und osteuropäischen Ländern und 40 Bewegungen erwartet, um sich vor allem über drei Themen auszutauschen:

  1. Welche Kultur entsteht aus der Geschichte des Miteinander für Europa?
  2. Worin besteht unser spezifischer Beitrag zu Europa?
  3. Dialog zwischen Ost und West: eine gegenseitige Bereicherung

Von England bis Russland, von Portugal bis Griechenland spannt sich das Netz der Menschen, die mit diesem Treffen die Gemeinschaft unter ihren Charismen erneuern wollen. Ihr gemeinsamer Auftrag: ein geeintes und vielfältiges Europa mit starker sozialer Bindekraft und kultureller Vielfalt aufzubauen.

Am Ankunftstag, dem 9. November 2017, findet im Stephansdom ein ökumenisches Gebet für Europa statt, zu dem jeder eingeladen ist, der sich den Frieden in Europa und in der Welt wünscht.

Gemeinsam mit Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien, mit Weihbischof em. Helmuth Krätzl, mit Bischofsvikar Ivan Petkin, bulgarisch-orthodoxe Kirche in Österreich, mit Chorepiskopos Emanuel Aydin, syrisch-orthodoxe Kirche in Österreich, mit Patriarchaldelegat P. Tiran Petrosyan, armenisch-apostolische Kirche, und mit Revd. Patrick Curran, Bischofsvikar der östlichen Diözese der Anglikanischen Kirche in Europa, werden die Anwesenden Nöte und Chancen unseres Kontinents vor Gott bringen. Das Gebetsanliegen ist aktueller denn je: Einheit in Vielfalt, Friede in Gerechtigkeit.

Ein Grußwort haben zugesagt: Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Evangelisch-reformierten Kirche in Österreich und Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, sowie Jörg Wojahn, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich.


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Jahrzehnte des Staunens

Jahrzehnte des Staunens

Mit der metaphorischen Bezeichnung „hinter dem Eisernen Vorhang“ waren einst jene Staaten gemeint, die nach dem zweiten Weltkrieg und bis 1989 zum kommunistischen Block gehörten. Sie wurden so genannt aufgrund der „eisernen“ ideologischen Grenze, die damals Europa teilte und die in der Berliner Mauer sichtbar wurde.

Als ich mich für Studien in Prag, in der damaligen Tschechoslowakei, aufhielt, war die Erinnerung an Jan Palach noch sehr wach unter den Uni-Studenten und man sprach von ihm wie von einem Helden: Am 16. Januar 1969 hatte er als brennende Fackel die Welt auf die verzweifelte Lage seines Volkes aufmerksam gemacht. Mein erster Eindruck war, dass in derselben Stadt zwei Welten lebten: eine scheinbare, offizielle und eine verborgene, aber sehr lebendige.

Dieselbe Erfahrung machte ich auch in Ungarn, als ich 1980 dort eintraf. Die Nachrichten aus diesen Länder kamen nur zensuriert und kontrolliert in den Westen. Von Ungarn wusste man sehr wenig, abgesehen von den tragischen Ereignissen von 1956. Ich kam nach Budapest mit einem Stipendium für Forschungen über Kinderliteratur. Danach ereigneten sich eine Reihe von erstaunlichen Überraschungen, die schon an ein Wunder grenzten: Ich konnte in Ungarn bleiben und zwar nicht mehr nur als Student. Für die Übersetzungen, die ich gemacht hatte, wurde mir ein Preis verliehen, der mich bekannt machte und mir eine Stelle als Dozent an der Universität Janus Pannonius in Pécs ermöglichte. Auf dem Hintergrund einer Politik, die mehr von Interessen als von Ideologien gesteuert wurde, war das Einbringen positiver Werte nicht leicht; es erforderte Freiheit und große Verantwortung.

Eines Tages während einer Zugfahrt, beim endlosen Warten auf die Gepäckkontrolle am Zoll, schweifte mein Blick zum Fenster hinaus und ich sah einen kleinen Vogel, der auf dem Stacheldraht der Grenzanlage hin und her hüpfte. Unwillkürlich fragte ich mich, wie lange dieser Zaun wohl noch bestehen werde. Ein Satz des neapolitanischen Philosophen Giambattista Vico kam mir in den Sinn: „Die Dinge passen sich nicht an und bestehen nicht außerhalb ihres natürlichen Zustands.“ [1]

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989, musste ich de facto eine soziologische Studie übersetzen, die das Phänomen der Namensänderung der Straßen und Plätze in Budapest thematisierte, sowie das Los der Statuen – aufgebläht  von Siegessicherheit  und Muskeln – aus der Zeit des kommunistischen Realismus. Letztere wurden alle in einen Garten versetzt, gleichsam in einen Zoo, in den man am Sonntag die Kinder führt. Einige rote Sterne mussten wegen ihrer Größe und ihres Gewichtes noch einige Zeit warten, bis sie vom Sockel geholt wurden.

Nachdem ich 16 Jahre in Ungarn verbracht hatte, lebte ich noch in einigen anderen Länder des einstigen Warschauer Pakts, wie etwa die Slowakei und Polen. Als ich das Konzentrationslager Auschwitz besuchte, verstand ich den Sinn meiner eigenen Existenz besser und ich habe Gott dafür gedankt daran mitarbeiten zu können, dass nicht nur Europa, sondern die ganze Welt immer mehr zu einer Familie werde.

Treffend scheint mir die Feststellung, die Victor Hugo zugeschrieben wird: „Nichts auf der Welt kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist!“

Tanino Minuta 

 [1] SN I,2, Nr.134; http://homepage.univie.ac.at/franz.martin.wimmer/vo04_5.html

Geschichte studieren, leben und lehren

Geschichte studieren, leben und lehren

Der 9. November 1989 ist ein unvergessliches Datum der neueren Geschichte: die Berliner Mauer fällt. An jenem Abend saß auch ich wie gebannt vor dem Fernseher, um das unerwartete Ereignis mitzuerleben, vom dem viele, vor allem wir Jugendlichen, die eigentliche Tragweite noch gar nicht erfassen konnten.

Sicher, ich hatte in der Schule und an der Universität studiert, ich hatte sogar meinen Abschluss über moderne Geschichte gemacht, über die Jahre des kalten Kriegs und des Aufbaus des Eisernen Vorhangs… und nun zerbröckelte dieser in jenen Novembertagen unaufhaltsam. In den darauffolgenden Monaten erfuhren wir durch Zeitungen und Sonderberichten so manches über die Geschichte der Völker der Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Rumänien, die sich nun mit mehr oder weniger gewaltlosen Revolutionen  vom siebzigjährigen Joch der Sowjetunion befreiten.

An jenem 9. November 1989 hätte ich aber niemals gedacht, dass die Berichte und Bilder, die von den Medien verbreitet wurden, für mich schon bald Teil meines eigenen Lebens und zu konkreten menschlichen Begegnungen auf meinem Weg werden würden.

Es waren nur anderthalb Monate vergangen, als ich in Budapest aus dem Zug stieg, der mich von Rom über Slowenien und Kroatien nach Ungarn gebracht hatte. Tatsächlich hatte man mir eine Stelle als Italienisch- und Geschichtslehrerin an einem Gymnasium der ungarischen Hauptstadt angeboten. An jenem Dezemberabend erwartete mich in der rauchigen Atmosphäre der Bahnhofshalle eine spärliche Gruppe von Personen, die mir mit einem breiten Lächeln Blumen überreichte. Welcher Kontrast zu der Szene, die mich draußen auf dem Bahnhofsplatz  erwartete: aus großen Lastwagen stiegen gerade Duzende von russischen Soldaten aus.  Ja, dies war meine erste Begegnung mit einem Oststaat: Normale und mir gleich familiär anmutende Menschen, eingetaucht in eine graue und suspekte Atmosphäre, in der die Zeichen des „Kontrolliert-Seins“ noch deutlich spürbar waren, obwohl im Oktober 1989 der Beginn der Ungarische Republik proklamiert worden war. (Es vergingen jedoch noch gut zwei Jahre, ehe der letzte Soldat mit einem roten Stern auf der Mütze das Land für immer verließ).

Die ersten Monate in der neuen „Freiheit“ bedeuteten sowohl politisch als auch gesellschaftlich eine Übergangsphase: Während die demokratische Regierung die ersten Schritte unternahm und sich sogar mit Streiks konfrontiert sah (!), füllten sich die Geschäfte mit einer zunehmenden Vielfalt von Produkten, von denen manche aus dem Ausland kamen. Aber das Alltagsleben war immer noch kompliziert, besonders für mich Westlerin. Hatte ich mich etwa zuhause für ein Menu entschieden, war es dann nicht einfach, auf dem Markt die entsprechenden Zutaten zu finden! Eines Tages, im Jahre 1990, blockierten die Taxifahrer und die Spediteure sämtliche Brücken über die Donau, um gegen die Erhöhung der Benzinpreise zu protestieren. Sofort bildeten sich endlose Menschenschlangen vor den Bäckereien und die Regale der kleinen Geschäfte waren im nu leergeräumt. „Es ist wie 1956“ hörte ich auf dem Markt manche Leute sagen, womit gemeint war, dass wie damals das Brot fehlte. Im Grunde konnten die Menschen noch nicht recht glauben, dass das Schlimmste wirklich überstanden war.

Dass es hier um eine ganz „andere Geschichte“ ging, wurde für mich noch deutlicher, als ich mit dem Unterrichten begann. Es gab praktisch keine Geschichtsbücher, denn die vorhandenen brachten noch die von Moskau ideologisch gefärbte Version im Zeichen des Klassenkampfs. Auch musste ich meinen unwissenden Studenten Dinge beibringen, die für mich ganz selbstverständlich waren. Die eindeutigste Begebenheit habe ich in einer Schulstunde am Vorabend des Weihnachtsfestes 1990 erlebt. Um italienische Konversation zu üben, sprachen wir über die Weihnachtsbräuche in Italien. Natürlich erzählte ich mit Begeisterung von der Geburt Jesu und dessen Darstellung in den Krippen, die in diesen Tagen einen zentralen Platz in den italienischen Familien hatten. Ich redete sicher schon eine halbe Stunde, als ein brünettes Mädchen aus der hinteren Reihen sich zu Wort meldete: „Frau Lehrerin, wer ist dieser Jesus?“

Maria Bruna Romito

Die Schweizer Spurgruppe und Bruder Klaus

Die Schweizer Spurgruppe und Bruder Klaus

500 Jahre Reformation und 600 Jahre Niklaus von Flüe – was haben diese Gedenkjahre uns heute zu sagen? 260 Personen des Schweizer Netzwerkes Miteinander für Europa aus verschiedenen Kirchen trafen sich am 9. September 2017 zu diesem Thema in der Mehrzweckhalle Flüelimatte.  

Im Mittelpunkt stand die Frage: «Was bedeutet das Leben und Wirken von Bruder Klaus für uns persönlich, für unsere Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, für unser Miteinander?»

Die Teilnehmer aus fast 30 verschiedenen christlichen Bewegungen und Gemeinschaften reisten aus der ganzen Schweiz an. Bereits zu Beginn war spürbar, wie sehr für alle die Begegnung und der Austausch im Zentrum dieses Tages stand. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich die Mehrzweckhalle in unzählige, fröhliche, angeregte Runden verwandelt. «Im Miteinander» hatte die Schweizerische Spurgruppe, bestehend aus Vertretern von 10 verschiedenen Bewegungen und Gemeinschaften, diesen Tag geplant und vorbereitet.

Die Tagung war mit den vier Co-Referaten (unterschiedliche Zugänge zu Leben und Wirken von Bruder Klaus), den Chorbeiträgen, den drei Beiträgen der Schauspielgruppe zum Gebet von Bruder Klaus und dem sehr lebhaften, tiefen Podiumsgespräch sehr abwechslungsreich gestaltet.

Pfr. Geri Keller und Roland Gröbli als Bruder Klaus Experten, P. Raffael Rieger als Vertreter für Miteinander für Europa und Alisha Furer, Historikerin, als Vertretung der Jugend, waren die Animatoren der einstündigen Gesprächsrunde. Moderiert wurde sie von Selomie Zürcher, einer Geschichtsstudentin aus der Jahu-Gemeinde. Die Teilnehmer wurden durch Worte des Bruder Klaus angeregt, über ihre eigenen Erfahrungen / Grenzen zu sprechen: Was hindert mich daran, auf Menschen anderer Konfessionen zuzugehen?  Was fördert mich dazu? Welche positiven Erlebnisse von erfahrenem «Miteinander» kann ich weitergeben? Diese Anstöße haben dazu ermutigt und herausgefordert, Vorurteile abzulegen, bewusst den ersten Schritt zu tun, auch im «Miteinander im Alltag, wie etwa während einer Busfahrt».

Auch Bruder Klaus fasziniert gerade eben, weil er etliche Facetten birgt: Klaus der Mystiker, der Mittler, der Bauer, Politiker, Ehemann, Vater und Wegweiser. Einfach gesagt: Klaus der Mensch, Bruder Klaus, ist den Menschen nahe. Er ist aber auch Gott ganz nahe.

Verschiedene Teilnehmer, die aus Interesse an Bruder Klaus gekommen waren, drückten ihre Begeisterung aus, das Netzwerk Miteinander für Europa kennengelernt zu haben. Jemand kommentierte: «Danke für Euren Einsatz fürs MITEINANDER in Europa, ich gehöre ab sofort auch dazu!»

von Elisabeth Reusser

Weitere interessante Beiträge, Presseartikel, Texte und Fotos zu dieser Tagung gibt es auf der Schweizer «Miteinander» Website: http://miteinander-wie-sonst.ch/miteinander/aktuelles

Der Balkan aus der Sicht eines Neapolitaners

Der Balkan aus der Sicht eines Neapolitaners

Über eine zehnjährige Erfahrung in Slowenien, Kroatien und Rumänien zu berichten, ist nicht leicht.

Ich kann sagen, dass ich mich gleich wohlgefühlt habe. Allerdings war die Begegnung mit Slowenien anfänglich recht anspruchsvoll, so verschieden ist dieses Volks von meinem eigenen. Ich kannte die Sprache nicht, das Klima war sehr kalt, typisch war der allgegenwärtige Geruch von Kohle, die in den Öfen der Häuser brannte. Aufgefallen ist mir sofort der Sinn für Ordnung und Disziplin. Ich erinnere mich, dass ich eines Abends mit einem Freund der Kommunität vor einem Kiosk wartete, um Obst zu kaufen. Er hatte sich in die Reihe gestellt, während ich etwas beiseite stand. Auf einmal bemerkte ich, dass sich auch hinter mir eine Reihe gebildet hatte. Bald nahm ich wahr, dass sich solche Reihen selbst beim Einsteigen in die Autobusse bildeten. Das hat mich äusserst positiv beeindruckt.

Fünf Monate später zog ich nach Kroatien. Ein neues Freiheitsgefühl: Ich war unterdessen an der Universität eingeschrieben, um die Sprache zu lernen, konnte Menschen begegnen, mich frei in der Stadt bewegen und vieles mehr, was ich vorher noch nicht konnte. In den Kroaten ist mir ein Volk begegnet, das meinem sehr ähnlich ist: heiter, herzlich, gastfreundlich und es liebt das gute Essen.

Der Mauerfall

Dies war ein unvergessliches Ereignis, das ich Augenblick für Augenblick mit Freunden und vielen anderen vor dem Fernseher miterlebt habe: Wir waren Zeugen einer Welt, die sich veränderte.

Der Krieg

Der Balkankrieg war wohl eine der stärksten Erfahrungen: Ein etwas sonderbares Gefühl, denn in Zagreb, wo ich damals wohnte, waren wir nicht direkt in den Konflikt involviert. Nur in den ersten Tagen habe ich Angstmomente durchlebt, aufgrund der Heckenschützen die wahllos, von allen Seiten, auf Passanten schossen. Dennoch, was mir aus jenen Kriegsjahren am meisten geblieben ist, ist nicht die Zerstörung von Städten und Dörfern, sondern die Solidarität, die  zwischen den Menschen entstand. Die Ankunft von Lastwägen voller Nahrungsmittel, Kleider und anderem zu erleben, war schon sehr bewegend. Ich selber hatte in Neapel die Wohnung meiner verstorbenen Eltern geräumt und mit Hilfe einer Gruppe Jugendlicher den gesamten Hausrat nach Kroatien gebracht.

Gerne erinnere ich mich auch daran, dass es uns 1993 mitten im Krieg gelang, ein Festival mit etwa 3000 Jugendlichen zu organisieren: Katholiken, Orthodoxe, Muslime aus ganz Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien und Moldawien. Besonders ergreifend war der Gesang einer Chorgruppe junger Muslime! Die Veranstaltung wurde von Radio und Fernsehen übertragen; am darauffolgenden Tag war die Nachricht auf der Titelseite aller Zeitungen in der Hauptstadt zu sehen.

Dakien (Rumänien)

In diesem Land habe ich erfahren, was es heisst, aus der Situation eines Quasi-Wohlstands in die Verelendung zu geraten. Dem Kommunismus – so der Eindruck – war es gelungen, die ganze kulturelle, gesellschaftliche und volkstümliche Geschichte dieses Landes zu zerstören. Für mich war es ein Schock! Ein junger Mann, den ich vom Sehen her kannte, hatte mich um Geld gebeten, aber ich konnte ihm nicht helfen, da ich die gewünschte Summe nicht bei mir hatte. Im Nachhinein habe ich mich gefragt: Warum ist er gerade zu mir gekommen?  Meine Antwort: Weil er wusste, dass ich Italiener bin und sich vorstellen konnte, dass ich immer wieder dahin zurückkehren konnte, wo ich hergekommen war. Wahre Armut ist wohl das Gefühlt wirklich nichts zu haben: weder einen Platz noch jemanden, von dem man Hilfe erwarten könnte.

Aber auch in Rumänien habe die Erfahrung tiefer Gemeinschaft gemacht, bin Schwestern und Brüdern begegnet, die sich nach dem sehnten, was ihrem Leben endlich einen Sinn geben könnte: die Liebe! Mit vielen von ihnen, wie auch mit vielen in Slowenien und Kroatien, stehe ich bis heute in einer geschwisterliche Beziehung.

Gennaro Lamagna

 

Immer weiter gen Osten

Immer weiter gen Osten

Rossiya mon Amour

Moskau im Winter 1991. Es ist früher Nachmittag, als mein Flugzeug an jenem 12. Dezember auf dem nur spärlich beleuchteten Flughafen Sheremetevo landet.

Ich habe Arbeit an der bekannten Lomonossow-Universität gefunden und ziehe mit all meinem Hab und Gut nach Russland um. Draußen ist es bereits stockdunkel, und irgendwie habe ich den Eindruck, dass hier die Welt nun endgültig zu Ende ist. Dann die Durchsagen: Anschlussflüge nach Novosibirsk und Krasnojarsk…. Da ahne ich: offensichtlich geht es hier erst richtig los.

Der Zauber des Beginns

Ich wohne in einer kleinen ökumenisch ausgerichteten Gemeinschaft in der Volocaevskaja-Strasse, in einem wie mir scheint finsteren Arbeiterviertel. „Keine Angst! Hier beschützt uns das Proletariat“, erklärt man mir auf meine Frage, warum wir nicht lieber – wie andere Ausländer – auf das komfortable Botschaftsgelände umsiedeln.

Der Kontakt mit unseren Nachbarn ist spontan: die alten Frauen im Hof, die genau wissen, wer wann wohin geht. Die kleinen Kinder, die mich im schmutzigen, muffig riechenden Treppenaufgang mit ihrer Spontanität die trostlose Umgebung vergessen lassen. Hier kommen auch unsere neuen Freunde gern zu Besuch, Kollegen und Studenten, Alte und Junge. Es stört sie nicht, dass in unserer möblierten Wohnung das Sofa von Mäusen angeknabbert wird, und dass das Wasserrohr im Flur leckt. Der Beginn unserer tiefen Freundschaft taucht alles in ein helles Licht und lässt Äußerlichkeiten  zunächst vergessen.

Die „geistlichen Kinder“ Alexander Mens

Zu Beginn der 1990er Jahre geht die gesamtwirtschaftliche Produktion in Russland noch weiter rapide zurück. Die Geschäfte sind leer, es fehlt an allem. Das religiöse Leben scheint längst erloschen. Hinter Kirchenmauern befinden sich eine Wodkafabrik, Büroräume, eine Druckerei…

Wir lernen den russisch-orthodoxen Priester Alexander Men kennen. Seit den 1960er Jahren tauft er im Untergrund Tausende von Menschen und zeigt eine für die Zeit nicht ungefährliche ökumenische Offenheit. Um ihn entsteht eine lebendige Gemeinde aufgeschlossener russisch-orthodoxer Christen. Als P. Alexander hinterrücks ermordet wird, lässt er seine „geistlichen Kinder“ als traumatisierte Waisen zurück.

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ (Mt 18,20)

Bald schließen sich viele von ihnen uns an. Wir beginnen, gemeinsam das Wort aus der Schrift zu leben, z.B. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich unter ihnen“ (Mt 18,20). Wie sie selbst sagen, finden sie unter uns eine neue Heimat. „Ihr betreibt keinen „Proselytismus“, sondern helft uns, zu einem „Ferment“ einer sich erneuernden russisch-orthodoxen Kirche zu werden.“ Nach Jahrzehnten geistlicher Dürre erleben wir mit ihnen und vielen anderen einen neuen Frühling. Ich bin so glücklich wie nie zuvor. Der Durst nach einem gemeinschaftlichen geistlichen Leben führt uns, die wir so verschieden von Kultur, Erziehung und Mentalität sind, zusammen.

Meine Entdeckung

Mit Perestroika und Glasnost‘ kommen in den 1990er Jahren vermehrt Organisationen, Sekten, aber auch Hilfswerke der Kirchen (wie Renovabis, Kirche in Not, Bonifatiuswerk) und religiöse Bewegungen (z.B. Comunione e Liberazione, Neokatumenale, Fokolar, Comunità di S. Egidio) in die Länder hinter dem „Eisernen Vorhang“. Einige sind geblieben, viele sind wieder gegangen.

Meine persönliche Erfahrung als Westdeutsche nach fast zwei Jahrzehnten in Russland? Ich habe von diesem Land unendlich mehr empfangen als ich je werde geben können, u.a. die innere Sammlung während der reichen russisch-orthodoxen Liturgie, in der meine Beziehung zu Gott tiefer wurde, die festen Freundschaften, die auch auf Entfernung halten und die mir zeigen, dass ich geliebt werde. Ich habe ganz neu meine Berufung als Christin und als Frau entdeckt: berufen, um zu lieben. Wir haben in jenen Jahren, so denke ich, auf unsere Art die Apostelgeschichte neu geschrieben. Das „Seht, wie sie einander lieben und alles gemeinsam haben“ (vgl. Apg 4, 32) hat uns geprägt. Und so gesehen, das verstehe ich ganz neu, geht die Frohe Botschaft tatsächlich noch viel weiter… weit hinaus über Novosibirsk und Krasnojarsk.

Beatriz Lauenroth 

Herzlich Willkommen in Wien!

Herzlich Willkommen in Wien!

WILLKOMMEN, BENVENUTI, WELCOME, VITAJTE, BIENVENUE…

Der Trägerkreis von „Miteinander für Europa“ trifft sich kommenden November in Wien

Ein großes „Miteinander“ soll das Treffen werden – ein tiefes Miteinander, ein sichtbares Miteinander, ein einladendes Miteinander und ein fröhliches europäisches Miteinander.

Da haben wir im Wiener Koordinationsteam viel gegrübelt – nach Rücksprache mit dem Leitungskomitee organisieren wir jetzt den Start am 9. November mit einem ökumenischen Gebet im Stephansdom – mitten in Wien – im Blickpunkt der Öffentlichkeit – mit prominenter Beteiligung. Der Erzbischof von Wien, Kardinal Schönborn hat seine Teilnahme beim Gebet zugesagt, der Bürgermeister von Wien lädt im Anschluss zu einer Agape ein.

9. November Stephansdom – Du kommst doch!“ – jeder, der uns über den Weg läuft bekommt das sehr eindringlich zu hören.

Ob der Stephansdom voll wird? „Die Partitur wird im Himmel geschrieben“ sagt Chiara Lubich – darauf verlassen wir uns jetzt.

das Koordinierungsteam von MfE Wien


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München 2016 endlich online

München 2016 endlich online

Es ist soweit! Dank dem Einsatz Vieler, steht die komplette Dokumentation der Veranstaltung in München vom 30. Juni – 2. Juli 2016  zur Verfügung: Alle Fotos und Beiträge vom Kongress und der Kundgebung auf dem „Stachus“.

Sie ist in englischer und in deutscher Version erhältlich.

Hier geht‘s zur deutschen Ausgabe >

Hier geht‘s zur englischen Ausgabe >

Es ist auch möglich, die Dokumentation als pdf-Datei herunterzuladen: Deutsch >  ;    

Englisch >

Internationales Sekretariat von Miteinander für Europa

 

Erhaltene Vorschläge

Erhaltene Vorschläge

Mit dem Newsletter vom vergangenen Mai hatten wir um Vorschläge gebeten. Hier nun, in Originalsprache, die kurzen Sätze als Untertitel von „Miteinander für Europa“, die uns erreicht haben. 

Ein herzlicher DANK an alle, die sich gemeldet haben und auch auf diese Weise ihre lebendige Zugehörigkeit zum MITEINDER ausgedrückt haben! 

  • ’Europa – la nostra casa comune
  • ’Europa – la Casa della famiglia dei popoli
  • In the Name of Jesus
  • Cristiani per l’Europa – popoli dal labbro puro, rivestiti delle armi della luce
  • Ein geschwisterliches Europa der Werte
  • Wir bauen auf ein Europa der Geschwisterlichkeit / auf ein Europa der Werte
  • Insieme per l’Europa – pista cristiana verso un mondo migliore di sussidiarietà e solidarietà
  • „Diese Christen bekommen wir nicht mehr auseinander. Sie gehören zusammen“  (Zitat von Reinhard Kardinal Marx)
  • Miteinander für Europa – Christen aus verschiedenen Konfessionen tun sich zusammen
  • Aus Unkenntnis wird ein Staunen über den Reichtum der anderen
  • Ein Synergie-Effekt entsteht. Kräfte werden frei.
  • Europa bekommt ein anderes Gesicht! Das Gesicht Jesu!
  • Innestati nelle radici comuni
  • L’Europa si desta!
  • Europa: casa delle nazioni – Famiglia di popoli
  • Europa delle nazioni – Famiglia di popoli

 

 

Unter „Verwandten“ in Assisi

Unter „Verwandten“ in Assisi

Miteinander für Europa zu Gast beim Verband „Städte für Geschwisterlichkeit“ (Associazione Città per la Fraternità)

Man sagt, dass Europa geeint wird, wenn man seine Städte verbindet. Aber gibt es ein universales „Bindemittel“, das ein solches Netz zusammen und am Leben erhalten kann?

Miteinander für Europa ist ein M i t e i n a n d e r  von Christen für eine umfassende Geschwisterlichkeit, mit einem sozialen und in weitesten Sinne politischen Engagement zum Wohle unseres Kontinents.

Der Verband Städte für Geschwisterlichkeit ist ein Organismus, der – nicht nur in Italien – dazu beitragen möchte, im politischen Leben das Prinzip der Geschwisterlichkeit zu fördern. Also sind wir „Verwandte“!

In der Stadt des Franz von Assisi haben sich am 22. Juni 2017 die Verantwortlichen des Verbandes Städte für Geschwisterlichkeit getroffen, darunter die Vertretungen von verschiedenen Städten Italiens. Nach einem ersten Kontakt, am 17. Februar 2017 in Rom, anlässlich der Verleihung des Preises „Chiara Lubich für die Geschwisterlichkeit“ an die Gemeinde Assisi (siehe dazu auch die internationalen Nachrichten auf dieser Website), ist nun auch Miteinander für Europa zum Treffen in Assisi eingeladen worden. Der Wunsch des Verbandes ist es, eine fruchtbringende Synergie zu entwickeln im Blick auf ein immer  größeres Gemeinwohl.

„Unser Modus vivendi muss die Geschwisterlichkeit sein“ – unterstrich die Vizepräsidentin, Donatella Tesei und brachte einige konkrete Beispiele von Zusammenarbeit zwischen Städten Zentralitaliens. Die Berichte und Zeugnisse vom Wirken von Miteinander für Europa in verschiedenen Städten Europas schienen wie ein Echo auf diese Worte.

Geschwisterlichkeit ist also das wahre, mögliche „Bindemittel“, das Synergien zwischen den verschiedenen Verwaltern der Städte für Geschwisterlichkeit und den Bewegungen und Gemeinschaften von Miteinander für Europa hervorbringt. Angesichts der vielen Herausforderungen in unseren Städten, können sie so gemeinsam ihren geistlichen und kulturellen Beitrag leisten.

Ilona Tóth und Ada Maria Guazzo

 

9. Mai: Europatag

9. Mai: Europatag

An guten Absichten und neuen Verpflichtungen fehlt es nicht

Dieser Tag erinnert an den Beginn der europäischen Integration, denn an am 9. Mai 1950 stellte Robert Schumann den wirtschaftlichen Kooperationsplan vor, der als „Schumann-Erklärung“ bekannt wurde. Es ist auch der Tag, der an das eigentliche Ende des 2. Weltkriegs erinnert, einen Tag nachdem die Nazis die Kapitulation unterzeichnet hatten. Andererseits gedenkt man am 9. Mai aber auch des Siegs der Sowjetunion im Jahre 1945 und der Konsequenz, dass danach viele Länder Zentral- und Osteuropas Satelliten-Staaten Moskaus wurden. Es ist die Geschichte eines Teils der Welt, es ist die Geschichte eines Teils der Menschheit. Ist es ein Festtag? Für die einen ja, für die anderen weniger. Auf jeden Fall aber ein geschichtsträchtiger Tag, ein europäischer Tag.

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union öffnen an diesem Tag die Institutionen ihre Türen, um den Menschen dieses grosse „Unternehmen“ näher zu bringen, das seit dem Jahr 2000 das Motto trägt: „In Vielfalt geeint.“ „Das Motto – so liest man auf der EU Webseite – bringt zum Ausdruck, dass sich die Europäer in der EU zusammengeschlossen haben, um sich gemeinsam für Frieden und Wohlstand einzusetzen, und dass gleichzeitig die vielen verschiedenen europäischen Kulturen, Traditionen und Sprachen den gesamten Kontinent bereichern.“

Heute ist dieses Motto eher eine Herausforderung als eine überzeugende Erfahrung; auch wenn die gemeinsame Erklärung, die die Staats- und Regierungschefs anlässlich des 60. Jahrestags der „Römischen Verträge“ unterzeichnet haben, Hoffnung macht: An guten Absichten und neuen Verpflichtungen fehlt es nicht.

Wir Christen der verschiedenen Kirchen, die wir uns durch die Charismen unserer Bewegungen und Gemeinschaften für ein geschwisterliches und geeintes Europa einsetzen, fühlen uns an diesem europäischen Tag angesprochen. Vor allem, weil wir auf unserem Weg des Miteinanders für Europa erfahren haben, dass man „in Vielfalt geeint“ sein kann, aber dass dies einem Bewusstsein erwächst: Wir haben ein gemeinsames Fundament, denn wir sind alle Gottes Kinder und somit untereinander Brüder und Schwestern. Alle Bemühungen, die freundschaftlichen und geschwisterlichen Beziehungen zwischen unseren kleinen und grossen Gemeinschaften zu vertiefen, sind wertvoll. Dadurch werden unsere Verschiedenheiten zu gemeinsamen Gaben und Reichtümer. Und was im Kleinen funktioniert, kann auch wachsen und zum Wohle aller werden.

Ilona Toth

 

Slovenia: Veglie in 17 località e servizio TV nazionale

Slovenia: Veglie in 17 località e servizio TV nazionale

Ora è un tempo giusto perché l’Europa si rinnovi

In Slovenia si sono svolte veglie di preghiera per l’Europa in 17 città e paesi. Diversi luoghi hanno visto la partecipazioni di Vescovi, come a Ljubljana, l’arcivescovo Stanislav Zore, a Strunjan, Il vescovo Jurij Bizjak, nella diocesi di Celje, il vescovo. Stanislav Lipovšek, a Novo Mesto il vescovo, Andrej Glavan.

L’iniziativa è stata accolta e seguita dai media. Nel giornale cattolico nazionale „Družina“ (La famiglia), con tiratura di oltre 30.000 copie, è uscito un articolo con il titolo: “Per l ‚Europa dello Spirito, vieni ed aiutaci”.

La settimana prima delle varie iniziative, alla radio cattolica nazionale „Radio Ognjišče“, molto ascoltata in Slovenia, varie volte al giorno è stata data la notizia di questo avvenimento. Diverse le interviste, tra cui quella con il comitato nazionale di Insieme per l’Europa.

Nella città di Strunjan, la chiesa era piena dalle ore 18 della sera del 24 marzo fino alle ore 9 del giorno successivo. Il coro era composto da giovani di diversi Movimenti. Tutto molto solenne e partecipato, tanto che la TV nazionale slovena, canale 1, ha scelto di mandare in onda un servizio “Orizzonti dello Spirito” (link della trasmissione).

http://4d.rtvslo.si/arhiv/obzorja-duha/174463819

Testo Trasmissione TV dallo Sloveno (13.9 KB, 167 downloads)
Das ist Europa, wie wir es aufbauen wollen

Das ist Europa, wie wir es aufbauen wollen

Ökumenisches und internationales Gebet – Der Glaube öffnet sich der Kultur

Am Abend des 24.3.2017 war die Basilika der XII Apostel in Rom gesteckt voll. Am Vorabend des 60-jährigen Begehens der «Römischen Verträge» haben sich mehr als 750 Menschen unter dem Vorsitz von Kard. Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, zum Gebet zusammengefunden. Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Anglikaner, Kleriker und Laien sind der Einladung von Miteinander für Europa – einem Netzwerk von mehr als 300 Bewegungen und Gemeinschaften – gefolgt. Beispiele dafür waren der aus Mitgliedern von 8 Bewegungen in Rom bestehende Chor sowie ein rumänisch-orthodoxer Chor.

Der italienische Staatspräsident, Sergio Mattarella, hat allen Anwesenden eine Grussbotschaft zukommen lassen, «in der Überzeugung, dass Momente der Begegnung wie diese wichtige Zeichen der Hoffnung sind, die wir brauchen um ein geeintes und solidarisches Europa aufzubauen.»

Msgr. Nunzio Galantino, Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, Andrea Riccardi (Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio), Gerhard Pross (derzeitiger Moderator von Miteinander für Europa) haben in verschiedenen Momenten und unter diversen Aspekten von der europäischen Krise gesprochen, die u. a. von nationalen Egoismen – sei es von Einzelnen wie von Gruppen – ausgelöst wird. Unter verschiedenen Gesichtspunkten haben sie entschlossen die Einladung ausgesprochen, noch immer an das Projekt der Europäischen Gründerväter zu glauben «dass Europa auf Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität in die Welt hinwirken will» (Präambel des Vertrages über eine Verfassung für Europa, Erklärung der Regierungschefs am 29.10.2004).

Auf diesem Hintergrund erklang die von einer tief ergriffenen Menge gesungene Trisagion Hymne «Heiliger Gott, heiliger starker Gott» besonders stark und feierlich.

P. Heinrich Walter, Schönstattbewegung, betonte in einem Interview: «Es gibt zwei wesentliche Punkte auf dem Weg zu einer neuen Integration Europas: Wir müssen die christlichen Wurzeln Europas pflegen – dafür setzten sich unsere Bewegungen ein – und wir müssen die Freiheit der anderen respektieren. Wir von Miteinander für Europa versuchen dies zu leben. Und diese Erfahrung wollen wir mit ganz Europa teilen.»

Simeon Catsinas, griechisch-orthodoxer Priester in Rom, wollte seine Freude mit uns teilen: «Ich bin glücklich über diesen Abend. Wir Christen müssen zusammenarbeiten, wir müssen gemeinsam Zeugnis geben. Es ist dringend notwendig, dass wir auf diesem Weg gemeinsam vorangehen.»

Auf die Frage, ob das Dokument «Vom Konflikt zur Gemeinschaft» ein Modell für Europa sei, antwortete Heiner Bludau, Dekan der evangelisch-lutherischen Kirche in Italien (CEL): «Sicher hebt das Dokument das Positive hervor. Nun muss es immer mehr das Leben prägen. So kann es zu einem überzeugenden Modell für ganz Europa werden.»

Die hoch politischen Worte und die Worte aus der Heiligen Schrift erklangen an diesem Abend fast wie auf einer Ebene. Jesús Morán, Kopräsident der Fokolar-Bewegung, drückte es so aus: «Europa ist ohne Christentum undenkbar. Das Christentum, das Europa geprägt hat, ist jenes einer geeinten Kirche: Die ökumenische „Katholizität“ (Universalität) ist daher die grundlegendste Wirklichkeit Europas. Europa muss sich selbst wieder neu entdecken als Kultur des Christentums. Die christlichen Werte sind europäische Werte und umgekehrt. Die Kultur des Dialogs, der Toleranz, der Offenheit, der Geschwisterlichkeit, kann über die religiöse Überzeugung hinaus, über jeden Glauben hinaus, gelebt werden. Diese Gebets-Initiative wird dazu dienen, diese grossen Werte wieder aufleben zu lassen.»

Über 4.000 waren die Zugriffe auf die Liveübertragung und der Austausch auf den sozialen Medien war sehr rege. In 50 weiteren europäischen Städten gab es ähnliche feierliche Gebetsinitiativen mit grosser Anteilnahme. Miteinander für Europa hat seine Stimme hören lassen!

Beatriz Lauenroth

Hier geht’s zur vollständigen Fotogallery: https://www.flickr.com/photos/fotomas2008/sets/72157681856163965

Die Charismen und Europa

Die Charismen und Europa

Der Beitrag der Orden und religiösen Institutionen zur Einheit Europas

Europa hat schon zur Zeit des Römischen Reiches eine gewisse Einheitsbestrebung erlebt. Diese war aber, durch die ‘römischen Legionen’ gewaltsam erzwungen, nicht von Dauer. Als das Reich zerfiel, fand sich Europa wieder zerteilt vor und die ethnischen und kulturellen Verschiedenheiten seiner Völker, die ihre eigene Identität suchten, nahmen wieder überhand. So zeigte sich Europa um das 5. Jahrhundert als ein Gemisch von unter einander rivalisierenden Völkern.

In dieser Phase der Zersplitterung und in den darauffolgenden Jahrhunderten traten aber auch immer wieder geistgeführte Männer und Frauen auf, die den europäischen Völkern neue Ideale und hohe universale Werte brachten, die vor allem aus dem jüdisch-christlichen Erbe stammten. Es waren Werte und Ideale, die die europäischen Völker dazu brachten, wieder miteinander in Dialog zu treten, ihre Reichtümer zu teilen und so für den Kontinent ein neues, soziales und kulturelles Einheitsnetz zu flechten.

Vor einigen Jahren beschrieb dies Kardinal Walter Kasper  bei einer Tagung folgendermaßen: «Heilige wie Martin, Benedikt, Bonifatius, die Gebrüder Kiril und Methodius, Adalbert, Bernhard, Franziskus, Domenikus und viele andere mehr haben Europa geformt. Diese heiligen Männer und unzähligen heiligen Frauen sind der wertvolle Beitrag der Kirche zur Einheit und Identität Europas.»

Es waren Menschen, die neue Spiritualitäten, geistliche Bewegungen, religiöse Familien, kulturelle Zentren und soziale Werke inspirierten, durch welche in der Bevölkerung Europas nach und nach eine auf gemeinsamen Werten aufbauende Identität wachsen konnte.

Die erste grosse charismatische Familie gründete  Benedikt von Nursia (480-547) in Italien.  Um ihn herum wuchs, nach Afrika und dem Orient, nun auch im Abendland das Mönchstum: Das benediktinische Erbe, welches mit all seinen historischen Ausprägungen einen entscheidenden Beitrag leistete zur Evangelisation des Kontinents und zur Entstehung der europäischen Kultur des Mittelalters. Es hat beigetragen zum Dialog zwischen den Werten der römischen Zivilisation, die es mit den jüdisch-christlichen verband, und den neuen sogenannten „heidnischen“ Kulturen, die mit den Völker aus Norden und Osten nach und nach auf dem europäischen Kontinent Fuß fassten.

Die Benediktiner schufen mit ihrer weitverzweigten Expansion und ihren grossen Abteien geistliche Zentren, die gleichzeitig auch kulturelle Zentren waren und den humanitären, sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt förderten, wobei sie sich besonders der Armen und Randgruppen annahmen.

Im 9. Jahrhundert begannen in Osteuropa zwei griechische Mönche, die Gebrüder Kiril und Methodius, neben der Evangelisation der dortigen Bevölkerung auch einen beachtlichen Prozess, den man als Fundament der Kultur der slawischen Völker bezeichnen kann. Die beiden Brüder aus Saloniki (Griechenland), obwohl geprägt vom griechisch-römischen Abendland, schufen ein neues Alphabet und leisteten damit einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Kultur und der Literatur der slawischen Völker.

Zwischen dem 11. und der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts traten weitere charismatische Männer mit großem kulturellem Tiefgang auf. Unter diesen war Bernhard von Clairvaux, der vom benediktinischen Stamm des Mönchstums kommend mit dem Zisterzienserorden eine neue Bewegung gründete

Das 13. Jahrhundert war dann die Blütezeit weiterer charismatischer Bewegungen: die Bettelorden. Auch diese wurden von charismatischen Männern meist in einem nationalen Kontext begonnen, erlangten aber bald übernationalen Charakter und verbreiteten sich über den ganzen Kontinent und später auch weltweit.

Besonders bekannt sind die dominikanische Bewegung, die auf den spanischen Gründer Domenico de Guzman (1170-1221) zurückgeht, und in Italien die franziskanische Bewegung, von Franz von Assisi (1182-1226) gegründet. Es sind religiöse Bewegungen die, obwohl in tiefer Spiritualität verwurzelt, auch manche Bereiche der Kultur und des menschlichen Wissens beeinflusst haben. Sie entwickelten die Theologie, aber auch die Philosophie, die Literatur, die Wissenschaft, die Kunst. Damals und auch später gab es an allen europäischen Universitäten Dozenten, die aus den Bettelorden hervorgegangen waren.

Mit dem Aufkommen des Humanismus und der Renaissance entstanden einzelne starke Staaten.  Zu diesem Prozess trugen die erwähnten charismatischen Bewegungen entscheiden bei, aber gleichzeitig kamen auch neue Charismen hinzu.

Das 16. und 17. Jahrhundert erlebte das Aufkommen neuer religiöser Familien. Ignatius von Loyola und die Jesuiten in Spanien. Theresa von Avila, Johannes vom Kreuz und die Karmeliter in Spanien, Johannes von Gott und die Barmherzigen Brüder, die sich der Kranken annahmen; In Frankreich Vinzenz von Paul und die Barmherzigen Schwestern; Franz von Sales, Johannes Baptist de la Salle für die Erziehung junger Menschen und Schulen, die allen zugänglich waren; Philippus Neri und die Kongregation des Oratoriums, Hieronymus Ämiliani, Kajetan von Thiene, Kamil von Lellis mit den Spitälern in Italien. In dieser Zeit vollzog sich auch innerhalb der Franziskaner eine Reform, aus welcher die Kapuziner hervorgingen. In Deutschland begann durch Martin Luther die grosse   Reformation.

Viele andere Spiritualitäten kamen auf und leisteten von ihren Anfängen an einen entscheidenden Beitrag zur kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Identität des modernen Europas. Jedes Charisma das hervorkam, hatte eine starke spirituelle Besonderheit, war aber auch ausgerichtet auf die Probleme, die Herausforderungen, die sozialen und menschlichen Bedürfnisse Einzelner und der Völker allgemein. Vielen Menschen in Europa ermöglichten diese Beiträge den Zugang zu Kultur, zu medizinischer Betreuung, zu Erwerbstätigkeit und Wohnraum, zu einem menschenwürdigen Leben unter Wahrung der Menschenrechte.

Dieses Phänomen wiederholte sich im 18. und 19. Jahrhundert. Trotz der Unterdrückung der religiösen Orden, zunächst durch Napoleon und dann durch einige europäische Staaten, entstanden unzählige neue religiöse Institute und Familien. Man denke an Don (Johannes) Bosco, der im Turin (Italien) des 19. Jahrhunderts die Salesianer gründete, an Josef Benedikt Cottolengo und  Joseph Cafasso, die Turiner Sozialheiligen, die den Kranken und Ärmsten beistanden, an den Beitrag des Bischofs John Henry Newman in England und viele andere.

Im 20. Jahrhundert entstanden  in Europa neue religiöse Institutionen, wie jene von Don Giacomo Alberione, von Don Luigi Orione, von Mutter Theresa von Kalkutta, Edith Stein und Maximilian Kolbe. Daneben gab es vielfältige anderen Formen charismatischen Lebens, die sich als kirchliche Laienbewegungen weit verbreiteten. Alle haben eine eigene starke spirituelle Identität, befassen sich aber zugleich auch mit den dramatischen Herausforderungen der Moderne in unserem Kontinent.

Ohne den einstigen Beitrag der religiösen Orden und Institute und ohne den Reichtum der heutigen kirchlichen Bewegungen, die innerhalb der verschiedenen Konfessionen und christlichen Gemeinschaften entstanden sind, wäre Europa um einiges ärmer und zerbrechlicher.

Obwohl in nationalen Kontexten entstanden, haben diese spirituellen und charismatischen Kräfte von Anfang an über die nationalen Grenzen hinaus gewirkt und somit einen starken Beitrag geleistet zur Schaffung eines geeinten, soliden, freien, geschwisterlichen und solidarischen Europa.

von P. Egidio Canil, Sacro Convento der Franziskaner in Assisi, Italien 

Europa ohne Geschwisterlichkeit ist undenkbar

Europa ohne Geschwisterlichkeit ist undenkbar

Kapitelsaal San Salvatore in Lauro, Rom, 17. Februar 2017: Miteinander für Europa zu Gast bei der Tagung des Verbandes «Stadt für die Geschwisterlichkeit».

Nach dem Grusswort der Präsidentin Milvia Monachesi wurden die verschiedenen Potentialitäten und Problematiken des europäischen Kontinents unter die Lupe genommen. Zu Wort kamen dabei Donato Falmi, ehemaliger Direktor des Verlags Città Nuova, Marco Filippeschi, Bürgermeister von Pisa und Präsident der Liga für die Autonomien, sowie Silvia Costa, Abgeordnete des Europaparlaments und derzeit Koordinatorin der Kulturkommission für S&D, die abschliessend betonte, dass «ein Europa ohne Geschwisterlichkeit undenkbar ist».

Zum Tagungsthema «Europa: Freiheit, Gleichheit und… die Geschwisterlichkeit? – Welche Chance heute» haben Diego Goller (Italien) und Ilona Toth (Ungarn) mit der Erfahrung von Miteinander für Europa beigetragen. Durch ihre Ausführung wurden Initiativen von Gemeinschaften und Bewegungen verschiedener christlicher Kirchen ins Licht gerückt, die mit ihren geistlichen und kulturellen Reichtümern einen Beitrag zur Einheit Europas leisten möchten.

«Man sagt, dass man Europa eint, indem man die Städte eint. In den Städten liegen die eigentlichen Probleme, die gelöst werden müssen, die eigentlichen Antworten, die gegeben werden müssen. Man sagt oft: ‘lokal handeln, global denken’; vielleicht müsste man heute besser sagen: ‘lokal denken, global handeln’, weil die Ideen aus dem Leben geboren werden, aus dem Land, aus der Peripherie und weil die Probleme, die uns in unseren Städten Sorgen bereiten, ihren Ursprung auf globaler Ebene haben» meinte Diego Goller. Und sich auf Chiara Lubich beziehend, fuhr er fort: «Wenn Chiara von Miteinander für Europa sprach, sagte sie immer: MITEINANDER steht für Geschwisterlichkeit und EUROPA für den politischen Aspekt, denn „wir dienen im weitesten Sinne des Wortes einem politischen Projekt.“

«Auf seinem 17 Jahre langen Weg ist die Botschaft von Miteinander für Europa immer mehr gereift. In Stuttgart wurde sie mit der „Botschaft Miteinander für Europa 2007“ durch ein mehrfaches „JA“ zum Ausdruck gebracht: unsere Städte sollen Orte sein, die offen sind für verschiedene Kulturen» fährt Ilona Toth fort. Sie zitiert auch den französisch-deutschen Soziologen Michael Hochschild, Professor in Paris, der beim Mitarbeiter-Kongress in München 2016 auf die Frage, ob die Hoffnung eine Zukunft habe, erklärte: «Die Antwort liegt in den neuen geistlichen Bewegungen selbst: Ihr Glaube, ihr Engagement und besonders ihre Zuversicht sind auf dem Weg aus der Krise sehr gefragt, weil sie das nötige Vertrauen in die Zukunft schaffen. Aber die neuen geistlichen Bewegungen müssen sich dazu stärker als bisher als kulturelle Gestaltungskräfte verstehen und entsprechend verhalten. In gewisser Weise müssen sie mehr soziale Bewegung werden.»

Auch Alcide de Gaspari, einer der Gründerväter Europas, wurde angeführt. Schon 1952 machte er Aussagen, die uns auch heute noch zum demokratischen Dialog einladen: «Man muss wählen: entweder reden, diskutieren, an die Vernunft appellieren, an die menschlichen Fähigkeiten appellieren, oder zur Gewalt greifen, zum Befehl, den Willen einer Person aufzwingen. (…) In der Vergangenheit gab es viele Konflikte und Kriege aufgrund des Unvermögens sich zu einigen, miteinander zu diskutieren; aufgrund des Unvermögens, zusammenzukommen und über den Frieden zu verhandeln. Ist es nicht besser, dass wir uns bemühen den Frieden zu erlangen, Formeln zu finden und Institutionen einzurichten, die diesen Frieden garantieren?»

«Danke für die Einladung, die eine Chance für unsere Synergien bildet. Arbeiten wir gemeinsam daran, dass unsere Häuser, Gemeinschaften und Städte zu Werkstätten der Gemeinschaft, der Freundschaft und der Geschwisterlichkeit werden, weltoffen und fähig zur Integration» erklärte abschliessend Diego Goller.

Am Ende der Tagung wurde der „Chiara-Lubich-Preis für Geschwisterlichkeit“ zum achten Mal verliehen: in diesem Jahr wurde er Assisi zugewiesen, der Stadt  in der – dank Franziskus – bereits «600 Jahre vor der Formulierung der drei Grundsätze der Moderne durch die Französische Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) der Begriff ‚Brüderlichkeit‘ erklang …» wie es in der Begründung heisst.

Siehe auch: www.cittaperlafraternita.org/europa-e-fraternita-binomio-impegnativo

Videoaufzeichnung (italienisch): https://youtu.be/edJSuqMdDaI

Österreich: Gebet für Kärnten im Klagenfurter Landhaus

Österreich: Gebet für Kärnten im Klagenfurter Landhaus

Am Freitag, den 27. Januar 2017, fand im Grünen Saal des Kärntner Landhauses eine ungewöhnliche Veranstaltung statt: ein Gebet für Kärnten 

Eingeladen hat die Gruppe Miteinander für Europa, deren Anliegen es ist, ein christliches Europa zu stärken. Männer und Frauen verschiedener Gesellschaftsbereiche aus Politik, verschiedenen christlichen Kirchen, Kunst und Kultur beteten miteinander. Musikalisch wurde das Gebet vom Ehepaar Outi&Lee begleitet.

Wir hoffen auf positive Auswirkung auf das Haus“, so Landtagspräsident Reinhart Rohr in seinem Dank an die Veranstalter. Auch Stadträtin Ruth Feistritzer nahm in Stellvertretung der Bürgermeisterin am Gebetstreffen teil.

Die Initiative Miteinander für Europa besteht aus über 300 christlichen Bewegungen, Gemeinschaften und Missionswerken im europäischen Raum. „Wir suchen das Verbindende unter den Christen und in der Gesellschaft, setzen uns ein für ein JA zum Leben, zu Ehe und Familie, zur Schöpfung, zu Wirtschaft, Solidarität, Frieden und Verantwortung“, so Manfred und Fini Wieser, die Koordinatoren der Kärntner Gruppe.

Die Freude sich MITEINANDER zu engagieren

Die Freude sich MITEINANDER zu engagieren

Setzen wir unseren Erfahrungsaustausch mit unseren „Freunden“ fort, diesmal mit einigen kurzen Flash aus verschiedenen Ländern.

Aus Ungarn berichten  sie uns von einer detaillierten Arbeit, die sich in einem „Miteinander“ von einigen Vereinigungen (Gemeinschaft der Sozialschwestern, der Fokolar-Bewegung, einer Gruppe Jesuiten, Mitglieder von Sant’Egidio und anderen) zugunsten der Flüchtlinge abwickelt. In der Zusammenarbeit entdecken wir erstaunt, wie die Möglichkeiten des einen wie ein Mosaikstein  genau zum anderen passt und  wie wir so den Menschen  nicht nur helfen  beim Beschaffen von Nahrung, Kleidern, geeigneter Unterkunft, einem Arbeitsplatz, oder einer Sprachschule, sondern in ihnen auch eine Hoffnung erwecken, mit der sie enorme Leiden überwinden können.  (ja, sogar einem Selbstmord entgehen können). Die Liebe lässt uns verstehen, wo wir geeignete Beziehungen schaffen können zwischen Jugendlichen und Familien der neuen Heimat sowie auch mit gleichen Staatsangehörigen, um das Einleben in  eine neue Kultur zu erleichtern. Im gegenseitigen Respekt  verschiedener Religionen versucht man z. B. den Christen die Möglichkeit zu geben an einer eucharistischen Feier teilzunehmen, wo man ihre Sprache spricht. Jedes Mal erfahren wir die Gegenseitigkeit: alle haben etwas zu „geben”! Einige Flüchtlinge z.B. haben schon seit einiger Zeit begonnen den neu Angekommenen zu helfen und auch Kontakte aufrecht zu erhalten mit denjenigen, die  anderswo eine Heimat gefunden haben.

Marija Beloŝević, Vizepräsidentin der IKUE (Internationale Katholische Esperanto-Vereinigung) teilt uns mit, wie sie durch Zeitschriften, Berichte, dem Esperanto-Programm des Radio Vatikans und über Facebook eine enorme Sensibilisierung und eine Möglichkeit gefunden hat, das Ereignis von München 2016 bekannt zu machen. Darüber hinaus verbreitete die IKUE auf Esperanto die Texte der Video-Botschaften von Papst Franziskus und Patriarch Bartolomeo sowie der Abschlussbotschaft der Kundgebung in München. Immer wieder wurde über diese Initiative in den  verschiedenen Versammlungen gesprochen, von denen zwei Mitte und Ende Juli in Nitra (Slowakei) abgehalten wurden, im September in Vranov bei Brno (Tschechien) und bei verschiedenen Gelegenheiten in Kroatien.

Darüber hinaus, hatten sich im November in Pazin/Pisino (Istrien) 50 Personen aus 10 verschiedenen Vereinigungen versammelt, um sich zu überlegen, wie man das Ereignis von München 2016 fortsetzen könnte. In Zagreb (Kroatien) sind weitere Tagungen vorgesehen.

 

Slowenien: neue Schritte im Miteinander für Europa

Slowenien: neue Schritte im Miteinander für Europa

Wie jedes Jahr nach dem internationalen Treffen des Trägerkreises von Miteinander für Europa, diesmal in Castel Gandolfo, trafen wir uns mit Verantwortlichen verschiedener Gemeinschaften und Bewegungen unseres Landes.

Die 24 Teilnehmer vertraten 8 Bewegungen: Charismatische Bewegung / Geistliche Gemeinde-Erneuerung, Cammino (Pot), Werkstätte Gebet und Leben, Gemeinschaft Emmanuel, Couples for Christ, Gemeinschaft christlichen Lebens, Gebet und Wort, Fokolar-Bewegung. Zum ersten Mal waren auch zwei Bischöfe anwesend: der Erzbischof von Ljubljana, Stanislav Zore (OFM) und Geza Filo, der Bischof der lutherischen Kirche von Slowenien.

Nach Begrüßung, Gebet und Vorstellung wurden die 17 Jahre des Miteinander für Europa skizziert. Sehr beeindruckend war die Video-Aufzeichnung über die Beiträge zur Versöhnung der Verantwortlichen der Kirchen, die am 2. Juli 2016 in München anwesend waren. Es entstand eine Atmosphäre von Freude, Frieden, Spontanität und Gemeinschaft, die wuchs und alle einbezog.

Der lutherische Bischof berichtete begeistert von der ökumenischen Begegnung am 31.10.2016  in Lund (Schweden), an der er teilgenommen hatte. Eine ähnliche Begegnung hatte am 6. November auch in Murska Sobota (Stadt im Nordosten Sloweniens) stattgefunden. Zur großen Freude des Bischofs und der evangelischen Gemeinde waren fast alle katholischen Bischöfe Sloweniens dort anwesend.

Bischof Filo bedankte sich wiederholt bei uns und Erzbischof Zore  betonte, dass Treffen wie in München und Lund außerordentliche Bedeutung haben und dass deren Geist ins Alltagsleben übertragen werden muss.

In dieser Atmosphäre konnten wir von unserer Begegnung in Castel Gandolfo berichten und von unseren Vorschlägen für die Zukunft:

  • eine Gebetsvigil am 24. März 2017 anlässlich des 60. Jahrestages der „Römischen Verträge“, Beginn der europäischen Integration;
  • Zusammenarbeit für die Versöhnung innerhalb des slowenischen Volkes, was noch unter der schweren Last der Vergangenheit leidet (Nach dem Zweiten Weltkrieg sind in Slowenien 200.000 Menschen – mehr als in ganz Europa – ohne Prozess umgebracht worden);
  • Gemeinsamer Beschluß aller  anwesenden Bewegungen, für die Familie zu arbeiten. Das wurde von  beiden Bischöfen besonders begrüßt.

Nach der Verlesung eines Grußwortes vom internationalen Sekretariat von Miteinander von Europa bekamen  alle Teilnehmer einen Text mit den ‚7 Ja‘ . Feierlich wurde das Bündnis der gegenseitigen Liebe erneuert.

Pavel und Marjana Snoj

 

 

 

 

Mut, Europa!

Mut, Europa!

Treffen des Trägerkreises von Miteinander für Europa: 129 Teilnehmer aus 13 europäischen Ländern sind vom 10. bis 12. November 2016 im internationalen Bildungszentrum der Fokolar-Bewegung in Castel Gandolfo bei Rom zusammen gekommen. Acht Sprachen mit vier Simultanübersetzungen: die Vertreter von 39 christlichen Bewegungen und Gemeinschaften haben – wie es einer von ihnen ausgedrückt hat – ein “kleines Pfingstwunder” erlebt.  

Alle Kongressteilnehmer – Verantwortliche oder Vertreter der jeweiligen Bewegung / Gemeinschaft –  waren noch voller Dankbarkeit und Freude über das Ereignis in München im vergangenen Juni-Juli. Und alle sind davon überzeugt: wenn uns vor einem Jahr während des gleichen Treffens in Holland die Nachricht vom Attentat in Paris erreicht hatte, wenn sich vor der Veranstaltung in München der Brexit und in diesen Tagen die Herausforderung nach dem Wahlergebnis in den USA ergeben hat, dann braucht es wirklich mehr denn je das Miteinander für Europa!

Jetzt drängt die Frage: wie wird der Weg des Miteinander in Zukunft aussehen? Welche konkreten Schritte gilt es in den einzelnen Gemeinschaften und Bewegungen, in den Nationen und im Miteinander für Europa zu gehen?

Das Treffen war von diesbezüglichen Anregungen und Vorschlägen charakterisiert. Aus Vorträgen, Gesprächen, persönlichem Austausch und Gruppenarbeit haben sich einige Ideen für das Jahr 2017 entwickelt. Hier nur zwei davon:

  • Am 25. März 2017 jährt sich zum 60. Mal die Unterzeichnung der “Römischen Verträge”, der als einer der wichtigsten historischen Momente im Prozesses der europäischen Integration gilt. Bedeutende Politiker werden sich im Campidoglio in Rom treffen. Miteinander für Europa möchte durch eine Gebetsvigil am Vorabend seine Teilnahme ausdrücken und den Politikern bereits vorab ein Dokument zukommen lassen, in dem es seine Vorstellung von Europa darlegt. Es wäre wünschenswert, dass sich ähnliche Initiativen in europäischen Städten ereignen, in denen das  Miteinander existiert.
  • In diesen Tagen kam unter anderem der Wunsch auf, “Räume der Begegnung” zu schaffen. 2017 möchte man die Gemeinschaft unter den Bewegungen auf Ortsebene intensivieren und erneut ein “Programm für die Städte” anbieten.

Einige Echos während und nach dem Treffen:

Elke Pechmann (Offensive Junger Christen OJC eV.): „Miteinander für Europa ist weder Luxus noch eine hinzugefügte Aufgabe, sondern eine beachtliche Investition für die Gegenwart und die Zukunft Europas.“

Larisa Musina (Trasfiguration Fellowship of Minor Orthodox Brotherhoods, St. Philaret, Moskau): „Um echte Freunde zu werden, muss man sich gut kennen. Wir werden den Dialog zwischen den Ländern im Osten und Westen Europas erweitern. Zusammen mit anderen Ländern Osteuropas haben auch wir Russen dem Westen viel zu geben.“

Pavel Snoj (Fokolar-Bewegung, Slowenien): „Wenn wir wieder in unser Land zurückgekehrt sind, werden wir alle anderen Bewegungen in Slowenien von unserem Treffen hier in Kenntnis setzen. Wir werden dazu auch zwei Bischöfe – je aus der katholischen und der lutherischen Kirche – einladen, damit auch sie wissen, dass sich Laien gemeinsam mit den Kirchen in Europa für eine bessere Zukunft des Kontinents organisieren.“

Selomi Zürcher (JAHU, Schweiz), als Sprecherin der Jugendlichen ihrer Arbeitsgruppe: „Wir empfinden die Zukunft Europas als unsere Sache. Wir wissen die Erfahrung und die Weisheit der Erwachsenen zu schätzen; wir bitten sie uns Vertrauen zu schenken und die Bereitschaft, auch von uns etwas zu lernen. So kann das Europa unserer Väter auch das Europa der Kinder werden.“

Constanze Wolf (Fokolar-Bewegung, Deutschland): „Wie gerne möchte ich meine Begeisterung für das Miteinander anderen Jugendlichen weitergeben! Ich habe begonnen in der Pfarrei und auf Arbeit davon zu berichten, und ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr – in Wien, wo das nächste Treffen geplant ist – zu mehreren sein werden.“

Eines ist gewiss: mehr denn je ist die Erfahrung von Versöhnung und Freundschaft von Menschen aus dem Miteinander für Europa gefragt, damit die “Partitur im Himmel” – wie Chiara Lubich es ausgedrückt hat – entdeckt werden kann.

Das nächste Treffen des Trägerkreises von Miteinander für Europa findet vom 9. – 11. November 2017 in Wien statt.

Beatriz Lauenroth

Und so war es wirklich…

Und so war es wirklich…

In der Veranstaltung von Miteinander für Europa in München vom 30. Juni bis 2. Juli war wirklich alles enthalten: BEGEGNUNG zwischen unterschiedlichsten Menschen, die sich jedoch einig darüber waren, die ZUKUNFT miteinander anpacken zu wollen. Die Zeugnisse von VERSÖHNUNG haben gezeigt, dass ein gemeinsamer Weg keine Utopie ist. Im Licht dessen, was sich danach in der Stadt – und in anderen Teilen der Welt – ereignet hat, erscheint die Botschaft von Miteinander für Europa notwendiger und aktueller denn je.

Hier einige der Echos von Personen, die die Veranstaltung miterlebt haben (in Orginalsprache):
  • München zeigte ein tiefes echtes Gesicht eines Europa, das sich auf Gott und die Welt öffnet. Es wurde verständlich und erfahrbar: Miteinander geht es, Miteinander aller Charismen und Gaben. Der Glaube, die Liebe und die Offenheit führen zur Entängstigung…
  • Magnifique rassemblement avec le souffle des origines et qui ouvre un nouvel avenir pour Ensemble pour l’Europe. Une lumière et une espérance dans une Europe qui en a bien besoin! Remarquable organisation de nos amis allemands.
  • I am British and have always had a very strong sense of being European, and part of a positive process of unification. It was a challenge coming to Munich a week after Brexit, knowing that everyone would ask my opinion about it. I was initially very sad, but I know that being European and being Christian is a bigger idea than any particular political process or institution, and that unity will go ahead anyway. The positive attitude and support of a very impressive list of Christian leaders was very important and can only further this process. The young people present were a great witness to things already happening , and a hope for a better future.
  • Ho colto la profondità, il desiderio di continuare sempre più insieme per una nuova Europa nel cammino della pace costruita sui valori comuni del dialogo e dell’amore. Non abbiamo paura, andiamo avanti, nella certezza che Dio Amore ci precede sempre, a noi tutti gli sforzi, a Lui la gloria del Suo Amore passato dalle nostre azioni positive.
  • Das Podium „Zukunft der Gesellschaft – Auftrag und Verantwortung der jungen Generation“ erfüllte aber voll und ganz meine Erwartungen: Junge Leute, die von ihrem Glauben und ihrer Jugendarbeit innerhalb ihrer Gemeinschaft berichteten. Mir gefiel es sehr gut, mich endlich mit anderen Jugendlichen, die sowohl ähnliche als auch komplett verschiedene Ansichten als ich hatten, auszutauschen und zu diskutieren.
  • Ho capito che anche i piccoli come me possono fare qualcosa per l’Europa, nella stessa strada dei grandi, per iniziare questa unione spirituale dell’Europa, gli uni per gli altri.
  • Hi everyone, I did watch this wonderful event which was a wonderful way to involve people like me around the world in Unity with all ‚People of Good Will‘. God’s choicest blessings on everyone who organised this and those who took part. We are meant to be together and not live selfish lives in isolation from our neighbour.
  • Il fatto che ci siamo trovati in un circo mi suggerisce che è importante mettersi in gioco come fanno i protagonisti del circo, giocarsi la vita  per essere di aiuto agli altri.
  • J’ai beaucoup apprécié ce moment à Munich. Maintenant avec toute l’équipe de Lyon nous nous engageons à diffuser ce que nous avons vécu. Bien avec chacun.
  • Insgesamt bin ich sehr dankbar für die Erfahrung der Veranstaltung in München und trage die Erlebnisse und Begegnungen noch lebendig in mir. Vor allem verbinde ich mich im Gebet Tag für Tag weiterhin mit allen, die dort waren, und habe die Hoffnung, dass das Wunder der Einheit der Kirchen eines Tages von Gott geschenkt wird. (…) Für alles, was bei der Kundgebung am Stachus auf der Bühne geboten wurde, kann ich nur meine Anerkennung aussprechen.
  • Anche l’aprire e chiudere l’ombrello (…) non ha distolto da un clima di unità, di gioia, di profondità che ho avvertito. Mi è sembrata la manifestazione della speranza.
München 2016 – Miteinander für Europa
Begegnung – Versöhnung – Zukunft

ErfülltFrei Mutig

Erfüllt
Erfülltes Sein
Seine göttliche Liebe
Liebe verschleiert durch Nebel
Nebel ausgelöst durch das Ego
Ego erkennen im Nichtsein
Nichtsein schenkt Begegnung
Begegnung erfüllt
Erfüllung

Frei
Freie Begegnung
Begegnung mit Freude
Freude erstickt durch Trennung
Trennung in spaltenden tiefen Abgründen
Abgründe hinabsteigen einfühlsam vertrauensvoll
Vertrauensvolle behutsame Versöhnung
Versöhnung befreit
Freiheit

Mutig
mutige Versöhnung
Versöhnung erkennt Unterschiedlichkeit
Unterschiedlichkeit übersetzen in Vielfalt
Vielfalt achtsam bewahren in Einheit
Einheit erhellt öffnet Gemeinsamkeit
Gemeinsamkeit stärkt Zukunft
Zukunft mutvoll
Mut
(Elisabeth Stifter, Juli 2016 – Graz)

Live aus München – 3. Tag

Live aus München – 3. Tag

„Ja zu Brücken der Barmherzigkeit. Ja zur Entdeckung des Anderen und seines Reichtums. Ja zur Erkenntnis, dass wir wirklich „eins“ sind, dass eine Einheit und Geschwisterlichkeit existiert, für die gearbeitet werden muss und für die Wege gefunden werden müssen, um die vielen trennenden Mauern der Feindschaft niederzureißen “. Die Worte von Andrea Riccardi (Gründer der Comunità Sant’Egidio) gelesen von Marco Impagliazzo, dem derzeitigen Präsidenten, drückte den Geist und den Einsatz der 5000 Anwesenden auf dem Karlsplatz (Stachus) in München am 2 Juli, anlässlich der abschließenden Kundgebung von Miteinander für Europa, Edition 2016, ganz richtig aus.

Das Programm entwickelte sich anhand von vier Themen: Einheit ist möglich; Versöhnung eröffnet Zukunft; eine Kultur der Beziehung und der Barmherzigkeit; Sendung und Zukunft. Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, formulierte in ihrer Rede ein feierliches Versprechen: „Wir hier verpflichten uns heute, Werkzeuge dieser Wende, Werkzeuge einer neuen Vision von Europa zu sein, Werkzeuge, damit der Weg zur Einheit beschleunigt werde. Wir tun es, indem wir mit allen Männern und Frauen unseres Planeten in einen tiefgehenden Dialog zu treten suchen.“ Groß war die Freude über die beiden Videobotschaften von Papst Franziskus un vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I.Nach Zeugnissen der Versöhnung zwischen Kirchen und Gemeinschaften betonte Gerhard Pross vom Leitungskomitee von Miteinander für Europa: „Auch wenn wir verschieden sind und bleiben, wollen wir in Einheit leben, diese mit unserer Verschiedenheit anreichern und unsere Städte und ganz Europa damit anstecken.“

Kardinal Kurt Koch, Vorsitzender des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen (Rom) erklärte, dass zwischen ihm und Bischof Frank Otfried July, Vize-Präsident des Lutherischen Weltbundes, ein Netz der Freundschaft entstanden ist: „Es gibt viele Erfahrungen, die wir gemeinsam als eine Kirche leben: Lasst uns für die Flüchtlinge arbeiten, zusammen beten, Christus wieder ins Zentrum von Europa rücken“. Der rumänische-orthodoxe Metropolit für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa Seraphim Joanta (Nürnberg) teilte mit den Anwesenden Freud und Leid: „Die größten Leiden sind die fundamentalistischen Kreise in den Kirchen, die riskieren, die Versuche der Einheit unter den Christen zu zerstören. Außerdem fehlen die Jugendlichen in unserer Kirche. Aber wir lassen uns nicht entmutigen und vertrauen auf Christus und diesem Netz der Geschwisterlichkeit“. Rührend und prophetisch war der Moment, in dem verschiedene Vertreter der christlichen Kirchen und Bewegungen gemeinsam das Vater Unser laut beteten: „Es ist ein prophetisches Zeichen der Versöhnung und Vergebung“ – erklärte Rev. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen – „ein Zeichen, das wir nicht mehr missen wollen“.

Stark und voller Hoffnung war die Stimme der Jugendlichen: „Ich träume von einem freundschaftlichen und weniger individualistischen Europa“, sagte Maria aus der Tschechischen Republik – „Europa beginnt bei mir, denn ich bin Europa“.

„Miteinander“ ist eines der Schlüsselwörter von Miteinander für Europa: „2017 wird das Reformationsjubiläum sein“ – erklärte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD – „und wir wollen es zusammen mit der evangelischen und katholischen Kirche feiern“. Und Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz sagte: „Wir müssen die Zeichen der Einheit, die wir bereits leben, erkennen; wir sind nicht getrennt; lasst uns Christus gemeinsam bezeugen“.

Die Schlussbotschaft, die von allen Leitern der Gemeinschaften und Bewegungen vorgelesen wurde, bringt die Früchte des bereits zurückgelegten Weges sowie die zukünftigen Schritte zum Ausdruck: „Europa darf nicht zur Festung werden und neue Grenzen errichten. Zum Miteinander gibt es keine Alternative. Wir bitten alle Christen (…) Trennungen zu überwinden. Unsere Verpflichtung: wir leben mit dem Evangelium von Jesus Christus und bezeugen es in Wort und Tat. Wir setzen uns dafür ein, dass Mitmenschlichkeit und Frieden auf der Welt wachsen.“

Live aus München – 2. Tag

Live aus München – 2. Tag

Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, hat den zweiten Kongresstag eröffnet: „Europa durchlebt die Nacht seiner Prinzipien, seiner Rolle in der Welt, die Nacht seiner Träume (…) Miteinander für Europa kann – so meinen wir – einzelne Menschen wie diejenigen, die sich zusammengeschlossen haben, in ihrem Einsatz für ein freies, versöhntes, demokratisches, solidarisches und geschwisterliches Europa inspirieren. Dann kann es für den Rest der Menschheit Geschenk sein.“

Steffen Kern vom Evangelischen Gemeinschaftsverband Württemberg: „Worin liegt für uns Christen die Hoffnung? Es braucht Verantwortungsbewusstsein; wir müssen das Leid und die Dunkelheit unser Städte auf uns nehmen. Wir haben in Stuttgart das „Haus der Hoffnung“ gegründet, das Frauen und Menschen, die alleine sind, aufnimmt. Damit möchten wir bezeugen, dass Gott niemanden im Stich lässt“. Thomas Römer (CVJM München) erklärt: „Die Stärke unseres Kontinents liegt in Christus und in seinem Evangelium. Jesus ist auch in den Unwettern da, wir müssen nur glauben. Er ist ins Boot gestiegen um uns zu retten.“

Am Nachmittag hat Miteinander für Europa vielfältige Gelegenheiten zum Dialog, Gespräch und Projektvorstellungen angeboten.

Im Podiumsgespräch „Christen und Muslime im Dialog“ wurde der Wunsch deutlich einander tiefer kennenzulernen, sich zu begegnen und zusammenzuarbeiten, um sich gemeinsam den sozialen und kulturellen Herausforderungen unserer Zeit zu stellen. Pasquale Ferrara, frisch ernannter italienischer Botschafter in Algeri betonte, dass Dialog nicht von Kulturen oder Religionen geführt wird, sondern von Menschen. Man sollte immer konkret und realistisch sein. Imam Batzami hat alle eingeladen, sich zu begegnen und kennenzulernen. Viele Ideen und Projekte sind aus der Debatte zwischen der Religionsphilosophin Beate Beckmann-Zöller, Dr. Thomas Amberg aus der evangelischen Kirche und dem französischen Bischof M. Dubost entstanden. „Das Heilmittel für die Trennung zwischen Christen und Muslimen ist die Anerkennung des Anderen als Bruder/Schwester“, erklärte Gérard Testard (Efesia, Frankreich).

Im Podium „Wege zu einem nachhaltigen Europa“ haben Kardinal Turkson, der Umweltingenieur Daniele Renzi, Hans-Herman Böhm und andere Experten angeregt, der Einladung von Papst Franziskus zu einer ernsthaften und offenen Debatte über den Klimawandel und deren ökologischen Folgen nachzukommen: „Wissenschaft und Religion sollten miteinander in Dialog treten“ – betonte Kardinal Turkson – „um in der Gesellschaft gemeinsam einen Beitrag zu leisten“.
„Martyrium – das schwierige Zeugnis der Christen in unserer Zeit“ war der Titel eines weiteren Podiums. Unter den Referenten war es Michael Brand, MdB, der in Bezug auf die schwierige Situation im heutigen Europa an einen Satz des heiligen Bonifatius erinnerte: „Wir wollen nicht wie stumme Hunde sein!“. „Persönlich bin ich der Meinung, dass wir von außen durch den Terrorismus und von innen durch den aggressiven Säkularismus bedroht werden. Ich habe weniger Angst vor der Islamisierung Europas, als vor dem Schwinden des christlichen Glauben“.

Live aus München – 1. Tag

Live aus München – 1. Tag

Begegnung, Versöhnung, Zukunft. Diese Worte prägen die vierte internationale Veranstaltung von Miteinander für Europa. Seit 1999 sind mehr als 300 christliche Bewegungen und Gemeinschaften einen Weg der Versöhnung, des gegenseitigen Verständnisses und der Einheit gegangen. 200 von ihnen sind vom 30. Juni bis zum 2. Juli 2016 hier im Circus Krone in München vertreten: 1.700 Personen aus 40 Ländern sind für den Mitarbeiterkongress angereist. Gemeinsam möchten sie sich  den heutigen Herausforderungen in Europa stellen und auf der Basis christlicher Werte einen Beitrag leisten.

Martin Wagner (CVJM München), einer der Moderatoren, eröffnet den Kongress: „Versöhnung wird unser Schlüsselwort sein. Sie ist notwendig und wir möchten Boten der Versöhnung sein. Wir haben sie schon erlebt – sie ist unsere Zukunft. Unser Ziel ist es, uns gemeinsam für die Einheit einzusetzen, uns als Christen den heutigen Herausforderungen Europas zu stellen.“  Gerhard Pross (CVJM Esslingen) hat die 1.700 Teilnehmer begrüßt: „Gott möchte, dass wir miteinander auf die Einheit zugehen.“ Und Kardinal Walter Kasper: „500 Jahre Trennung sind genug: Wir haben der Einheit Europas gegenüber eine Verpflichtung, sonst verleugnen wir Christus. Und jetzt ist diese Einheit noch notwendiger, denn Europa ist in Gefahr.“

Bischof Krause von der evangelischen Kirche: „2007 haben wir ein Manifest für ein geeintes Europa unterzeichnet und uns den „7 Ja“ verpflichtet. Wir hatten einen Traum, haben gebetet und Gott hat uns erhört.“ Sr. Lioba Ruprecht: Wir müssen die „Bündniskultur“ aufbauen.“ Hartmut Steeb von der Evangelischen Allianz: „Dieser Dialog hat in den neunziger Jahren begonnen. Gott selbst hat für die Einheit gebetet. Die Worte Begegnung – Versöhnung – Zukunft werden uns in diesen Tagen begleiten.“

Der Nachmittag war 19 verschiedenen Foren gewidmet: Soziale Verantwortung, Integration, Wirtschaft, Ökumene, pastorale Herausforderungen, Jugend und Europa, Ehe und Familie, Versöhnung, Evangelisierung heute und viele andere mehr.

Bewegungen und Gemeinschaften habe nicht nur Erfahrungen, Aktivitäten und Projekte geteilt, sondern auch ein starkes Glaubenszeugnis gegeben. Sehr gut besucht war das Forum „Der Preis und der Gewinn der Einheit – Reibungen überwinden, das Miteinander kultivieren“. Darin betonte Kardinal Walter Kasper, dass die mangelnde Mühe an echter Versöhnung eines der größten Hinderniss in der Ökumene darstelle. Vergebung sei notwendig, um den Weg gemeinsam weitergehen zu können. „Versöhnung verlangt harte Arbeit“ fügte Walter Kriechbaum vom CVJM München bei, „sie heilt uns und macht uns zu Boten der Einheit.“

Nach dem Brexit: Miteinander wird zum prophetischen Zeichen

Nach dem Brexit: Miteinander wird zum prophetischen Zeichen

Nach den Nachrichten am heutigen Freitagmorgen, dem Tag nach dem „Brexit“, sind sich die Verantwortlichen des Leitungskomitees von Miteinander für Europa einig: Der Europa-Kongress vom 30. Juni bis 1. Juli und die Kundgebung auf dem Münchner Karlsplatz am 2. Juli bekommen vor diesem Hintergrund eine neue, weitreichendere Bedeutung.

Pater Heinrich Walter von der Schönstatt-Bewegung zeigte sich betroffen und entschlossen: „Jetzt wird unser Miteinander noch mehr zu einem Zeichen der Hoffnung wider die Hoffnung. Die christliche Quelle ist die entscheidende im Blick auf die Identität. Das Miteinander für Europa wird auf dem historischen Hintergrund dieser Woche von Gott selbst zum prophetischen Zeichen gemacht“.

Gerhard Proß vom CVJM Esslingen und Sprecher der Miteinander-Initiative in Deutschland: „Jetzt wird es erst recht darauf ankommen, dass wir ein klares Zeichen zum Miteinander für Europa aus München senden – ein Zeichen des Miteinanders, gegen die Egoismen und Ängste unserer Zeit. Es erscheint mir signifikant, dass Papst Franziskus, Andrea Riccardi und Jeff Fountain das entscheidende Wort zu Europa sprechen werden, nicht die Politiker.“

Und Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, kommentierte in Rom: „Dieses Referendum zeigt, dass ein geeintes Europa weder von der Politik noch von der Wirtschaft geschaffen wird, sondern von den Werten, die die Europäer miteinander teilen. Das Miteinander für Europa hätte in keine bessere Zeit fallen können“.

Eine ermutigende Anerkennung

Eine ermutigende Anerkennung

Die bevorstehende Veranstaltung in München (Juli 2016) hat eine neue Schirmherrschaft erhalten.

Mit starken Worten der Ermutigung und Anerkennung für die Initiative hat der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, der Veranstaltung „Begegnung. Versöhnung. Zukunft“ die Schirmherrschaft des Europäischen Parlaments erteilt.

In seinem langen Brief betonte er die Wichtigkeit, sich gemeinsam für Solidarität und Frieden, für Toleranz und Dialog zwischen den Kulturen und Religionen einzusetzen sowie das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu Europa und eine aktive Bürgerschaft zu fördern.

Nach der Schirmherrschaft des Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker und des Generalsekretärs des Europarates, Thorbjørn Jagland, ist dies die dritte Schirmherrschaft, die seitens Europäischer Institutionen gewährt wurde.

Sie sind ein verstärkter Impuls, zur Verwirklichung unseres „Traumes“ vom einem „geeinten und vielfältigen Europa beizutragen, einem Europa mit starker sozialer Bindekraft und kultureller Vielfalt. Unsere Unterschiedlichkeiten trennen uns nicht und brauchen uns auch nicht zu beängstigen, wenn wir sie als Geschenk erleben. Wir leben für ein Europa, das die Unterschiedlichkeiten nicht einebnet, sondern als Reichtum entdeckt und nutzt“…  >siehe: WIE STELLEN WIR UNS EUROPA VOR

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Foto: Ulz

Papst Franziskus erhält den europäischen Karlspreis

Papst Franziskus erhält den europäischen Karlspreis

Vor den hohen Gästen, die am 6. Mai 2016 in der festlichen Sala Regia im Vatikan zusammengekommen sind, widmet Papst Franziskus den ehrenvollen Karlspreis Europa, um „einen neuen kräftigen Schwung für diesen geliebten Kontinent herbeizuwünschen“.

Ja, Europa hat durch seine jüngste Geschichte erneut die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gezogen, mit nicht wenig Anlass zur Sorge. „Was ist mit dir los, Europa?“ hallt  die beunruhigende Frage bei den Anwesenden wider.

Uns scheint, dass Europa an diesem Tag ein Art „Magna Charta“ erhalten hat. Die Schlüsselworte „Integration, Dialog, etwas hervorbringen“ rufen zu einer Aktualisierung der Vorstellung von Europa auf. Mit der bevorstehenden Großveranstaltung „Miteinander für Europa“ im Juni/Juli 2016 in München, möchten auch wir unseren Beitrag geben und bezeugen, dass „Integration“ eine BEGEGNUNG voraussetzt, dass für „Dialog“ VERSÖHNUNG notwendig ist und dass es ohne etwas „hervorzubringen“ keine ZUKUNFT gibt.  

Am Verleihungstag des Karlspreises schien die Sala Regia im Vatikan von einer Atmosphäre der Gelassenheit, gegenseitiger Unterstützung und Hoffnung für die Zukunft geprägt. Man konnte sie auch durch kleine, geschwisterliche Gesten zwischen den Gästen wahrnehmen.

Vielleicht liegt es auch an uns, dass der Mut, der bei dieser Gelegenheit zutage kam, nicht schnell wieder vergeht, sondern dazu anregt, gemeinsam mit vielen Menschen daran zu glauben, dass ein Traum wahr wird, der nicht nur der Traum eines Papstes bleiben darf.

Text der Ansprache von Papst Franziskus> 

Foto: Andreas Herrmann

Europa im Rampenlicht von Jugendlichen

Europa im Rampenlicht von Jugendlichen

Europa? Licht und Schatten ….. und viel zu geben.

Ein Abend mit Jugendlichen aus verschiedenen Teilen der Welt im Sitz des internationalen Sekretariats von Miteinander für Europa.

Sie kamen voller Erwartung, schwungvoll und offen und gleichzeitig mit der Ernsthaftigkeit von Menschen, die wissen, dass heute von Europa reden nicht einfach ist. Der Abend Ende April begann mit einer Pizza und mit köstlichen typischen Gerichten, die die acht jungen Studenten und erst kürzlich Diplomierten aus Ungarn, Slowakei, Brasilien, Kenia, Nigeria und den Philippinen zubereitet hatten.

Überraschend und bereichernd war ihre Sicht von Europa; Licht und Schatten kamen zur Sprache. Voller Interesse folgten sie dem Bericht über den in Kürze stattfindenden Event in München „Begegnung. Versöhnung. Zukunft.“ Im Gespräch kam ihr Anliegen hervor, beizutragen, dass der „Alte Kontinent“ all die Früchte seiner reichen Tradition und Kultur  weitergeben kann an ihre jeweiligs eigene Nation und an die ganze Menschheit.

Beim Blick auf das vorgesehene Programm stellten die Jugendlichen erfreut fest, dass auch Auftritte verschiedener  Musik-Bands am 2. Juli 2016 auf dem zentralen Platz der Stadt geplant sind. Eines der Lieder mit dem Titel „Wir sind eins“  > https://www.youtube.com/watch?v=Y4zX98_Sr4s sprach alle besonders an.

Bis zum Großereignis in München wollen die Jugendlichen Freunde und Bekannte einladen und den Event durch die Sozialen Netzwerke bekannt machen.

Auch wenn einige von ihnen im Juli bereits wieder zurück in ihren außereuropäischen Ländern sind, werden Marcos, Marie und Szabina sicher in München dabei sein und schon jetzt auf ihre Weise Europa aktiv mitgestalten.

 Die Equipe des Internationalen Sekretariats von Miteinander für Europa

Videobotschaften und Schirmherrschaften EU

Videobotschaften und Schirmherrschaften EU

Kirchenoberhäupter unterstützen das Netzwerk Miteinander für Europa am  2.Juli 2016 durch persönliche Grußbotschaften, Europarat und EU-Kommission bestätigen Schirmherrschaft.

Im Laufe der letzten Wochen kam sowohl aus dem Vatikan als auch aus dem Phanar in Istanbul die offizielle Zusage, dass Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I. eine persönliche Videobotschaft schicken werden zur großen Kundgebung am 2. Juli in München.  Siehe>

Bereits Anfang September hatte Pater Heinrich Walter von der Schönstatt-Bewegung als Vertreter des internationalen Leitungskomitees von Miteinander für Europa in einer persönlichen Audienz dem Papst die Informations-Broschüre zur Veranstaltung in München überreicht und ihn um eine Videobotschaft gebeten. „Sollen wir das jetzt gleich aufzeichnen“? hatte das katholische Kirchenoberhaupt augenzwinkernd gefragt. Nun kam aus dem Vatikan telefonisch noch einmal die offizielle Bestätigung, dass die Grußbotschaft in Arbeit ist.

Im November hatten Maria Voce, Diego Goller und Gerhard Proß vom internationalen Leitungskomitee bei einer Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. die Gelegenheit genutzt, ihn zur Begegnung nach München einzuladen. Da er den Termin nicht persönlich wahrnehmen kann, versprach er, eine Grußbotschaft zu schicken und bekräftigte das ebenfalls vor ein paar Tagen nochmal in einer persönlichen Begegnung mit den Fokolaren von Istanbul.

Beide Kirchenführer schätzen und unterstützen die Arbeit der geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen und unterstützen die Initiative Miteinander für Europa.

Auch der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker und der Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland unterstützen die Veranstaltung und haben ihre Schirmherrschaft zugesagt.

Für mehr Infos – download Pressemeldung2 VideoBotschaften 160425 DE

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Eine wichtige Etappe in Trastevere

Eine wichtige Etappe in Trastevere

Leitungskomitee trifft wichtige Vorbereitungen 85 Tage vor dem Event in München

Das römische Viertel Trastevere ist voller Menschen: Touristen, Familien, Kinder, Ältere, Geschäftsleute…. Die ständige Anwesenheit von zwei bewaffneten Soldaten spricht jedoch für die Tatsache, dass sich diese Stadt im Herzen eines Europas befindet, dessen Situation wohl niemand hätte voraus sehen können.

Aus der Menge der Leute gehen einige Personen auf eine kleine, unscheinbare Tür zu, den Eingang zu den Räumlichkeiten der Gemeinschaft Sant’Egidio in Rom. Der ehemalige antike Konvent der Karmeliter stellt jetzt die Brücke dar zwischen alten und neuen Charismen. Hier trifft sich für zwei Tage das Leitungskomitee, das die Großveranstaltung „Miteinander für Europa“ vom 30. Juni bis 2. Juli 2016 in München (Bayern) vorbereitet.

Unter den ersten, die eintreffen, ist Maria Voce, die Präsidentin der Fokolar-Bewegung, die freudig von allen begrüßt wird, unter ihnen als Hausherr Marco Impagliazzo, der Präsident der Gemeinschaft Sant’Egidio. Die Freude wächst mit jedem, der aus Deutschland, Frankreich und Belgien ankommt. Sie alle lassen ihre eigenen verantwortungsvollen Aufgaben zurück, um gemeinsam jene Verantwortung zu tragen, die ihrer Erfahrung der ‚Einheit unter Verschiedenen‘ entsprungen ist.

Aufmerksamkeit, Zuhören, Anteilnahme und Offenheit sind gefragt, denn es geht um die anspruchsvolle Programmgestaltung. Auch das Sekretariat und die Übersetzer tragen ihren Teil zu dieser Zusammenarbeit bei.

Gemeinsam nimmt man am Abendgebet mit meditativen Gesängen der Gemeinschaft Sant’Egidio in der Basilika Santa Maria in Trastevere teil. Dies scheint wie die Illustration der Worte von Maria Voce: Was eine Gemeinschaft oder Bewegung tut, ist als täten es alle anderen.

Die letzten Stunden sind intensiv; der Terminkalender ist voll; das Flugzeug ist zum Abflug bereit; die Herausforderungen des Münchener Events sind nicht weniger geworden und die Fernsehnachrichten bringen noch  wenige gute Nachrichten…

Alle reisen ab mit einer noch größeren Überzeugung, dass das lebendige Netz der Gemeinschaften und Bewegungen immer stärker seinen Beitrag für die Zukunft des Kontinents geben muss.

 von Ilona Toth

Europa: Welche Identität? Welche Werte?

Europa: Welche Identität? Welche Werte?

„Wir möchten in die Geschichte Europas eintreten um die Werte und die Ideale zu finden, die dazu beitragen können, die derzeitige Krise zu überwinden und einen Weg in die Zukunft zu bahnen“.

Darum geht es am Donnerstag, dem 21. April 2016, von 17.00  –  19:00 Uhr in einem offenen Podiumsgespräch im Sitz des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf (Sweiz).

An diesem öffentlichen Podium werden sich u. a. beteiligen:

  • Dr. Olav Fykse Tveit, (Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen)
  • Eric Ackermann (Mitglied der jüdischen Gemeinde in Genf)
  • Gaëlle Courtens (Journalistin – Bund der evangelischen Kirchen in Italien)
  • Pasquale Ferrara (Diplomat, Dozent an der LUISS-Universität in Rom und am Universitätsinstitut „Sophia“ in Loppiano/Florenz)
  • Andreas Gross (ehemaliger Parlamentarier und früheres Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates)

Das Gespräch wird von Marguerite Contat, ehemalige Leiterin der Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz und Ko-Vorsitzende der Konstituierenden Versammlung in Genf (2008-2012) moderiert.

Liveübertragung: http://www.oikoumene.org/live

Weiter Informationen: https://www.oikoumene.org/en/press-centre/events/europe-quelle-identite-quelles-valeurs

Die Konferenz findet im Blick auf den nächsten Event in München vom 30.6. – 2.7.2016  „Miteinander für Europa. Begegnung. Versöhnung. Zukunft“ statt. 

WARUM habt ihr Angst?

WARUM habt ihr Angst?

„Hoffnung von Christen für Europa“ lautet der Untertitel des Begegnungsabendes im Festsaal des CVJM in Wien, am 11. Februar 2016

Klavier und Saxophon: die Musik hat gleich spüren lassen, hier sind Schwung und Können am Werk. Der Gastgeber, CVJM Sekretär Sascha Becker, hat in seiner Begrüßung vom Geist der großen Treffen in Stuttgart 2004 und 2007 erzählt und für München geworben.

„Warum habt ihr Angst?“ (Mt 8,26) – Jesu Frage an seine Jünger ist Thema dieses Abends; das Schiff Europa im Sturm von Verzagtheit und Resignation.

Der Untertitel ist die Herausforderung, der sich Miteinander für Europa stellen möchte: „Hoffnung von Christen für Europa“. Davon hat Pastor Eduard Griesfelder gesprochen in seinem Bericht über den ‚Weg der Versöhnung – Runder Tisch Österreich‘. Freikirchen und freie Gemeinden aus sehr unterschiedlichen Traditionen finden dort zusammen und erlangen damit sogar die staatliche Anerkennung in Österreich.

Ein ungeschminktes Bild der Versäumnisse der Politik angesichts der absehbaren Fluchtbewegungen gab MEP Heinz K. Becker. Als Sicherheitssprecher seiner Fraktion im EU- Parlament hat er Verständnis für die Ängste vieler Menschen, er spürt aber auch, dass die christlichen Werte Hilfsbereitschaft und Solidarität wieder mehr geschätzt werden. Wie das konkret aussehen kann berichten die Vizebürgermeisterin, eine engagierte Mitarbeiterin und ein Flüchtling aus Eichgraben – „Politik und Zivilgesellschaft ziehen an einem Strang“.

Worte der Hoffnung werden von den Teilnehmern aufgeschrieben und verlesen und zum Abschluss bringt ein Gebet die Nöte und Hoffnungen vor Gott und dankt für das spürbare und ermutigende Miteinander.

Herwig Sturm  –  Koordinationsteam ‚Miteinander für Europa – Wien und Österreich‘

Video Interview mit MEP Heinz K. Becker, 11.2.2016: www.youtube.com/watch?v=ctVGYWMb5-A 

2016-02-11 MfE Einladung (219.0 KB)
Treffen des „Trägerkreises Miteinander für Europa“ 2015

Treffen des „Trägerkreises Miteinander für Europa“ 2015

Vom 12. bis 14. November 2015 fand im Mariapoli-Zentrum Marienkroon in Nieuwkuijk (Holland) das jährliche Treffen des Trägerkreises statt.

101 Teilnehmer von 39 Bewegungen und Gemeinschaften aus 12 europäischen Ländern haben sich gemeinsam mit verschiedenen Aspekten der Veranstaltung ‚München 2016 befasst. Dazu gehört der Kongress im Circus Krone – Bau vom 30. Juni bis 1.Juli 2016 und die Kundgebung auf dem Karlsplatz Stachus am 2. Juli 2016.

Eine allgemeine Vorstellung enthält die Broschüre, die auf dieser Homepage zu finden ist. Spezielle Informationen über den Kongress für Vertreter der Bewegungen und Gemeinschaften enthält der Flyer, der ebenfalls auf der Homepage erscheint. Dort wird es auch nach und nach genauere Hinweise bezüglich der Kundgebung am 2. Juli geben.

Die Foto-Gallerie zeigt die Atmosphäre, das Engagement, die Zusammenarbeit während der Tage in Marienkroon. Auch die Betroffenheit der Teilnehmer aus Frankreich wegen der Pariser Attentate wurde zutiefst geteilt. Die Nachricht war gerade während des Treffens eingetroffen.

das internationale Sekretariat

Im Gespräch mit Patriarch Bartholomäus I

Im Gespräch mit Patriarch Bartholomäus I

Begleitet von Metropolit Elpidophoros Lambriniadis, traf sich Patriarch Bartholomäus im Kloster Ayatrìada, auf der Insel Halki bei Konstantinopel, mit Maria Voce, Gerhard Proß und Diego Goller vom Leitungskomitee vom Miteinander für Europa.

Anlass dazu war ein von der Fokolar-Bewegung organisiertes ökumenisches Bischofstreffen. In einem halbstündigen Gespräch informierte sich der Patriarch über die Vorbereitungen von „Miteinander für Europa – München 2016“. Er zeigte große Wertschätzung für die Initiative und die Thematik. Er selbst wird nicht an der Veranstaltung teilnehmen können, da er mit der für Pfingsten 2016 vorgesehenen Heiligen Panorthodoxen Synode sehr in Anspruch genommen sein wird. Ein von ihm gesandter Vertreter und eine eigens für den Event aufgenommene Video-Botschaft werden Ausdruck seiner Anteilnahme sein.

Ökumenisches Netzwerk „Miteinander für Europa“ ruft auf zu Gebet und Engagement für Frieden und Nächstenliebe

Ökumenisches Netzwerk „Miteinander für Europa“ ruft auf zu Gebet und Engagement für Frieden und Nächstenliebe

Vom 12. bis 14. November waren in Holland 100 leitende Vertreter des Netzwerkes „Miteinander für Europa“ versammelt. Gemeinsam veröffentlichen sie folgende Erklärung als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris.

„Mit Entsetzten haben wir von den dramatischen Anschlägen in Paris gehört. Wir waren als über 100 Vertreter von christlichen Bewegungen und Gemeinschaften aus 13 europäischen Ländern und unterschiedlichen Konfessionen und Kirchen in Mariakroon in den Niederlanden zusammen.

Europa ist für uns der Kontinent, in dem Menschen in aller kulturellen und religiösen Vielfalt willkommen sind und vereint in Freiheit und Frieden leben sollen.

Wir haben unsere Arbeit unterbrochen, um zu schweigen und miteinander zu beten. Die Ereignisse motivieren uns, uns noch intensiver für die Werte Europas einzusetzen. Dazu ruft und verpflichtet uns auch unser christliche Glaube.

Wir empfinden mit den Familien der Opfer und wir sind solidarisch mit den Politikern, die in diesen Tagen schwere Entscheidungen zu treffen haben.

Wir leben als Freunde in Europa und erleben in diesen Stunden eine tiefe Verbundenheit mit allen Franzosen. Wir verpflichten uns, mehr denn je für den Frieden zu beten und ihn, dort, wo wir sind, zu leben und zu verbreiten. Wir wollen noch mehr und tiefer die gegenseitige Liebe leben und alle Kräfte des Vertrauens stärken. Durch ein menschliches Gesicht und die Treue zu seinen Werten wird Europa eine gemeinsame Zukunft haben.“

Weitere Informationen zum Netzwerk unter www.together4europe.org und für Deutschland www.miteinander-wie-sonst.de

Besuch bei Bischof July

Besuch bei Bischof July

Mitte Oktober waren einige Mitglieder des Leitungsteams vom Miteinander bei Bischof July zu Besuch. Er ist der Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes. Die Begegnung war geprägt von einer sehr herzlichen Atmosphäre.

P. Heinrich Walter (Schönstatt), Diego Goller (Fokolar-Bewegung), Thomas Römer (CVJM München), Sr. Anna-Maria aus der Wiesche (Christusbruderschaft Selbitz) und Gerhard Proß (CVJM Esslingen) waren erfreut über das offene und persönliche Gespräch, das sich ergab. Gerhard Proß fasst zusammen: „Wir konnten die Fragen nach Versöhnung zwischen den Kirchen und Schritten auf dem Weg zur Einheit miteinander besprechen. Solche Begegnungen sind Sternstunden und dienen in guter Weise der Vorbereitung auf unsere Veranstaltungen im Juni und Juli 2016 in München“.

In Montevideo ein Informationsabend über Miteinander für Europa

In Montevideo ein Informationsabend über Miteinander für Europa

Am 7. September 2015 hat der ACJ (CVJM) Montevideo (Uruguay) zu einem Informationsabend über Miteinander für Europa eingeladen. Repräsentanten von 10 verschiedenen Kirchen sowie Mitglieder der Fokolar-Bewegung und des CVJM sind der Einladung gefolgt. Gerhard Pross, der sich gerade im Süden des amerikanischen Kontinents befand, berichtete sehr lebendig und mit vielen inspirierenden Beispielen über den Weg des Miteinanders. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurden die „Fünf Schlüssel zur Einheit“ aufgenommen und im anschließenden Gespräch reflektiert. Auch der folgende Stehempfang war eine gute Gelegenheit für die Teilnehmer, ihre Erfahrungen auszutauschen. Einige von ihnen hat die Frage beschäftigt, ob ein solches Miteinander auch in Südamerika möglich sein wird. Die Begegnung mit Gerhard Pross hat die Anwesenden ermutigt, Schritte des Miteinanders zu gehen.

IN LOPPIANO: AUF DEM WEG ZU EINER WIRTSCHAFT DES GEMEINWOHLS

IN LOPPIANO: AUF DEM WEG ZU EINER WIRTSCHAFT DES GEMEINWOHLS

In Loppiano – Incisa Val d’Arno (bei Florenz) hat vom 6.-8. März 2015 der angekündigte Kongress “Vision einer gerechten Wirtschaft, Frucht der Charismen” stattgefunden, der sich als Beitrag verstand, Europa der Finanzen und Märkte eine Seele zu geben. Die etwa 100 Teilnehmer aus unterschiedlichen europäischen Ländern und über 10 Gemeinschaften konnten diesbezügliche Erfahrungen und Perspektiven austauschen. Die Veranstaltung wurde hauptsächlich von Mitgliedern der Fokolar-Bewegung, des CVJM München, der Gemeinschaft Vineyard in Brüssel, der Schönstatt-Bewegung in der Schweiz, der Gemeinschaft Papa Giovanni XXIII und der Gemeinschaf Nomadelfia, in der Toskana getragen.

Europa kämpft weiterhin mit der wirtschaftlichen Unsicherheit, die die Unternehmen, die Verantwortlichen der Wirtschaftspolitik, aber auch die Bürger vor schwere Herausforderungen stellt. «Bisher hat in Europa allein die Stimme der Institutionen gesprochen – bekräftigte Prof. Luigino Bruni. Unser Traum ist es, dass in den Wirtschaftsministerien auch Franziskaner, Fokolare und andere Personen sein werden, die sich für die Letzten in unserer Gesellschaft bemühen. Es braucht eine Stimme der Unentgeltlichkeit. In den letzten Jahrzehnten sind diese Positionen mundtot gemacht worden. Eine Wirtschaft ohne Seele, ohne Charismen, die auch die Armen miteinschließen, hat keine Zukunft. Was haben die christlichen Bewegungen heute in der Wirtschaft zu sagen?» Beim Kongress wollte man einen Beitrag von Unten geben, von der Solidarität her, um allen Stimmrecht zu geben, auch den Armen und Ausgeschlossenen. Idee war, Europa von einer Perspektive aus zu betrachten, die die Wirtschaft als Gegenseitigkeit und als Geschenk und nicht als Interessen und Profit versteht, eine Wirtschaft, die von den Genossenschaften und von der sozialen wie gesellschaftlichen Wirklichkeit ausgeht.

Das Programm enthielt sowohl theoretische Reflexionen (Ursachen der Wirtschaftskrisen in Europa, verschiedene Erfahrungen und Impulse einer „charismatischen Wirtschaft“, die Pädagogik der Ideale für Unternehmer nach Pater Kentenich, dem Gründer der Schönstatt- Bewegung und Beiträge aus der Praxis (gelebte Fakten einer Wirtschaft des Gemeinwohls, der Wirtschaft in Gemeinschaft, die von verschiedenen Bewegungen entwickelt worden sind. Die Abende verbrachte man im Gebet und Lob Gottes. Am zweiten Nachmittag fand ein Konzert der internationalen Performancegroup Gen Verde statt.

Einen Nachmittag kamen auch etwa 100 der 1000 Teilnehmer eines parallelen Jugendfestivals in Loppiano mit zum Kongress.

Sie brachten ihre Erfahrung ein, wie sie, trotz der Enttäuschung über die aktuelle Situation der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt, versuchen, ihre Ideale hochzuhalten, gegen den Strom der Konsumgesellschaft anzugehen und kleine Modelle von Nachhaltigkeit zu verwirklichen.

In allen wuchs das Bewusstsein, dass es dringend notwendig sei, christliche Werte ohne Kompromisse in wirtschaftliches Handeln und wirtschaftliche Strukturen umzusetzen. Vor allem die Unternehmer zeigten sich sehr interessiert am Aufbau von Netzwerken, die einen stärkeren Austausch und ein wirkungsvolleres Zeugnis in der Welt ermöglichen. Nun möchten sich alle dafür einsetzen, in der eigenen Gemeinschaft die erhaltenen Impulse zu vertiefen und mit anderen Bewegungen Initiativen zu teilen. Ein Kongressteilnehmer resümierte: „Wenn es uns gelingt, Verstand und Herz weit zu machen und einige Mauern abzureißen, uns gegenseitig anzunehmen und Räume der Begegnung zu schaffen, dann werden wir nachdrücklicher die christlichen Wurzeln Europas bezeugen können.“

Videos der Beiträge des Kongresses unter: www.pololionellobonfanti.it/insieme-per-il-bene-comune/

Preis der St.-Ulrichs-Stiftung

Preis der St.-Ulrichs-Stiftung

“Mit Schritten der Versöhnung und Befreundung über die verschiedens-ten Grenzen hinweg bauen sie Brücken in Europa. So ist eine Bewegung der Hoffnung entstanden die vom Geist des Evangelium inspiriert ist.“

Dies ist die Begründung des europäischen St. Ulrich-Preises, den das Leitungskomitee von Miteinander für Europa am 3. Mai in der geschichtsträchtigen Stadt Dillingen in Bayern erhält.

Bei der Preisverleihung würdigt ein endloser Applaus die Kultur des Miteinanders. Die Auszeichnung wird sieben Mitgliedern des Leitungskomitees – darunter auch einige der ersten Stunde1- vor einem Publikum von ca. 600 Personen überreicht.

Die Preisempfänger und Vertreter aus 50 Bewegungen und Gemeinschaften werden von den politischen und kirchlichen Autoritäten empfangen: Oberbürgermeister Kunz, der Augsburger katholische Bischof Zsarda und der evangelische Regionalbischof Grabow. Die Preisverleihung findet zum ersten Mal während einer ökumenischen Liturgiefeier in der Basilika statt.

Es ist die zehnte Auflage dieser Auszeichnung, mit der zuvor Lech Walesa, Helmut Kohl, Andrea Riccardi und andere herausragende Persönlichkeiten geehrt worden sind.

Die Laudatio hält der brasilianische Kardinal Joao Braz de Aviz von der Kongregation für die Ordensleute, in Anwesenheit zahlreicher Persönlichkeiten der Region aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. «Ich sehe mit Dankbarkeit das ökumenische Zeugnis des Unterwegsseins von Miteinander für Europa. Es öffnen sich bei ihm immer neue Orte, an denen es möglich ist sich geschwisterlich zu begegnen und gegenseitige Liebe unter den Kirchen zu wecken und damit auch neue Weisen sich mit dem auseinanderzusetzen, was uns noch trennt.

Der Vorsitzende der Stiftung, Landrat Leo Schrell: «In der beein-druckenden Vielfalt des Teilnehmerkreises wird deutlich, dass diese Initiative von Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Nationen getragen ist die sich nur einem Ziel verpflichtet weiß, zur Einheit Europas beizutragen “. Schrell hält den vom Netzwerk eingeschlagenen Weg „richtungsweisend“.

Gerhard Pross bedankt sich im Namen des Leitungskomitees und unterstreicht: „In den christlichen Bewegungen lebt eine europäische und eine geistliche Einheit, die durchaus Modell für das Haus Europa und für die eine Kirche Jesu Christi sein könnte“.

Er erklärt, dass das Preisgeld von 10.000 € vorallem für Jugendliche und für Bewegungen in Osteuropa bestimmt sei, die sich in Miteinander für Europa engagieren möchten. Es mangelt auch nicht an Dankbarkeit gegenüber den Pionieren des Miteinanders, insbesondere Chiara Lubich und Helmut Nicklas.

PHOTOGALLERY: http://www.landkreis-dillingen.de/showpicsizedclick.php?imageshow=2940&picnr=1

Nach einem Gruppenfoto auf den Stufen des Stadthalle schließt der Event ab mit den Unterschriften im Goldenen Buch und einer gepflegten Erfrischung in herzlicher Atmosphäre. Es folgen noch Interviews mit regionalen Zeitungen, Radio- und Fernseh-Sendern, die Medien und Öffentlichkeit benachrichtigen. Verschiedene Schlagzeilen unterstreichen den Einsatz dafür, das christliche Erbe Europas zu schützen und zu fördern, wie es der hl. Ulich bezeugt hat.

Am 2. Mai hat sich das Leitungskomitee im Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring getroffen, um die nächsten Termine zu planen. Für einen Kongress mit einer anschließenden öffentlichen Kundgebung in einer Stadt Deutschlands, dachte man, im Blick auf 2017, dem Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“, an April oder Mai 2016. Aus verschiedenen Städten sind bereits Vorschläge und Präsentierungen von Initiativen eingetroffen, die große Aufmerksamkeit finden. Ein Klima der Zusammenarbeit und Freude hat es erlaubt, einstimmig mit den Vorbereitungen zu beginnen.

Gabri Fallacara e Severin Schmid

 

1 Pfr. Friedrich Aschoff von der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche (GGE), Pater Michael Marmann von der Schönstattbewegung und Sr. Anna-Maria aus der Wiesche, Piorin der Communität Christusbruderschaft Selbitz.

Würzburg und Ischia, 7/12/2013

Würzburg und Ischia, 7/12/2013

Ein Bericht aus Würzburg

Als einen ”ganz besonderen Tag in unserem Miteinander“ bezeichnen die Verantwortlichen der Bewegungen und Gemeinschaften verschiedener Kirchen in Deutschland das Würzburger Treffen vom 7. Dezember 2013. 120 Engagierte von Miteinander für Europa, hatten sich miteinander verabredet, um einen Jahresrückblick zu halten und nächste Schritte zu planen. Gerhard Pross, „Treffen von Verantwortlichen“, schreibt, der Tag habe mit einer Reflexion begonnen, die an ein Wort von Chiara erinnert, das die Bewegungen hinein in das Miteinander gerufen habe. Dem sei ein Erfahrungsaustausch gefolgt über die Zusammenarbeit von Bewegungen und Gemeinschaften in verschiedenen Städten Deutschlands, z.B. die ”Oasen des Friedens und des Gebetes“, die sich in Stuttgart gebildet haben.

Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofkonferenz, habe das Würzburger Treffen besucht und betonte, dass er im Miteinander ein wichtiges Zeugnis und ein Zeichen der Ermutigung sehe. Er habe den Blick insbesondere auf 2017, den 500. Jahrestag der Reformation gerichtet und der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass es bei diesem Anlass zur Begegnung und neuem gegenseitigem Verständnis komme.
Neben anderen Aspekten sei im Dialog besonders das Bündnis der gegenseitigen Liebe hervorgetreten, mit dem das Netzwerk Miteinander für Europa begonnen hat. Es dürfe nicht bei einem höflichen Kennenlernen bleiben, es brauche echte geschwisterliche Zusammenarbeit, die dann auch Vorbild für die Völker Europas sein könne.

”Für mich ist das ein kirchenhistorischer Moment, in dem jemand ganz weit die Arme ausstreckt“, kommentierte der Leiter der Gemeindeerneuerung und Thomas Römer vom CVJM München gab Erzbischof Zollitsch mit: ”Gehen auch Sie mutig die nötigen Schritte, Sie haben das Volk hinter sich!“

Beim Treffen wurde auch über die Tagung des Trägerkreises berichtet, die im November in Paris stattgefunden hat. Miteinander für Europa versammelt Bewegungen unterschiedlicher Kirchen fast aller europäischen Völker. Daraus erwächst Verantwortung für eine aktive Präsenz im kulturellen, sozialen und politischen Leben.

Gerhard Pross berichtet, im deutschen Komitee das Treffen mit einem hinhörenden Gebet vorbereitet zu haben. Als es gelungen sei, alle eigenen Überlegungen hintanzustellen und auf „Ihn“ zu hören, hätten sie sich ermutigt gefühlt. Jemand habe kommentiert: ”Hier in unserer Mitte ist der Auferstandene und sagt uns: ‚Fürchtet euch nicht!‘“ ”Wir sind voll Freude, Mut und Hoffnung aufgebrochen“ schreibt Gerhard Pross und unterstreicht: ”Dieses Treffen hat eine ganz besondere Gnade gehabt und im Herzen die Sicherheit hinterlassen, dass das Miteinander weitergehen wird. Wir haben etwas von der ‚Partitur‘ erahnt, ‚die im Himmel geschrieben ist.“.

Nachrichten aus Ischia (Italien), 7.9.2013:

Marsch für den Frieden. “Am 7. September 2013 hat das Komitee Ischia für Europa anlässlich des Weltfriedenstags eine große Veranstaltung mit einem Fackelmarsch mit Liedern für den Frieden organisier. Als Zeichen der Zustimmung wurden in Geschäften und Lokalen Lichter und Musik reduziert. Der Marsch führte zu einem kleinen Pinienwald. Dort wechselten sich Ansprachen, Gedichte und Gebete für den Frieden von Katholiken und Lutheraner ab, sowie Intermezzos einheimischer Musiker. Der Bischof drückte seine Teilnahme mit einer aufgezeichneten Vide-obotschaft aus.

Viele gaben einen Beitrag und hinterließen Eindrücke, die Dankbarkeit für die Veranstaltung zum Ausdruck brachten.“

Gabriella Fallacara e Severin Schmid

Bewegung Acer: der Reichtum der Begegnung

Bewegung Acer: der Reichtum der Begegnung

Spirituelles Vertrauen, tiefer Austausch, Entdeckung einer realen Freundschaft in Christus, als Samen für ein christliches Europabe-wusstsein, sind einige der Früchte des Besuchs, den Vertreter der Fokolar-Bewegung am 6. November im Sitz der Acer-Mjo (Action Chrétienne des Etudiants Russes – Mouvement de Jeunesse Orthodoxe) abstatten.

Im Vorfeld der Jahrestagung des Trägerkreises von Miteinander für Europa, die dieses Mal in der französischen Hauptstadt stattfindet, empfängt Cyrille Sollogoub, der Vorsitzende dieser orthodoxen Bwewegung, Gabri Fallacara, Severin Schmid e Maria Wienken von der Fokolar-Bewegung.

Die Bewegung Acer wurde 1923, von einigen der in den bitteren Jahren der Revolution exilierten Russen initiiert. Unter den Gründern befanden sich bedeutende Persönlichkeiten wie Sergej Bulgakov, Georges Florovsky Nikolaj Berdjaev.

Gemeinsam mit seinem Bruder Igor, der für die Sektion Jugend zuständig ist, führt der Vorsitzende seine Besucher in die große Kapelle mit Glasdach, in die im Innenhof ein ehemaliger Schuppen umgestaltet worden ist. Hier haben orthodoxe Priester und Theologen wie Florovsky, Bulgakov, und Alexandr Men die Heilige Liturgie gefeiert.

Cyrille Sollogoub erläutert, dass die Darstellung Mariens im Tempel die Ikone sei, die am besten das Charisma der Bewegung Acer ausdrücke: „sie enthält Jesus und daher auch die Kirche“. Als in Russland die Kirchen zerstört wurden und die ausgewanderten Russen kein Geld hatten, um neue aufzubauen, gewann man ein neues Verständnis von Kirche: Kein Ziegelbau, sondern lebendige Personen, die Christus und seine Kirche bringen.

Deshalb beginnt die Bewegung Acer mit dem Wunsch Laien dafür zu sensibilisieren „Kirche zu sein“. Sie wird vom Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Thikon, anerkannt, der juridisch vom Patriarchen von Konstantinopel abhängt und später ermordet wird.

“Unter dem Regime – erinnert der Vorsitzende – war es eine grundlegende Aufgabe der Acer, die Bibel wie spirituelle und kulturelle Literatur zu drucken und nach Russland zu transferieren; außerdem unterstützte sie die Familien der Dissidenten und andere Bedürftige. Pressearbeit ist auch heute noch wichtig.

Die sehr lebendige Jugendsektion umfasst ca. 200 Jugendliche. Großen geografischen Entfernungen zum Trotz organisiert sie Sommerlager in den Bergen, als Gelegenheiten intensiv das Evangelium zu leben. Dadurch wächst der Glaube und das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Kirche. Wenn sie einmal ausgebildet sind, engagieren sich diese Jugendlichen in ihren Pfarreien.

Diese Chance sich zu begegnen und gegenseitig kennen zu lernen, erfüllt die Herzen aller mit Dankbarkeit Gott gegenüber, der uns heute neue hoffnungsvolle Wege in eine Zukunft des Miteinanders eröffnet.

Gabri Fallacara

Der Trägerkreis in Paris

Der Trägerkreis in Paris

Der Trägerkreis von Miteinander für Europa hat sein jährliches Treffen vom 7. bis zum 9. November in Paris durchgeführt. Im geschichtsträchtigen Rahmen von Montmartre haben sich 125 Verantwortliche aus 46 Bewegungen und Gemeinschaften verschiedener Kirchen versammelt. Die vertretenen 13 europäischen Länder reichten von Russland bis nach Portugal, von Dänemark bis nach Slowenien.

Als Thema stand das „Ja zu den Armen und Ausgegrenzten“ auf der Tagesordnung, das in der Botschaft von Stuttgart 2007 formuliert worden ist.Die zahlreichen Beitrage haben gezeigt, wie sehr den Bewegungen und Gemeinschaften der Einsatz für die Bedürftigsten und ihre Beteiligung am Herzen liegt. Es geht nicht nur um konkrete Solidarität, sondern auch um Freundschaft und Geschwisterlichkeit.

Eine ungeheuer dichte Stunde schenkte Jean Vanier, Gründer der Arche. Er begann seine Erfahrung mit dem Gleichnis in dem Jesus das Reich Gottes als königliches Hochzeitsmahl schildert. Die geladenen Gäste sind mit anderem beschäftigt und so schickt der König seine Diener, um alle Lahmen und Behinderte entlang der Hecken und Wegkreuzungen einzuladen. „Genau das habe ich in meinem Leben umzusetzen versucht“. Jean Vanier widmet sich insbesondere Geistig-Behinderten „dem unterdrückten Volk“. „Sie haben mich verändert; ich habe verstanden, dass das Himmelreich ihnen gehört.“ Heute gibt es 140 ökumenische und interreligiöse Gemeinschaften, in denen „Gebrechliche und Starke“ zusammen leben.

An jedem Morgen der Tagung beginnt man mit einer Gebetszeit. Nach einer evangelischen und katholischen folgt eine orthodoxe mit einem Chor.

Sehr lebendig tauscht man sich über den bisher zurückgelegten Weg, mit den drei großen Veranstaltungen Stuttgart 2004, 2007 und Brüssel aus und berät über den nächst anstehenden Schritt. Der Ausdruck Chiara Lubichs: „Die Partitur ist im Himmel geschrieben“ ist in lebendiger Erinnerung geblieben und im gegenseitigen Hinhören wird deutlich, dass die wertvollste Erfahrung in diesem Miteinander die tiefe Gemeinschaft ist, die unter den Bewegungen und Gemeinschaften der verschiedenen Kirchen entstanden ist. Gerade dieses „gemeinschaftliche Zeugnis von Christen“ hat zu Initiativen in Politik und Gesellschaft geführt, die heute in Europa nötig sind, „damit die Welt glaubt“.

Einvernehmlich plant man für 2016 einen Kongress- vermutlich in einer Stadt Deutschlands –, um ein Zeichen zu setzen und den bisher im Miteinander zurückgelegten Weg sichtbar zu machen.

Es herrscht eine feierlicher Atmosphäre, als man Gott im Gebet diese neue Etappe anvertraut und untereinander den Bund der gegenseitigen Liebe erneuert.

Das Leitungskomitee wird sich im Mai 2014 im deutschen Dillingen wiedersehen, um den renommierten europäischen St.-Ulrichs-Preis 2014 entgegenzunehmen, der dieses Mal Miteinander für Europa verliehen wird.

In Paris wurde auch die „Kultur der gegenseitigen Gastfreundschaft“ fortgesetzt. Man besuchte die Kapelle im Bahnhof von Montparnasse, die der Gemeinschaft St. Egidio anvertraut ist, um gemeinsam miteinander zu beten und ihre Aktion im Herzen von Paris kennen zu lernen.

Bereits im Vorfeld des Treffens besuchten einige die, von Pierre Goursat e Martine Laffitte-Catta gegründete Kommunität Emmanuel und andere den Sitz von Acer-Mjo (Aktion christlicher russischer Studenten ) einer Orthodoxen Jugendbewegung.

Gabri Fallacara