
Was ist charakteristisch am Miteinander der christlichen Bewegungen? Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus der Geschichte. Hier die wichtigsten Etappen.

Im Anschluss an die Feierlichkeiten zur Unterzeichnung der Gemeinsamen
Erklärung zur Rechtfertigungslehre in Augsburg begegneten sich
Verantwortliche von Bewegungen und Gemeinschaften aus dem evangelischen und
katholischen Raum. Unter ihnen waren: Friedrich Aschoff (Geistliche
Gemeinde-Erneuerung in der evangelischen Kirche), Chiara Lubich
(Fokolar-Bewegung), Helmut Nicklas (CVJM München), Gerhard Proß (CVJM
Esslingen und „Treffen von Verantwortlichen“), Andrea Riccardi (Gemeinschaft
Sant’Egidio).
Man erkannte, dass alle anwesenden Bewegungen und Gemeinschaften den gleichen Ursprung haben: Alle sind Werk des Heiligen Geistes.
In allen war der Wunsch, miteinander weiterzugehen. Doch "die Partitur wird im Himmel geschrieben": Im gemeinsamen Hören auf den Geist Gottes, so die gemeinsame Überzeugung, werde man verstehen, was zu tun ist.

Zum TvV im März 2000 wurde Chiara Lubich eingeladen. Die beiden Impulse - die Trennung der
Christen als Ursache des Atheismus (Prof. Ulrich Wilckens) und die Liebe untereinander als Weg zur Einheit (Chiara Lubich)
- führten zu einem prophetischen Ereignis: Stellvertretend für die eigenen Kirchen oder Bewegungen wurde Buße getan und
Vergebung gewährt. Es geschah auf diese Weise Versöhnung von Kirche zu Kirche, von Bewegung zu Bewegung. Um Vergebung bitten
und den anderen immer wieder aufs Neue vergeben ist eine wesentliche Voraussetzung für das Miteinandner.
li. n. re: 1. Reihe: Altbischof Dr. Ulrich Wilckens, Keith Warrington, Chiara Lubich, Gerhard Proß; 2. Reihe: Gottlob Heß, Friedrich Aschoff, Günther Rattey; 3. Reihe: Edith Wenger, Günter Refle, Sr. Anna-Maria aus der Wiesche, Wilhelm Bläsing (Christusbruderschaft Selbitz).

Um die Erfahrung des Miteinanders nicht nur Verantwortlichen zu ermöglichen sondern
auch den Mitgliedern der Bewegungen, kam es am 8. Dezember 2001 in München zur Veranstaltung "Miteinander - wie sonst".
Das Programm bestand aus zwei Teilen: am Vormittag mit etwa 800 Verantwortlichen in der evangelischen Bischofskirche St.
Matthäus und am Nachmittag im Münchener Dom mit über 5000 Mitgliedern und Freunden. Auf Anregung von Chiara Lubich, die
Helmut Nicklas und P. Michael Marmann aufgriffen, schlossen die Verantwortlichen ein Bündnis der gegenseitigen Liebe. Es
wurde zur Grundlage von allem, was sich später im Miteinander entwickelt hat.
In dieser gegenseitigen Liebe wurde bewusst, dass jede Bewegung ein Charisma, eine Gabe, von Gott empfangen hat. Darin sind alle Bewegungen gleich, unabhängig von ihrer Größe oder Ausbreitung.
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| Bündnis der gegenseitigen Liebe: (v. li. n. re.) Friedrich Aschoff, Frances Ruppert, Helmut Nicklas | 8.12.2001 im Münchener Dom | Chiara Lubich |

Um miteinander zu verstehen, welche konkreten Auswirkungen das geschlossene Bündnis haben könnte, trafen sich Vertreter von Gemeinschaften aus Deutschland und Italien in Rom: Frances Ruppert (Cursillo), Chiara Lubich (Fokolar-Bewegung), Friedrich Aschoff (GGE), Helmut Nicklas und Thomas Römer (CVJM München), Gerhard Proß (CVJM Esslingen und TvV), P. Heinrich Walter (Schönstatt), Andrea Riccardi (Sant'Egidio) und Salvatore Martinez (Rinnovamento dello Spirito Santo, Italien).
Bei dieser Begegnung entstand die Idee, im Jahr 2004 eine große Begegnung der Mitglieder von Bewegungen der verschiedenen Kirchen aus ganz Europa in Deutschland durchzuführen: "Miteinander für Europa".
Unabhängig davon war beim TvV die Überzeugung gereift, dass es jetzt darauf ankommt, das Volk Gottes zu sammeln. Dazu sollte einmal ein TvV geöffnet und ein großer Kongress veranstaltet werden. Beide Pläne fügte man zusammen.
| Der Trägerkreis beschließt am 1. Juni 2003 in Berlin, "Miteinander für Europa" am 8. Mai 2004 in Stuttgart durchzuführen. |
Am 6. und 7. Mai 2004 fand in Stuttgart der Kongress statt "Miteinander Reichtum entdecken und teilen". 2000 Mitglieder christlicher Bewegungen und Gemeinschaften haben teilgenommen. Mehr darüber in der Dokumentation Kongress.
Am Tag danach, am 8. Mai 2004, ereignete sich die erste Veranstaltung "Miteinander für Europa", zu der über 9000 Teilnehmer in die Hanns-Martin-Schleyer-Halle gekommen waren. Sie wurde über Satellit in die ganze Welt ausgestrahlt. In Parallelveranstaltungen haben weitere 100.000 Personen das Ereignis von Stuttgart mitverfolgt. Mehr darüber in der Dokumentation zum Europatag.
| Am 8. Mai 2004 schließen mehr als 170 Bewegungen und Gemeinschaften ein Bündnis der gegenseitigen Liebe gemäß Joh 13,34. | ![]() |