{"id":330750,"date":"2018-04-04T17:05:27","date_gmt":"2018-04-04T15:05:27","guid":{"rendered":"https:\/\/webdev.flars.net\/die-grundsaetze-des-dialogs\/"},"modified":"2018-04-04T17:05:27","modified_gmt":"2018-04-04T15:05:27","slug":"die-grundsaetze-des-dialogs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.together4europe.org\/de\/die-grundsaetze-des-dialogs\/","title":{"rendered":"Die Grunds\u00e4tze des Dialogs"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Jes\u00fas Mor\u00e1n ist der Kopr\u00e4sident der Fokolar-Bewegung: Studienabschluss in Philosophie, Doktor der Theologie. Hier in 7 Punkten seine anregenden Gedanken um die \u201eSprache der Geschwisterlichkeit\u201c zu lernen.\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p><strong>1.<\/strong> Dialog ist immer pers\u00f6nliche Begegnung. Es geht nicht um Worte oder Gedanken, sondern darum, unser Sein zu schenken. Er ist nicht nur einfach Konversation, sondern etwas, das die Beteiligten im Tiefsten ber\u00fchrt. Rosenzweig sagte: \u201eIm echten Dialog geschieht wirklich etwas\u201c. Mit anderen Worten: Man kommt nicht ungeschoren aus einem echten Dialog, denn etwas ver\u00e4ndert sich in uns.<\/p>\n<p><strong>2.<\/strong> Dialog bedarf der Stille und des Zuh\u00f6rens. Die Stille ist grundlegend f\u00fcr ein klares Denken und Sprechen. Tiefe, geduldig in der Einsamkeit gepflegte Stille, die dann praktisch umgesetzt wird der Begegnung mit dem anderen, mit seinem Denken und Sprechen. Ein sch\u00f6nes indisches Sprichwort sagt: \u201eWenn du sprichst, vergewissere dich, dass deine Worte besser sind als dein Schweigen\u201c. Heute brauchst es mehr denn je \u2013 sagt Benedikt XV. \u00a0\u2013 \u201eein \u00d6kosystem, das Stille, Worte, Bilder und T\u00f6ne im Gleichgewicht h\u00e4lt\u201c. Wenn wir uns auf einen Dialog einlassen, brauchen wir die Stille, um die Worte nicht abzunutzen.<\/p>\n<p><strong>3.<\/strong> Im Dialog stellen wir uns selbst in Frage, unsere Sicht der Dinge, unsere Identit\u00e4t, auch die kulturelle. Wir m\u00fcssen uns eine \u201eoffene Identit\u00e4t\u201c aneignen, reif und zugleich gepr\u00e4gt von einem tiefen anthropologischen Axiom: \u201eWenn wir uns mit jemandem verstehen, erkenne ich auch besser, wer ich bin.\u201c Klaus Hemmerle hat es so ausgedr\u00fcckt: \u201eLass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen (\u2026) damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu \u00fcberliefern habe.&#8220;<\/p>\n<p><strong>4.<\/strong> Echter Dialog hat mit Wahrheit zu tun. Aber Vorsicht: Die Wahrheit ist eine relationale Wirklichkeit (nicht relative, was etwas anderes ist). Das bedeutet, dass die Wahrheit f\u00fcr alle die gleiche ist, aber jeder teilt mit den anderen die pers\u00f6nliche Partizipation und das Verst\u00e4ndnis dieser Wahrheit. Darum sind Unterschiede ein Geschenk, nicht eine Gefahr. Die \u201eGabe des Unterschiedlichkeit\u201c ist eine weitere S\u00e4ule der Dialogkultur.<\/p>\n<p><strong>5.<\/strong> Dialog ist eine Willenssache. Die Liebe zur Wahrheit f\u00fchrt mich dazu, sie zu suchen, sie zu wollen \u2013 und darum suche ich den Dialog. Oft denkt man, der Dialog sei eine Sache f\u00fcr Schwache. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Nur wer eine gro\u00dfe Willenskraft besitzt, setzt sich selbst dem Dialog aus. Hinter jeder dogmatischen und fundamentalistischen Haltung verbirgt sich Angst und Schw\u00e4che. Man muss sich vor jenen in Acht nehmen, die gew\u00f6hnlich auf lautes Schreien zur\u00fcckgreifen, hochtrabende Worte oder disqualifizierende Aussagen gebrauchen, um die eigene Meinung aufzuzwingen. Die rohe Gewalt, auch mit Worten, kann vielleicht siegen, aber nie \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p><strong>6.<\/strong> Dialog ist nur zwischen authentischen Menschen m\u00f6glich. Die Liebe, die Selbstlosigkeit und die Solidarit\u00e4t bereiten die Menschen zum Dialog vor, indem sie sie echt machen. Gandhi und Tagore hatten ganz unterschiedliche Auffassungen vom Erziehungssystem in einem unabh\u00e4ngigen Indien, aber dies hinderte ihre Freundschaft nicht. Papst Wojtyla und der italienische Pr\u00e4sident Pertini hatten lange Zeit ein tiefes Einvernehmen was das Schicksal der Menschheit betrifft, obwohl sie in fast entgegengesetzten Kategorien dachten.<\/p>\n<p><strong>7.<\/strong> Die Kultur des Dialogs kennt ein einziges Gesetz, das Gesetz der Gegenseitigkeit. Nun in ihm findet der Dialog Sinn und Legitimit\u00e4t. W\u00fcrden die Nationen mehr auf Dialog setzen als auf das m\u00f6rderische Schweigen der Rache oder auf Reichtum und Selbstbehauptung, w\u00fcrden wir in jenem Gl\u00fcck schwimmen, dessen wir uns heute berauben. Wenn die Religionen miteinander reden w\u00fcrden, um Gott zu ehren; wenn die Nationen sich respektieren w\u00fcrden und erkennen k\u00f6nnten, das der eigene Reichtum darin besteht, die anderen reich zu machen; wenn jeder einen \u201ekleinen pers\u00f6nlichen Weg\u201c des Neuen zur\u00fccklegen w\u00fcrde, k\u00f6nnten wir die Nacht des Terrors, in der wir uns befinden, hinter uns lassen. Welches sind die Hindernisse auf diesem kleinen Weg? Das Urteilen, das Verurteilen und der intellektuelle Hochmut.<\/p>\n<p>Die Arbeit, die es zu tun gilt, ist handwerklicher Art, denn sie verlangt einen Einsatz ohne Zerstreuungen und Kompromisse. Aber sie ist kulturell reicher als ein Beruf. Sie ist eine m\u00fchsame und schonungslose T\u00e4tigkeit. Aber die Barmherzigkeit rettet uns.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jes\u00fas Mor\u00e1n ist der Kopr\u00e4sident der Fokolar-Bewegung: Studienabschluss in Philosophie, Doktor der Theologie. Hier in 7 Punkten seine anregenden Gedanken um die \u201eSprache der Geschwisterlichkeit\u201c zu lernen.\u00a0 1. Dialog ist immer pers\u00f6nliche Begegnung. Es geht nicht um Worte oder Gedanken, sondern darum, unser Sein zu schenken. 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