{"id":330582,"date":"2017-01-27T13:17:32","date_gmt":"2017-01-27T12:17:32","guid":{"rendered":"https:\/\/webdev.flars.net\/eine-perspektive-aus-frankreich\/"},"modified":"2017-01-27T13:17:32","modified_gmt":"2017-01-27T12:17:32","slug":"eine-perspektive-aus-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.together4europe.org\/de\/eine-perspektive-aus-frankreich\/","title":{"rendered":"Eine Perspektive aus Frankreich"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Eine franz\u00f6sische Sicht auf 60 Jahre \u00abR\u00f6mische Vertr\u00e4ge\u00bb<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Es ist so weit!\u00a0 Es sind zwar nicht alle da, aber zumindest 28 L\u00e4nder wollen den 60. Geburtstag der Europ\u00e4ischen Union feiern.<\/strong> Am 25. M\u00e4rz 1957 waren es erst sechs europ\u00e4ische Staaten, die \u00a0die \u00abR\u00f6mischen Vertr\u00e4ge\u00bb unterzeichneten und damit der Schaffung einer \u00abEurop\u00e4ischen Gemeinschaft\u00bb zustimmten; ab 1993 wurde diese dann zur \u00abEurop\u00e4ischen Union\u00bb. Unter diesen sechs Gr\u00fcndungs-L\u00e4ndern war mit grosser \u00dcberzeugung auch Frankreich. Die Idee von Jean Monnet, die bei Robert Schumann gutes Echo fand, \u00fcberzeugte die Franzosen, der grossen \u00abIdee Europa\u00bb zuzustimmen.<\/p>\n<p>Als Instrument des Friedens und der Stabilit\u00e4t war die \u00abIdee Europa\u00bb im Dienste der L\u00e4nder zum raschen und einfacheren Wiederaufbau des Kontinents gedacht. Seitens der damaligen und sp\u00e4teren F\u00fchrungskr\u00e4fte Frankreichs wurde Europa auch (vielleicht vor allem) als Sprungbrett zu gr\u00f6sserer, kontinentaler Macht und Einflussnahme gesehen. Die Liebe zum eigenen Vaterland, die Verteidigung der eigenen nationalen Werte und die Einflussnahme in der Welt haben das Handeln Frankreichs im europ\u00e4ischen Integrationsprozess charakterisiert. Wie schon General De Gaulle 1954 bemerkte: Die Souver\u00e4nit\u00e4t Frankreichs anzutasten war nicht Teil des \u00abeurop\u00e4ischen Vertrags\u00bb, und Frankreich hat bis heute daran festgehalten.<\/p>\n<p>Dennoch: die grossen franz\u00f6sischen Gr\u00fcnderv\u00e4ter, die Europa ebenso liebten wie Frankreich, haben w\u00fcrdige Nachfolger gefunden. Viele franz\u00f6sische Pr\u00e4sidenten, angefangen bei Val\u00e9ry Giscard d\u2019Estaing, haben sich weiterhin f\u00fcr die\u00a0 europ\u00e4ische Idee eingesetzt. Die hoffnungsvollen Ansagen der Gr\u00fcnderv\u00e4ter aufnehmend, hat uns D\u2019Estaing (wie auch Jacques Delors) von einer auch politischen Europ\u00e4ischen Union tr\u00e4umen lassen: eine Union der europ\u00e4ischen V\u00f6lker, geeint, aber im Respekt der unterschiedlichen Kulturen und Religionen.<\/p>\n<p>2005, beim Referendum \u00fcber die europ\u00e4ische Verfassung, haben die Franzosen daran erinnert, dass selbst wenn die Politik und die Regierenden vieles bewirken k\u00f6nnen,\u00a0 sie doch machtlos sind ohne die Zustimmung des Volkes. Im Referendum hat die Mehrheit der Franzosen n\u00e4mlich gegen die europ\u00e4ische Verfassung gestimmt. Die Erfahrung von 2005 zeigt sicher am deutlichsten die Haltung Frankreichs zur Europ\u00e4ischen Union. Eine immer wieder vernommene Aussage der Franzosen war: Selbst, wenn die Europ\u00e4ische Union notwendig ist, noch mehr Europa zu haben, \u00abw\u00e4re zu viel\u00bb. Warum zu viel? Weil sich die Franzosen, wie viele andere L\u00e4nder, davor f\u00fcrchten, in ein \u00fcbernationales Europa einverleibt zu werden, in dem es keine Unterschiede mehr gibt zwischen Franzosen und Italienern, und wo die Eigenart und Souver\u00e4nit\u00e4t jedes Landes in einem \u00abeurop\u00e4ischen Ganzen\u00bb verschwinden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wenn die Franzosen Europa heute akzeptieren, so deshalb, weil sie darin auch eine Wertzunahme f\u00fcr die eigene Identit\u00e4t und sozialwirtschaftlichen Ordnungen sehen k\u00f6nnen. <strong>Mehr noch, die Franzosen bejahen Europa, weil sie die Grundwerte teilen, die schon das Europa von 1957 pr\u00e4gten: die Solidarit\u00e4t, die Gemeinschaft, die Freiheit, der Friede und die Geschwisterlichkeit unter den V\u00f6lkern.<\/strong> <strong>Es sind diese mehrheitlich auch christliche Werte, welche die Franzosen in diesem Europa sehen. Ausgenommen die religi\u00f6sen Verwicklungen, f\u00fchlen sie sich verbunden mit den moralischen Grundwerten, die Europa immer noch pr\u00e4gen. <\/strong>Auch wenn auf das Bejahen dieser Werte nicht immer auch deren Umsetzung folgt \u2013 wie die aktuelle Fl\u00fcchtlings-Krise zeigt \u2013, bleibt doch die Tatsache, dass sich die Franzosen als konstituierender Teil dieser europ\u00e4ischen Realit\u00e4t f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Am 25. M\u00e4rz 2017 werden in Rom die 60 Jahre der \u00abR\u00f6mischen Vertr\u00e4ge\u00bb gefeiert. <strong>Das Jubil\u00e4um verdeutlich uns, dass dieses Europa noch jung ist!<\/strong> Die verschiedenen Anl\u00e4sse, Kongresse und der Marsch f\u00fcr Europa werden starke Momente sein. Nebst der Notwendigkeit der politischen Wiederbelebung wird auch Gelegenheit sein, an die christlichen Werte zu erinnern, die allen europ\u00e4ischen V\u00f6lkern gemeinsam sind. Diese Werte werden meiner Meinung nach die Grundlage f\u00fcr eine europ\u00e4ische Wiederbelebung darstellen, denn es sind heute die einzigen, die nicht Quelle von Angst sind, sondern von Einheit.<\/p>\n<p><img alt=\"\" alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11694 alignleft\" src=\"https:\/\/together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Marie-Trelat-299x284.jpg\" alt=\"\" width=\"272\" height=\"259\" srcset=\"https:\/\/www.together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Marie-Trelat-299x284.jpg 299w, https:\/\/www.together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Marie-Trelat-150x142.jpg 150w, https:\/\/www.together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Marie-Trelat-768x729.jpg 768w, https:\/\/www.together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Marie-Trelat-600x570.jpg 600w, https:\/\/www.together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Marie-Trelat.jpg 967w\" sizes=\"(max-width: 272px) 100vw, 272px\" \/><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Marie Tr\u00e9lat, Franz\u00f6sin, studiert Politikwissenschaften mit Schwerpunkt Europ\u00e4ische Union &#8211; insbesondere Zentral- und Osteuropa. Sie lebt derzeit in Rom (Projekt Erasmus) und besucht die Universit\u00e4t LUISS Guido Carli.\u00a0Sie ist Mitglied der Jungen Europ\u00e4ische F\u00f6deralisten (JEF)<em style=\"font-weight: 300;\">\u00a0in\u00a0<\/em>Rom und arbeitet dort im B\u00fcro f\u00fcr Internationale Beziehungen. F\u00fcnf Monate lang hat sie in der franz\u00f6sischen Redaktion des Radio Vatikan gearbeitet.<\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine franz\u00f6sische Sicht auf 60 Jahre \u00abR\u00f6mische Vertr\u00e4ge\u00bb Es ist so weit!\u00a0 Es sind zwar nicht alle da, aber zumindest 28 L\u00e4nder wollen den 60. Geburtstag der Europ\u00e4ischen Union feiern. Am 25. 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