
Die Geschichte einer wachsenden Gemeinschaft unter Bewegungen und Gruppierungen aus dem evangelischen und dem katholischen Raum ist von zwei Entwicklungen geprägt, die an einem bestimmten Punkt zusammentrafen.
1. Treffen von Verantwortlichen (TvV) - seit 1969
Seit 1969 treffen sich Verantwortliche von evangelischen Gemeinden, Werken, Gemeinschaften, Freikirchen, missionarischen
und charismatischen Bewegungen, evangelischen Kommunitäten sowie therapeutischen Gemeinschaften jedes Jahr für ein paar
Tage, um sich gegenseitig mit den Gaben zu dienen, die jeder von Gott empfangen hat. Sie versuchen die Zeichen der Zeit
zu verstehen und was Gott ihnen oder einzelnen Gemeinschaften aktuell sagen will; sie beten füreinander, bestärken und
ermutigen einander und ergänzen sich gegenseitig; auch Korrektur ist möglich. Daraus ist eine sehr kostbare Gemeinschaft
- ein Netzwerk -unter Verantwortlichen aus inzwischen mehr als 120 Gruppierungen entstanden.
2. Pfingsten 1998
Zu Pfingsten 1998 lud Johannes Paul II. alle Bewegungen nach Rom ein, die im vergangenen Jahrhundert in der katholischen
Kirche entstanden sind. Er sah dieses Treffen als den Höhepunkt jenes Jahres an, das in der katholischen Kirche dem
Heiligen Geist gewidmet war. Er sagte zu den auf dem Petersplatz versammelten mehr als 500.000 Menschen:
Auf den Appell des Papstes, dass die Bewegungen untereinander Gemeinschaft pflegen, reagierten Chiara Lubich (Fokolar-Bewegung), Andrea Riccardi (Sant'Egidio) und Salvatore Martinez (katholische Charismatische Erneuerung in Italien) unmittelbar. Andere Verantwortliche und Gründer schlossen sich ihnen an: Don Giussani (Comunione e Liberazione), Pater Marmann (Schönstatt), Frances Ruppert (Cursillo) und andere. Erste Ausprägungen der Gemeinschaft unter den Bewegungen waren:
3. TvV, März 1999
Beim TvV im März 1999 wurde ein Video-Bericht über dieses römische Pfingstereignis gezeigt ("Wehen des Geistes").
Beeindruckt hat unter anderem auch die Bedeutung, die der Papst den Bewegungen beimisst: Ausgehend von einer
ekklesiologischen Unterscheidung des katholischen Theologen Hans Urs von Balthasar zählt Johannes Paul II. die
Bewegungen zur charismatischen Dimension der Kirche, die - so der Papst - in der gleichen Weise für die Kirche
wesentlich ist wie ihre institutionelle Dimension.
4. Ottmaring, 31. Oktober 1999
Im Umfeld der Augsburger Feierlichkeiten zur Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre, trafen
sich einige aus dem Kreis des TvV (50 Personen aus 15 Gruppierungen mit Chiara Lubich und Andrea Riccardi in Ottmaring,
am Nachmittag des 31. Oktobers.
Hier verbanden sich die beiden Entwicklungsstränge. Die Anwesenden erkannten, dass ihre Bewegungen und Gruppierungen den gleichen Ursprung haben: Alle sind Werk des Heiligen Geistes. Und sie fanden zu einer tiefen geschwisterlichen Gemeinschaft.
5. TvV, Rothenburg, März 2000
Ein weiterer Schritt auf diesem Weg war, dass man Chiara Lubich zum TvV im März 2000 nach Rothenburg o.d.T. einlud, damit
sie unter anderem über die Erfahrungen der Zusammenarbeit und der Gemeinschaft unter den katholischen Bewegungen berichte.
Mit Bischof em. Prof. Ulrich Wilckens hat in Rothenburg zum ersten Mal ein Bischof am TvV teilgenommen. Er sieht in der Trennung der Christen die Ursache für den Atheismus.
Es ereignete sich zudem in Rothenburg etwas Prophetisches: Stellvertretend für die eigenen Kirchen oder Gruppierung wurde Buße getan und Vergebung gewährt. Es geschah auf diese Weise Versöhnung von Kirche zu Kirche, von Bewegung zu Bewegung.
Der Kreis derer wuchs, die im Zusammenkommen und -wirken der Gemeinschaften aus den verschiedenen Kirchen ein Gebot der Stunde sahen. Grund dafür ist die Erfahrung, die sich auch bei späteren Begegnungen immer wieder bestätigte:
6. Reise nach Rom, August 2000
Auf Initiative von Pfarrer Friedrich Aschoff (GGE) machten sich im August 2000 mehr als 80 Verantwortliche und Mitglieder evangelischer Bewegungen und Kommunitäten, darunter 18 evangelische Pfarrer, nach Rom auf, um die Gemeinschaft Sant'Egidio, das Zentrum der Fokolar-Bewegung und die katholische Charismatische Erneuerung Italiens zu besuchen.
Beim Gottesdienst in der Calixtus-Katakombe predigte Sr. Anna-Maria aus der Wiesche, Priorin der Christusbruderschaft in Selbitz, über die Begegnung von Maria und Elisabeth (vgl. Lk 1,39ff). Sie sah in der Beziehung der beiden Frauen das Modell für die Beziehungen unter den Bewegungen. Elisabeth erkannte das Wirken Gottes in Maria zum Heil der Menschen und pries Gott. Dies war für Maria Bestätigung für das, was sie erlebt hatte. Dies kommt im Magnifikat zum Ausdruck. Maria aber war sich nicht zu schade, Elisabet zu helfen. Wenn sich eine Bewegung in den Dienst der anderen Bewegungen stellt, erkennt sie die Gabe besser, die sie von Gott empfangen hat, und sie wird ihr von den anderen bestätigt.
7. TvV, Bernhäuser Forst, März 2001
Die neue Einsicht dieses Treffens war: Was bisher vorwiegend auf der Ebene von Verantwortlichen stattgefunden hat, sollte nun auf der Ebene der Mitglieder weitergeführt werden. Dazu soll eine große Begegnung "Miteinander - wie sonst" im Dezember 2001 dienen. Man beschließt: Wer eine solche Begegnung mittragen will, kommt am 5. Mai 2001 nach München.
8. Trägerkreis "Miteinander - wie sonst", 5. Mai 2001
Am 5. Mai tritt der Trägerkreis im CVJM in München zum ersten Mal zusammen. Er besteht aus 17 Gruppierungen.
Das Anliegen von "Miteinander - wie sonst" wird in der Einladung zum Treffen am 8. Dezember 2001 so formuliert: "Bewegungen aus dem evangelischen und dem katholischen Raum begegnen einander. Wir kommen zusammen, um Gott für den Reichtum seiner Gaben zu danken, uns gegenseitig mit unseren unterschiedlichen Charismen wahrzunehmen und uns darüber zu freuen. Durch die Gemeinschaft unter den neuen Aufbrüchen soll das Reich Gottes in seiner Vielfalt und Schönheit sichtbar werden.Wir sind gespannt, wohin der Heilige Geist uns weiter führt, damit seine Gaben wirksam werden als Antworten auf die Fragen und Nöte unserer Zeit."
Ohne Zögern stimmten die beiden Ortsbischöfe, Friedrich Kardinal Wetter und Landesbischof Johannes Friedrich, dem Vorhaben zu. Trotzdem blieb es eine Veranstaltung der Bewegungen und Gemeinschaften, zu der die Kirchenleitungen eingeladen sind, nicht aber eine Veranstaltung in der Hand der Kirchenleitungen.
Überraschend leicht und problemlos verliefen die Vorbereitungsarbeiten. Sie wurden genutzt, um Gemeinschaft unter den Mitgliedern der verschiedenen Gruppierungen zu leben.Der ganze Vorbereitungsprozess war gekennzeichnet von einer großen Freude.
9. "Miteinander - wie sonst", München, 8. Dezember 2001
Das Programm bestand aus zwei Teilen: am Vormittag mit etwa 800 evangelischen, katholischen und freikirchlichen Verantwortlichen in der evangelischen Bischofskirche St. Matthäus und am Nachmittag im Münchener Dom mit über 5000 Mitgliedern und Freunden.
Momentaufnahmen von "Miteinander - wie sonst"
... das Bündnis in der St. Matthäus-Kirche
... und im Dom

Das Ziel des Vormittags war, die Verantwortlichen an der bisher gewachsenen Erfahrung von Gemeinschaft teilhaben zu lassen. Bischof em. Ulrich Wilckens führte aus, dass es für ein glaubwürdiges Zeugnis in unserer pluralistischen und säkularisierten Gesellschaft die Einheit unter den Christen braucht. Und erst wenn wir wirklich begreifen, was Nicht-Christen empfinden, denken und erfahren, wird unser Zeugnis von Christus, der aus Liebe ans Kreuz gegangen ist, überzeugend und mitreißend sein.
Am Nachmittag im überfüllten Dom zeigten einige etwas von der Gabe auf, die ihre Gemeinschaften von Gott für die Erneuerung des Einzelnen, der Kirchen und der Welt bekommen haben: CVJM (Erneuerung in der Stadt), Cursillo (Glaube ist mitteilbar), die evangelische Geistliche Gemeinde-Erneuerung und die katholische Charismatische Erneuerung (Versöhnung mit Gott und ihre gesellschaftliche Auswirkung), Sant'Egidio (Solidarität mit den Armen und Benachteiligten), Equipes Notre Dame (Hilfen für die Familien), Christusbruderschaft Selbitz (Nachfolge in verbindlicher Gemeinschaft).
Chiara Lubich sprach darüber, wie heute eine neue Evangelisierung möglich ist, und beschrieb die Eigenschaften einer dem Evangelium gemäßen Liebe: Sie gilt allen, liebt als erste (ohne Vorleistungen des anderen), ist konkret, liebt den anderen wie sich selbst, liebt auch die Feinde und erkennt Jesus im Mitmenschen (vgl. Mt 25,40).
Helmut Nicklas, Verantwortlicher des CVJM, lud danach alle ein, ihr Ja zu sagen zu diesem göttlichen Abenteuer. Friedrich Kardinal Wetter sah im gemeinsamen Zeugnis von evangelischen, katholischen und freikirchlichen Gruppierungen einen wichtigen Beitrag zur Zivilisation der Liebe, damit im neuen Jahrhundert Frieden, Freiheit und Achtung der Menschenwürde möglich werden.
Der Landesbischof von Bayern, Johannes Friedrich, sagte unter anderem: "Wer die Erfahrung des heutigen Nachmittags gemacht hat, kann nicht mehr sagen, der Heilige Geist sei heute weniger am Werk als zur Zeit der Apostel. Und er kann auch nicht mehr sagen, die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre sei ohne Folgen geblieben."
Die Reaktionen der Teilnehmer waren durchgängig sehr positiv. Viele sahen in "Miteinander - wie sonst" die Erhörung ihres Gebetes, denn sie hatten schon lange die Gemeinschaft unter den Bewegungen ersehnt. Die Eindrücke können etwa in den folgenden Äußerungen von Teilnehmern zusammengefasst werden:
10. Begegnung am 9. Dezember 2001
Zu einer kurzen Nachbesprechung trafen sich am 9. Dezember 2001 in Unterhaching: Chiara Lubich, Sr. Anna-Maria aus der Wiesche, Friedrich Aschoff, Helmut Nicklas, Gerhard Proß und Thomas Römer. Es wurde bewusst: Unabhängig von der Größe oder der Ausbreitung einer Gruppierung ist ihr Beitrag, ihr Charisma, wichtig, damit der "Leib Christi" (gemäß 1 Kor 12) in seinem vielfältigen Reichtum heute in einer säkularisierten Welt deutlicher sichtbar werden kann und die Gaben des Heiligen Geistes in der Gesellschaft besser zum Tragen kommen können.
11. Trägerkreistreffen "Miteinander - wie sonst", 9. Januar 2002
Alle Mitglieder des Trägerkreises waren der Meinung, dass man auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen soll:
12. Begegnung in Rom, 28./29. Mai 2002
Am 28. und 29. Mai 2002 trafen sich Vertreter von Gemeinschaften aus Deutschland (Frances Ruppert, Cursillo; Friedrich Aschoff, GGE; Helmut Nicklas und Thomas Römer, CVJM; Gerhard Proß, Treffen von Verantwortlichen; P. Heinrich Walter, Schönstatt) in Rom mit Chiara Lubich (Fokolar-Bewegung) und Andrea Riccardi (Sant'Egidio), um im gemeinsamen Hören auf Gott zu verstehen, wie man gemeinsam weitergehen soll.
Es entstand die Idee, im Jahr 2004 eine große Begegnung der Mitglieder von Bewegungen der verschiedenen Kirchen aus ganz Europa in Deutschland durchzuführen. Sie beruht auf der Übereinstimmung in folgenden Überzeugungen:
13. Brief an den Trägerkreis "Miteinander - wie sonst"
Mit dem Brief vom 12. September 2002 wurden die Mitglieder vom Trägerkreis "Miteinander - wie sonst" über diese Idee informiert. Sie erhielt allgemeine Zustimmung.
