Europa und die Aufgabe, die Vielfalt zusammenzuhalten

Europa und die Aufgabe, die Vielfalt zusammenzuhalten

Den Europatag feiern…

und dabei über die Identität der Europäischen Union und den Sinn der Entwicklung einer europäischen Bürgerschaft nachdenken. Dies ist der Vorschlag des ökumenischen Netzwerks Miteinander für Europa, das am Samstag, dem 9. Mai, die Veranstaltung „Ein Licht für Europa in der globalen Dämmerung“ im Teatro Rossini veranstaltet hat. Zu den Protagonisten zählten junge Menschen sowie Vertreter aus Wissenschaft und Politik. Sie waren dazu aufgerufen, gemeinsam über die Grundwerte der EU im aktuellen globalen Kontext nachzudenken. Eine „Dämmerung“, da diese Zeit von Konflikten und Krisen geprägt ist.

Die Diskussion wurde…

– mit musikalischen Live-Einlagen –  von sechs jungen Leuten der Gruppe „Ut Omnes“ geleitet, die von einigen Studenten der Lumsa-Universität gegründet wurde und sich mittlerweile auf andere Hochschulen ausgeweitet hat. In den nächsten Tagen werden diese jungen Leute im Europäischen Parlament sein, um sich mit den Abgeordneten auszutauschen und einen „Pakt zwischen den Generationen“ zu unterzeichnen. Im Mittelpunkt der Debatte stand das Thema der europäischen Bürgerschaft, das sich nicht nur auf die institutionelle Dimension beschränkt. Wie Mattia Federici in seinem Beitrag betonte, hat die EU in den letzten Jahrzehnten zwar ein „außergewöhnliches Erbe“ in wirtschaftlicher, rechtlicher und institutioneller Hinsicht aufgebaut, es jedoch nicht geschafft, bei den Bürgern ein echtes Gefühl der Zusammengehörigkeit zu verankern. Die europäische Bürgerschaft existiere, so bemerkte er, „nur in den Verträgen und in den Stimmrechten“.

Daraus ergibt sich der Vorschlag

das europäische Projekt durch ein neues Narrativ wiederzubeleben und in politische Bildung sowie eine stärkere Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen zu investieren. Doch dies reicht nicht aus, wie Alessandra Arcidiacono, eine der an der Debatte teilnehmenden Jugendlichen, betonte: „Staatsbürgerschaft besteht aus Gesetzen, Kulturen, Sprachen und Traditionen, doch was alles zusammenhält, muss die Seele sein.“ Eine Seele, die in den neuen Generationen bereits vorhanden ist. „Die jungen Menschen leben Europa bereits, noch bevor sie es definieren“, bemerkte sie und fügte hinzu: „Für sie ist Europa nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt.“

Pasquale Ferrara, Botschafter und ehemaliger Politischer Direktor des Außenministeriums

lieferte eine geopolitische Interpretation des aktuellen historischen Moments. Er rief die Anwesenden dazu auf, die ursprüngliche Bestimmung Europas als Raum des Dialogs und des Zusammenlebens wiederzuentdecken. Ausgehend von einer Kritik jeder „geschlossenen“ Auffassung der europäischen Identität – Staatsbürgerschaft könne nicht ausschließlich auf Blutsverwandtschaft oder Abstammung beruhen – und unter Berufung auf den Juristen Luigi Ferrajoli und dessen Idee einer „Verfassung für die Erde“ betonte Ferrara die Notwendigkeit einer europäischen Staatsbürgerschaft, die in eine umfassendere Perspektive der universellen Staatsbürgerschaft eingebettet ist.
Dieses Ziel sei erreichbar, wenn man das Bild der „Wurzeln“ hinter sich lasse und stattdessen das des „Flusses“ annähme: eine Identität, die sich verändert, wächst und wandelt, ohne dabei ihre Kontinuität zu verlieren. Diese Metapher beschreibt für den Diplomaten die Natur Europas gut, das dazu berufen ist, die Vielfalt zusammenzuhalten. Schließlich hat Europa „der Welt gelehrt, dass Konflikte durch Recht und politischen Dialog bewältigt werden können“. In einem von der Rückkehr der Waffengewalt geprägten Szenario sollte sich der „Alte Kontinent“ deshalb als „sanfte Kraft“ profilieren, die in der Lage ist, zu regieren, ohne der Logik der Gewalt nachzugeben.

Mit einem ökumenischen Gebet

in der Basilika Santa Maria sopra Minerva, das von Mons. Marco Gnavi, dem Beauftragten für Ökumene, interreligiösen Dialog und neue Glaubensgemeinschaften der Diözese Rom, eröffnet wurde, ging der lange Nachmittag zu Ende. Der feierliche Moment war geprägt von Friedensgebeten, die von Vertreter*innen der lutherischen, anglikanischen, presbyterianischen, methodistischen, evangelischen, orthodoxen und katholischen Kirche vorgetragen wurden.

Miteinander für Europa im Europäischen Parlament

Miteinander für Europa im Europäischen Parlament

Das Anliegen der Jugendlichen

Das Anliegen der jungen Menschen ist es, die europäischen Entscheidungsträger dazu anzuregen, Gesetze und politische Maßnahmen zu erarbeiten, die zwischenmenschlichen Beziehungen, dem sozialen Zusammenhalt und dauerhaftem Frieden Vorrang einräumen. Im Wesentlichen zielt die Initiative darauf ab, dem politischen Diskurs eine „Seele“ zu verleihen und sicherzustellen, dass die legislative Zukunft Europas auf Werten basiert, die verbinden statt trennen.

Grundwerte konkretisieren

In einem globalen Kontext, der zunehmend von Konflikten und Instabilität geprägt ist, halten die Organisatoren den aktuellen Zeitpunkt für entscheidend. Sie sind der Ansicht, dass Europa, um den Krisen der heutigen Zeit zu begegnen, zu seinen christlichen Wurzeln zurückfinden muss – insbesondere zu den Grundwerten der Vergebung und der Zusammenarbeit. Für die jüngeren Generationen sind dies nicht nur abstrakte Konzepte, sondern unverzichtbare praktische Mittel, um in einer unsicheren Welt die Harmonie zwischen verschiedenen Gruppen zu fördern.

Das Programm und der Pakt zwischen den Generationen

Auf dem Programm stehen Erfahrungsaustausch, ein Dialog über die internationale Ordnung sowie Beiträge zu einigen der entscheidenden Fragen unserer Zeit. Es wird ein Pakt zwischen den Generationen (hier klicken >>), vorgestellt, der eine verbindliche Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Altersgruppen vorsieht. An den Diskussionen über die Vision der europäischen Einheit werden unter anderem Vertreter verschiedener politischer Parteien teilnehmen.

Für alle, die die Veranstaltung online mitverfolgen möchten, sind nachfolgend die Details aufgeführt (bitte Zeitverschiebung berücksichtigen. In Brüssel läuft der Live-Stream von 10.00 bis 13.00 Uhr).

Der Live-Stream

Link zum Live-Stream: https://europeanparliament.webex.com/europeanparliament/j.php?MTID=m43e387667be156c2cc61f55327ad53d2

Meeting number: 2743 611 3870

Password: CbkDY72W8JB (22539729 when dialing from a phone)

Eine Gebetsnovene für Europa

Eine Gebetsnovene für Europa

Tägliches Gebet auf dem Weg zum 9. Mai 

Miteinander für Europa ist aus der Begegnung christlicher Gemeinschaften und Bewegungen entstanden. Trotz ihrer Verschiedenheit und der ihrer Kirchen spüren sie eine gemeinsame Aufgabe: die Geschwisterlichkeit als Berufung des Kontinents zu bezeugen. Diese Novene fügt sich bestens in diesen Weg ein. Es ist ein einfaches, gemeinsames Gebet, das uns Schritt für Schritt auf den 9. Mai, den Europatag, hinführt. Damit wollen wir gemeinsam den Kontinent Gott anvertrauen und unser starkes Engagement für Frieden, Einheit und Versöhnung erneuern. Der Text wurde von Sr. Nicole Grochowina und Matthias Buehlmann verfasst.

Die Form der Novene knüpft an die älteste christliche Tradition an und lädt dazu ein, innezuhalten und dem Wirken des Heiligen Geistes Raum zu geben. In einer Zeit, die von Zersplitterung und Konflikten geprägt ist, ruft sie zu einem neuen Aufbruch der Hoffnung für Europa auf.

Ein einziges Gebet – neun Perspektiven

Jeder Tag wird von derselben Anrufung geprägt: Wir bitten Gott um Augen, die sehen, Ohren, die hören, Herzen, die empfangen, Füße, die gehen, Hände, die wirken, und Münder, die die Hoffnung auf sein Reich verkünden. Dieses wiederholte Gebet wird zu einer Schule des Lebens und stellt jeden Tag einen konkreten Aspekt des christlichen Zeugnisses in den Mittelpunkt: den Blick, der die Schönheit erkennt, das aufrichtige Zuhören, das Herz, das offen ist für Veränderungen, den Weg auf den anderen zu, den Dienst der Hände, den Mut zur Verkündigung.

Einheit in Vielfalt – ein gemeinsamer Weg

Der rote Faden der Novene ist klar: Europa braucht eine Seele. Eine Seele, die vom Evangelium genährt wird und in der Lage ist, Einheit und Vielfalt, Erinnerung und Zukunft miteinander zu verbinden. Diese Novene zu beten bedeutet, sich persönlich miteinbeziehen zu lassen und das Gebet in alltägliche Entscheidungen und konkrete Taten umzusetzen.

Es geht nicht nur um einen Text zum Lesen, sondern um einen gemeinsamen Weg, der das „Ja“ zum neuen Gebot Jesu erneuert: einander zu lieben. Aus dieser Liebe entsteht eine glaubwürdige Hoffnung, die Europa wieder ein Gesicht und eine Seele geben kann.

GEBETSNOVENE HERUNTERLADEN  >>

Aufruf zum Frieden – Pasqua Together

Aufruf zum Frieden – Pasqua Together

Christus ist auferstanden, der Friede sei unter allen!

In dieser Osterzeit veröffentlichen wir einen eindringlichen Appell mit der Anregung an alle Christen, sich im Gebet für das Geschenk des Friedens zu vereinen!

Den Aufruf zum Frieden herunterladen >>  

Dieser Aufruf wurde von der Gruppe „Pasqua Together“ verfasst, die wir als Netzwerk Miteinander für Europa unterstützen.

Dies ist auch eine Gelegenheit, unseren orthodoxen Freunden, die am 12. April Ostern feiern, ein gesegnetes Fest der Auferstehung des Herrn zu wünschen.

Sternstunden der Einheit

Sternstunden der Einheit

Vor fünfundzwanzig Jahren geschah etwas, das viele für unmöglich hielten: Christinnen und Christen aus verschiedenen Konfessionen, Bewegungen und Gemeinschaften begannen gemeinsam, auf den Ruf Gottes zur Einheit zu hören. Aus diesen ersten Begegnungen entstand das ökumenische Netzwerk Miteinander für Europa, das heute zahlreiche und vielfältige Bewegungen und Gemeinschaften in ganz Europa vereint.

Das Buch „Sternstunden der Einheit“ von Gerhard Proß und Lothar Penners zeichnet diese Geschichte der Versöhnung und geistlichen Entwicklung nach und bietet zahlreiche persönliche Zeugnisse über den gemeinsam zurückgelegten Weg.

Es handelt sich nicht um eine einfache Chronik, sondern um eine Einladung zu erkennen, wie der Glaube Grenzen überschreiten und Brücken bauen kann, nicht nur zwischen den Kirchen, sondern auch in der Gesellschaft.

Das Buch fasst Erfahrungen, Denkanstöße und Vorträge aus 25 Jahren gemeinsamen Weges zusammen und lädt dazu ein, in einer Zeit der Spaltungen eine „Kultur des Miteinanders“ zu pflegen, die auf gegenseitiger Liebe und der Kraft des Evangeliums beruht.

Das Buch wird im November 2025 erscheinen, vorerst nur in deutscher Sprache.

Für weitere Informationen hier klicken >>

Hier geht es zur Vorstellung des Buches auf der Webseite der Schönstatt-Beweung: hier klicken >>