Sich in die weltweiten Herausforderungen einbringen

von | Juli 8, 2019

Anlässlich der Wahl von David-Maria Sassoli zum Präsidenten des Europäischen Parlaments, hier ein Auszug aus dem Interview vom 24. März 2017, Vorabend des 60. Jahrestages der  «Römischen Verträge». Herr Sassoli hatte an der von Miteinander für Europa organisierten ökumenischen internationalen Gebetsfeier teilgenommen. Bericht der Journalistin Claudia Di Lorenzi „Der Welt zu zeigen, dass Geschwisterlichkeit und […]

Anlässlich der Wahl von David-Maria Sassoli zum Präsidenten des Europäischen Parlaments, hier ein Auszug aus dem Interview vom 24. März 2017, Vorabend des 60. Jahrestages der  «Römischen Verträge». Herr Sassoli hatte an der von Miteinander für Europa organisierten ökumenischen internationalen Gebetsfeier teilgenommen.

Bericht der Journalistin Claudia Di Lorenzi

„Der Welt zu zeigen, dass Geschwisterlichkeit und Einheit trotz kultureller und konfessioneller Unterschiede möglich sind.“ Mit diesem Ziel vor Augen fand in Rom, in der Basilika der XII. Apostel, eine ökumenische Gebetsfeier für Europa>> statt. Es war eine Gelegenheit, bei der Mitglieder des internationalen MfE-Netzwerks mit Vertretern italienischer und europäischer Institutionen zusammenkamen. An 56 weiteren europäischen Orten gab es ähnliche Initiativen.

Unter den Anwesenden der Veranstaltung in Rom war auch David-Maria Sassoli, Italienischer Europaparlamentarier der Demokratischen Partei. Wir haben ihn befragt:

Herr Sassoli, am Vorabend des 60. Jahrestages der «Römischen Verträge», die kennzeichnend für die Geburtsstunde der Europäischen Union sind, beobachtet man vielerorts, dass Europa seine christlichen Wurzeln verloren hat. Es ist konzentriert auf die Finanzen, die Bürokratie und die nationalen Interessen und erscheint unfähig zu Solidarität, Gastfreundschaft und zu einem Entwicklungsprojekt, das auf den Menschen ausgerichtet ist. Was sagen Sie dazu?

„Vor allem müssen sich die Christen mehr zu Wort melden und es braucht in der christlichen Welt ein Netzwerk, das Zeugnis für andere gibt. Denn es gibt Werte wie den Frieden, die Koexistenz, die Solidarität, die Gerechtigkeit, die durchaus christliche Prägung haben, aber  die sich heute auch nicht-christliche Bürger als Paradigma für ihren politischen, kulturellen und moralischen Einsatz zu eigen gemacht haben. Es sind diese Elemente, die die europäische Identität ausmachen: Darüber müssten die Christen froh und dankbar sein, denn in der europäischen Identität finden sich jene Werte wieder, die auch dem christlichen Weltbild eigen sind. Doch in diesem Moment sind wir gefordert, dies unseren Mitbürgern gut zu erklären, denn Europa macht heute Angst, bereitet Sorge, wird als Last empfunden; stattdessen müssten wir in der Einheit der Europäer jenen Wert erkennen, der es uns ermöglicht, der großen Herausforderung unseres Jahrhunderts gewachsen zu sein: die Gestaltung des globalen Marktes. Globalisierung ohne Regeln führt zu Ausgrenzung, Armut, Elend und kann sich für große Teile des Planeten katastrophal auswirken. Die große Herausforderung an Europa ist es, der Welt diese Regeln und Werte zu geben. Denn die Regeln dieses Marktes ohne Schutz der Menschenrechte, ohne Freiheit und Demokratie, wären reine Wirtschaftsgesetze, die vor allem den Starken dienen – und das wollen wir nicht. Also sind wir aufgerufen, die christlichen Werte, die schon am Ursprung der europäischen Identität standen, heute auch in die weltweiten Herausforderungen einzubringen.“

Hier geht’s zum vollständigen Interview>>

Foto: ©Thomas Klann

 

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