{"id":330612,"date":"2017-03-23T11:24:39","date_gmt":"2017-03-23T10:24:39","guid":{"rendered":"https:\/\/webdev.flars.net\/die-charismen-und-europa\/"},"modified":"2017-03-23T11:24:39","modified_gmt":"2017-03-23T10:24:39","slug":"die-charismen-und-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.together4europe.org\/de\/die-charismen-und-europa\/","title":{"rendered":"Die Charismen und Europa"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Der Beitrag der Orden und religi\u00f6sen Institutionen zur Einheit Europas<\/strong><\/h3>\n<p>Europa hat schon zur Zeit des R\u00f6mischen Reiches eine gewisse Einheitsbestrebung erlebt. Diese war aber, durch die \u2018r\u00f6mischen Legionen\u2019 gewaltsam erzwungen, nicht von Dauer. Als das Reich zerfiel, fand sich Europa wieder zerteilt vor und die ethnischen und kulturellen Verschiedenheiten seiner V\u00f6lker, die ihre eigene Identit\u00e4t suchten, nahmen wieder \u00fcberhand. So zeigte sich Europa um das 5. Jahrhundert als ein Gemisch von unter einander rivalisierenden V\u00f6lkern.<\/p>\n<p>In dieser Phase der Zersplitterung und in den darauffolgenden Jahrhunderten traten aber auch immer wieder geistgef\u00fchrte M\u00e4nner und Frauen auf, die den europ\u00e4ischen V\u00f6lkern neue Ideale und hohe universale Werte brachten, die vor allem aus dem j\u00fcdisch-christlichen Erbe stammten. Es waren Werte und Ideale, die die europ\u00e4ischen V\u00f6lker dazu brachten, wieder miteinander in Dialog zu treten, ihre Reicht\u00fcmer zu teilen und so f\u00fcr den Kontinent ein neues, soziales und kulturelles Einheitsnetz zu flechten.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren beschrieb dies Kardinal Walter Kasper \u00a0bei einer Tagung folgenderma\u00dfen: \u00abHeilige wie Martin, Benedikt, Bonifatius, die Gebr\u00fcder Kiril und Methodius, Adalbert, Bernhard, Franziskus, Domenikus und viele andere mehr haben Europa geformt. Diese heiligen M\u00e4nner und unz\u00e4hligen heiligen Frauen sind der wertvolle Beitrag der Kirche zur Einheit und Identit\u00e4t Europas.\u00bb<\/p>\n<p>Es waren Menschen, die neue Spiritualit\u00e4ten, geistliche Bewegungen, religi\u00f6se Familien, kulturelle Zentren und soziale Werke inspirierten, durch welche in der Bev\u00f6lkerung Europas nach und nach eine auf gemeinsamen Werten aufbauende Identit\u00e4t wachsen konnte.<\/p>\n<p>Die erste grosse charismatische Familie gr\u00fcndete \u00a0<strong>Benedikt von Nursia<\/strong> (480-547) in Italien. \u00a0Um ihn herum wuchs, nach Afrika und dem Orient, nun auch im Abendland das M\u00f6nchstum: Das benediktinische Erbe, welches mit all seinen historischen Auspr\u00e4gungen einen entscheidenden Beitrag leistete zur Evangelisation des Kontinents und zur Entstehung der europ\u00e4ischen Kultur des Mittelalters. Es hat beigetragen zum Dialog zwischen den Werten der r\u00f6mischen Zivilisation, die es mit den j\u00fcdisch-christlichen verband, und den neuen sogenannten \u201eheidnischen\u201c Kulturen, die mit den V\u00f6lker aus Norden und Osten nach und nach auf dem europ\u00e4ischen Kontinent Fu\u00df fassten.<\/p>\n<p>Die Benediktiner schufen mit ihrer weitverzweigten Expansion und ihren grossen Abteien geistliche Zentren, die gleichzeitig auch kulturelle Zentren waren und den humanit\u00e4ren, sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt f\u00f6rderten, wobei sie sich besonders der Armen und Randgruppen annahmen.<\/p>\n<p>Im 9. Jahrhundert begannen in Osteuropa zwei griechische M\u00f6nche, die Gebr\u00fcder <strong>Kiril<\/strong> und <strong>Methodius<\/strong>, neben der Evangelisation der dortigen Bev\u00f6lkerung auch einen beachtlichen Prozess, den man als Fundament der Kultur der slawischen V\u00f6lker bezeichnen kann. Die beiden Br\u00fcder aus Saloniki (Griechenland), obwohl gepr\u00e4gt vom griechisch-r\u00f6mischen Abendland, schufen ein neues Alphabet und leisteten damit einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Kultur und der Literatur der slawischen V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Zwischen dem 11. und der ersten H\u00e4lfte des 12. Jahrhunderts traten weitere charismatische M\u00e4nner mit gro\u00dfem kulturellem Tiefgang auf. Unter diesen war <strong>Bernhard von Clairvaux<\/strong>, der vom benediktinischen Stamm des M\u00f6nchstums kommend mit dem Zisterzienserorden eine neue Bewegung gr\u00fcndete<\/p>\n<p>Das 13. Jahrhundert war dann die Bl\u00fctezeit weiterer charismatischer Bewegungen: die <strong>Bettelorden<\/strong>. Auch diese wurden von charismatischen M\u00e4nnern meist in einem nationalen Kontext begonnen, erlangten aber bald \u00fcbernationalen Charakter und verbreiteten sich \u00fcber den ganzen Kontinent und sp\u00e4ter auch weltweit.<\/p>\n<p>Besonders bekannt sind die dominikanische Bewegung, die auf den spanischen Gr\u00fcnder <strong>Domenico de Guzman<\/strong> (1170-1221) zur\u00fcckgeht, und in Italien die franziskanische Bewegung, von <strong>Franz von Assisi<\/strong> (1182-1226) gegr\u00fcndet. Es sind religi\u00f6se Bewegungen die, obwohl in tiefer Spiritualit\u00e4t verwurzelt, auch manche Bereiche der Kultur und des menschlichen Wissens beeinflusst haben. Sie entwickelten die Theologie, aber auch die Philosophie, die Literatur, die Wissenschaft, die Kunst. Damals und auch sp\u00e4ter gab es an allen europ\u00e4ischen Universit\u00e4ten Dozenten, die aus den Bettelorden hervorgegangen waren.<\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen des Humanismus und der Renaissance entstanden einzelne starke Staaten.\u00a0 Zu diesem Prozess trugen die erw\u00e4hnten charismatischen Bewegungen entscheiden bei, aber gleichzeitig kamen auch neue Charismen hinzu.<\/p>\n<p>Das 16. und 17. Jahrhundert erlebte das Aufkommen neuer religi\u00f6ser Familien. <strong>Ignatius von Loyola<\/strong> und die Jesuiten in Spanien. <strong>Theresa von Avila<\/strong>, <strong>Johannes vom Kreuz<\/strong> und die Karmeliter in Spanien, <strong>Johannes von Gott<\/strong> und die Barmherzigen Br\u00fcder, die sich der Kranken annahmen; In Frankreich <strong>Vinzenz von Paul<\/strong> und die Barmherzigen Schwestern; <strong>Franz von Sales<\/strong>, <strong>Johannes Baptist de la Salle<\/strong> f\u00fcr die Erziehung junger Menschen und Schulen, die allen zug\u00e4nglich waren; <strong>Philippus Neri<\/strong> und die Kongregation des Oratoriums, <strong>Hieronymus \u00c4miliani<\/strong>, <strong>Kajetan von Thiene<\/strong>, <strong>Kamil von Lellis<\/strong> mit den Spit\u00e4lern in Italien. In dieser Zeit vollzog sich auch innerhalb der Franziskaner eine Reform, aus welcher die <strong>Kapuziner<\/strong> hervorgingen. In Deutschland begann durch <strong>Martin Luther<\/strong> die grosse\u00a0\u00a0 Reformation.<\/p>\n<p>Viele andere Spiritualit\u00e4ten kamen auf und leisteten von ihren Anf\u00e4ngen an einen entscheidenden Beitrag zur kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Identit\u00e4t des modernen Europas. Jedes Charisma das hervorkam, hatte eine starke spirituelle Besonderheit, war aber auch ausgerichtet auf die Probleme, die Herausforderungen, die sozialen und menschlichen Bed\u00fcrfnisse Einzelner und der V\u00f6lker allgemein. Vielen Menschen in Europa erm\u00f6glichten diese Beitr\u00e4ge den Zugang zu Kultur, zu medizinischer Betreuung, zu Erwerbst\u00e4tigkeit und Wohnraum, zu einem menschenw\u00fcrdigen Leben unter Wahrung der Menschenrechte.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen wiederholte sich im 18. und 19. Jahrhundert. Trotz der Unterdr\u00fcckung der religi\u00f6sen Orden, zun\u00e4chst durch Napoleon und dann durch einige europ\u00e4ische Staaten, entstanden unz\u00e4hlige neue religi\u00f6se Institute und Familien. Man denke an <strong>Don <\/strong>(Johannes)<strong> Bosco,<\/strong> der im Turin (Italien) des 19. Jahrhunderts die Salesianer gr\u00fcndete, an <strong>Josef Benedikt Cottolengo<\/strong> und \u00a0<strong>Joseph Cafasso<\/strong>, die Turiner Sozialheiligen, die den Kranken und \u00c4rmsten beistanden, an den Beitrag des Bischofs <strong>John Henry Newman<\/strong> in England und viele andere.<\/p>\n<p>Im 20. Jahrhundert entstanden \u00a0in Europa neue religi\u00f6se Institutionen, wie jene von Don <strong>Giacomo Alberione<\/strong>, von Don<strong> Luigi Orione<\/strong>, von Mutter <strong>Theresa von Kalkutta<\/strong>, <strong>Edith Stein<\/strong> und <strong>Maximilian Kolbe. <\/strong>Daneben gab es vielf\u00e4ltige anderen Formen charismatischen Lebens, die sich als kirchliche <strong>Laienbewegungen<\/strong> weit verbreiteten. Alle haben eine eigene starke spirituelle Identit\u00e4t, befassen sich aber zugleich auch mit den dramatischen Herausforderungen der Moderne in unserem Kontinent.<\/p>\n<p>Ohne den einstigen Beitrag der religi\u00f6sen Orden und Institute und ohne den Reichtum der heutigen kirchlichen Bewegungen, die innerhalb der verschiedenen Konfessionen und christlichen Gemeinschaften entstanden sind, w\u00e4re Europa um einiges \u00e4rmer und zerbrechlicher.<\/p>\n<p>Obwohl in nationalen Kontexten entstanden, haben diese spirituellen und charismatischen Kr\u00e4fte von Anfang an \u00fcber die nationalen Grenzen hinaus gewirkt und somit einen starken Beitrag geleistet zur Schaffung eines geeinten, soliden, freien, geschwisterlichen und solidarischen Europa.<\/p>\n<p><em>von P. Egidio Canil, Sacro Convento der Franziskaner in Assisi, Italien\u00a0<img alt=\"\" alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12610 alignnone\" src=\"https:\/\/together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P.-Egidio-Canil-299x294.jpg\" alt=\"\" width=\"99\" height=\"97\" srcset=\"https:\/\/www.together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P.-Egidio-Canil-299x294.jpg 299w, https:\/\/www.together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P.-Egidio-Canil-150x147.jpg 150w, https:\/\/www.together4europe.org\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/P.-Egidio-Canil.jpg 494w\" sizes=\"(max-width: 99px) 100vw, 99px\" \/><\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beitrag der Orden und religi\u00f6sen Institutionen zur Einheit Europas Europa hat schon zur Zeit des R\u00f6mischen Reiches eine gewisse Einheitsbestrebung erlebt. Diese war aber, durch die \u2018r\u00f6mischen Legionen\u2019 gewaltsam erzwungen, nicht von Dauer. 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