Glasgow: Versöhnung und Hoffnung

Glasgow: Versöhnung und Hoffnung

Gemeinsamer Funke

Thomas erinnerte daran, dass die beiden Bewegungen – die Fokolar-Bewegung und der CVJM – einen gemeinsamen Ursprung haben. Der inspirierende Funke, aus dem beide Bewegungen hervorgegangen sind, ist nämlich das Gebet Jesu um die Einheit (Johannes 17,21). Anschließend zeichnete er die wichtigsten Etappen der Geschichte von Miteinander für Europa auf. Besonders erinnerte er an das Treffen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am 8. Dezember 2001: Nach den Beiträgen von Chiara Lubich und des evangelischen Bischofs Ulrich Wilckens über den gekreuzigten und verlassenen Jesus, wurde ein Pakt der gegenseitigen Liebe geschlossen. Dieser Pakt wird von den Mitgliedern des Trägerkreises jedes Jahr erneuert und bildet die Grundlage von Miteinander für Europa.

Verschiedene Charismen in Einheit

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in familiärer Atmosphäre waren die rund 20 Teilnehmenden aus drei christlichen Konfessionen – der Kirche von Schottland, der Schottischen Episkopalkirche und der Katholischen Kirche – tief bewegt von den Geschichten der Versöhnung und Vergebung, die Thomas erzählte. Besonders beeindruckte sie seine Erfahrung, Jesus im „Anderen“, im Menschen, der anders ist als ich, zu begegnen. „Wenn Kirchen und Gemeinschaften zusammenkommen, erfahren sie die Gegenwart Jesu in ihrer Mitte. Es ist die Erfahrung Gottes, der sein Volk sammelt und verbindet. Verschiedene Charismen finden zur Einheit, und es entsteht ein Austausch von geistlichem Reichtum. Denn Gott hat jeder Gemeinschaft besondere Gaben anvertraut, die gerade im Miteinander ihre volle Kraft entfalten“.

Einige von uns berichteten von persönlichen Erfahrungen aus ihrem langjährigen Engagement in lokalen ökumenischen Netzwerken. Dabei fanden sie vieles von dem wieder, was Miteinander für Europa in den „Fünf Schlüsseln“ zum Weg der Einheit beschreibt: Jesus im Mittelpunkt; der Bund der gegenseitigen Liebe; das Wort Gottes, das gehört und gelebt werden will; die Versöhnung, die alle Grenzen überwindet; und eine neue Haltung gegenüber den anderen, wenn wir die gegenseitigen Gaben und Reichtümer entdecken und miteinander teilen.

Bilder, die für sich sprechen

Besonders eindrucksvoll begleiteten uns zwei Bilder: ein byzantinisches Mosaik aus der historischen Hagia Sophia in Istanbul, auf dem sich Johannes der Täufer und Maria, zu beiden Seiten Jesu, vor ihm verneigen und sich dadurch zugleich voreinander verneigen. „Das zeigt, was geschieht, wenn wir dem Gebot Jesu folgen: Wir wenden uns Jesus Christus zu und dadurch auch einander.“ Ein weiteres Bild war ein Gemälde von Hanna, der Ehefrau von Thomas. Es zeigt das Gesicht Jesu, leidend und zugleich voller Frieden, als wolle es sagen: „Ich bin hier. Ich war immer hier und werde immer hier sein.“ Vor einem tiefblauen Hintergrund ist Europa von lebendigen Linien durchzogen, die Netzwerke bilden. Diese sind durch feine goldene Fäden miteinander verbunden, die alle zu Jesus führen.

Fussballspiel

Hoffnung ist wohl das Wort, das diesen gemeinsamen Nachmittag am treffendsten zusammenfasst. Die Beziehungen unter den Teilnehmenden haben sich vertieft, und die gegenseitige Liebe ist spürbar gewachsen. Das schenkte neuen Mut, den Weg zur Einheit weiterhin entschlossen zu gehen.

„Heute habe ich nach dem Fußballspiel während einer Zugfahrt verbale Gewalt mit sektiererischem Hintergrund erlebt“, erzählte uns jemand am darauffolgenden Tag. „Wenn Thomas nicht alle dazu ermutigt hätte, sich für die Überwindung des Sektierertums einzusetzen, das oft mit der Spaltung zwischen Fußballmannschaften verbunden ist, hätte ich nicht den Mut gehabt, diesem Mann ruhig zu antworten, zumal sich Kinder in unserem Waggon befanden. Dank dessen, was Thomas gesagt hat, habe ich begonnen zu vergeben und alles Gott anzuvertrauen. So trage ich nicht 500 Jahre Hass und Vorurteile in meinem Herzen.“

Claudia Melis, Jacqueline Thomson

Metz: Europa für den Frieden

Metz: Europa für den Frieden

Die ansteckende Freude und die besondere Atmosphäre in der Stadt haben unser Nationalkomitée von Miteinander für Europa neu inspiriert und enger zusammengeschweißt. Als Christin hat mich dieser Tag ermutigt, noch überzeugter für unsere Werte einzustehen.

Einheit in Vielfalt

Die Rede des Papstes “An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit“ fand direkt nach einem Treffen mit Vertretern aller religiösen Traditionen Frankreichs statt. Es wurde spürbar: Alle Gläubigen blicken gemeinsam auf ein Europa, das seinen vielfältigen Wurzeln treu bleibt und sich aktiv für den Frieden einsetzt.

Der Papst betonte dabei das Prinzip des „Sowohl-als-auch“: Europa ist durch den Dialog entstanden. Es soll sich seiner christlichen Identität rückbesinnen, aber ebenso die griechischen, römischen, germanischen, slawischen, jüdischen und muslimischen Einflüsse anerkennen.

Bereitschaft zum Dialog

Der für unsere Arbeit zentralste Satz der Papstrede lautet:
„Im heutigen multikulturellen Kontext erfordert die Bekräftigung der Universalität der Werte – die für Europas Fortbestehen unerlässlich ist – sowohl eine Wiederentdeckung ihrer Wurzeln als auch die Bereitschaft zum Dialog mit dem Anderen.“

Miteinander für den Frieden

Beim anschließenden Empfang durften wir inspirierende Begegnungen erleben – darunter mit einem koptisch-orthodoxen Priester, der seine Begeisterung über dieses historische Treffen teilte. Zuvor hatten die Religionsführer bereits in unserer Gegenwart einen gemeinsamen Appell für den Frieden unterzeichnet.

Für unser Nationalkomitee war dieser Tag die ideale Einstimmung und Vorbereitung auf unser anstehendes Würzburger Treffen (29.-31.10.2026) unter dem Motto „Berufen zum Frieden“.

Salomé Vischer

Europa – gemeinsame Heimat

Europa – gemeinsame Heimat

Europa, unsere Wahl

Die Gruppe Ut Omnes* nahm an der Veranstaltung „SOTEU 2026 – Europa, unsere Wahl“ an der römischen LUMSA-Universität teil. Nach einer Einführung durch Professor Alberto Lo Presti verfolgten die Teilnehmenden die Übertragung der Rede der Präsidentin der Europäischen Kommission.

Von der Leyen stellte die Sicherheit Europas und den Schutz seiner Grenzen an den Beginn ihrer Rede und zitierte den Schriftsteller Charles Dickens: „Es war die beste Zeit, es war die schlimmste Zeit.“ Dieses Spannungsfeld, so ihre Botschaft, präge die Europäische Union heute: eine Gemeinschaft mit großen Erfolgen und Chancen, zugleich aber auch mit Herausforderungen und Bedrohungen von außen.

 

Bedeutende Gäste

Beim SOTEU waren symbolträchtige Persönlichkeiten zu Gast: der kanadische Premierminister Mark Carney; die Familie des dänischen Piloten Rune Kyndal, der bei der Bekämpfung von Waldbränden in Europa ums Leben kam; Sasha Paskal, eine sehr junge ukrainische Turnerin, die durch einen russischen Raketenangriff verstümmelt wurde und heute als Symbol der Widerstandskraft gilt; sowie die Gründer eines Technologie-Start-ups, die Polin Rafa und der Finne Pekka, herausragende Vertreter im Bereich der künstlichen Intelligenz.

Die Präsidentin überraschte das Publikum mit dem historischen Vorschlag, Kanada zum ersten „assoziierten Mitglied“ der Europäischen Union zu machen. Diese Initiative erinnert an die ökumenischen Werte der Zusammenarbeit, die von Ut Omnes und dem Netzwerk Miteinander für Europa unterstützt werden. Ein weiterer Schwerpunkt war der Schutz von Minderjährigen im Internet. In diesem Zusammenhang erinnerte sie an die vierzehnjährige Belgierin Oléa, die Opfer von Cybermobbing wurde. Um solchen Tragödien entgegenzuwirken, wurde der „EU Kids Act“ angekündigt, ein Gesetzespaket zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum.

Im Anschluss eröffneten die Mitglieder von Ut Omnes die Diskussion. Der italienische Europaabgeordnete Marco Tarquinio, der in Straßburg aufgehalten wurde, richtete eine Videobotschaft an die Teilnehmenden, in der er insbesondere auf die Themen Migration und Grenzen einging. Zum Thema Solidarität griff Ut Omnes ein Wort des Apostels Paulus auf („Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“), um die Verantwortung jedes Einzelnen hervorzuheben, zum Wohl der Gesellschaft beizutragen.

 

Vaterland der Vaterländer

In der Diskussion wurde deutlich, dass äußere Kräfte versuchen, die Europäische Union zu spalten, indem sie Nationalismen fördern, die die Völker eher schwächen als schützen. Europa wurde als ein „Vaterland der Vaterländer“ bezeichnet – ein zugleich starkes und verletzliches Symbol. Die Union und den Sinn für Freiheit zu verteidigen, ist eine globale Herausforderung, die jede Bürgerin und jeden Bürger betrifft, unabhängig von Alter oder Geschlecht.

Nach einem bearbeiteten Text von Livio Tetamo Zamparini, Jugendlicher der Gruppe Ut Omnes.

 

* Ut Omnes ist eine Gruppe junger Menschen, die sich für die Einheit Europas engagiert und innerhalb des Netzwerks Miteinander für Europa tätig ist.

Brüssel 2026: Multimedia-Beiträge

Brüssel 2026: Multimedia-Beiträge

„Ich bete, dass sich der Geist des Dialogs, den wir in Brüssel erlebt haben, in der ganzen Welt verbreitet.“ Mit diesen Worten bringt Luca aus Rumänien jenes „Besondere, etwas Großes“ zum Ausdruck, das die Herzen der Teilnehmenden an den Veranstaltungen von Miteinander für Europa vom 11. bis 13. Mai 2026 in Brüssel tief berührt hat.

Wir sammeln und stellen die verschiedenen Materialien dieser intensiven Tage zur Verfügung, von denen der Vormittag im Europäischen Parlament nur einen Teil darstellte.

Das reichhaltige Programm des Nachmittags am Vortag gliederte sich in verschiedene Workshops und endete mit einer ökumenischen Feier in der Chapelle de l’Europe (Europa-Kapelle), an deren Außenwand zu lesen ist: „Europa hat eine Seele“.

Die Feier wurde von örtlichen Gruppe von Miteinander für Europa organisiert und begann mit dem Lied: „We Choose Peace“ (Entscheiden wir uns für den Frieden). Es waren Tage, an denen der Frieden wirklich gewählt und aktiv gestaltet wurde. Beim Abschied hörte man hier und dort:

„Das Europa von morgen ist bereits auf dem Weg. Und es hat das Gesicht dieser jungen Menschen.“

Weiterführende Materialien

Hier einige Links, durch die man Momente der Veranstaltung vertiefen kann:

Wir werden bald wieder auf dieses Thema zurückkommen und weitere während des Treffens im Europäischen Parlament gehaltene Redebeiträge veröffentlichen.

Europa und die Aufgabe, die Vielfalt zusammenzuhalten

Europa und die Aufgabe, die Vielfalt zusammenzuhalten

Den Europatag feiern…

und dabei über die Identität der Europäischen Union und den Sinn der Entwicklung einer europäischen Bürgerschaft nachdenken. Dies ist der Vorschlag des ökumenischen Netzwerks Miteinander für Europa, das am Samstag, dem 9. Mai, die Veranstaltung „Ein Licht für Europa in der globalen Dämmerung“ im Teatro Rossini veranstaltet hat. Zu den Protagonisten zählten junge Menschen sowie Vertreter aus Wissenschaft und Politik. Sie waren dazu aufgerufen, gemeinsam über die Grundwerte der EU im aktuellen globalen Kontext nachzudenken. Eine „Dämmerung“, da diese Zeit von Konflikten und Krisen geprägt ist.

Die Diskussion wurde…

– mit musikalischen Live-Einlagen –  von sechs jungen Leuten der Gruppe „Ut Omnes“ geleitet, die von einigen Studenten der Lumsa-Universität gegründet wurde und sich mittlerweile auf andere Hochschulen ausgeweitet hat. In den nächsten Tagen werden diese jungen Leute im Europäischen Parlament sein, um sich mit den Abgeordneten auszutauschen und einen „Pakt zwischen den Generationen“ zu unterzeichnen. Im Mittelpunkt der Debatte stand das Thema der europäischen Bürgerschaft, das sich nicht nur auf die institutionelle Dimension beschränkt. Wie Mattia Federici in seinem Beitrag betonte, hat die EU in den letzten Jahrzehnten zwar ein „außergewöhnliches Erbe“ in wirtschaftlicher, rechtlicher und institutioneller Hinsicht aufgebaut, es jedoch nicht geschafft, bei den Bürgern ein echtes Gefühl der Zusammengehörigkeit zu verankern. Die europäische Bürgerschaft existiere, so bemerkte er, „nur in den Verträgen und in den Stimmrechten“.

Daraus ergibt sich der Vorschlag…

das europäische Projekt durch ein neues Narrativ wiederzubeleben und in politische Bildung sowie eine stärkere Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen zu investieren. Doch dies reicht nicht aus, wie Alessandra Arcidiacono, eine der an der Debatte teilnehmenden Jugendlichen, betonte: „Staatsbürgerschaft besteht aus Gesetzen, Kulturen, Sprachen und Traditionen, doch was alles zusammenhält, muss die Seele sein.“ Eine Seele, die in den neuen Generationen bereits vorhanden ist. „Die jungen Menschen leben Europa bereits, noch bevor sie es definieren“, bemerkte sie und fügte hinzu: „Für sie ist Europa nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt.“

Pasquale Ferrara, Botschafter und ehemaliger Politischer Direktor des Außenministeriums…

lieferte eine geopolitische Interpretation des aktuellen historischen Moments. Er rief die Anwesenden dazu auf, die ursprüngliche Bestimmung Europas als Raum des Dialogs und des Zusammenlebens wiederzuentdecken. Ausgehend von einer Kritik jeder „geschlossenen“ Auffassung der europäischen Identität – Staatsbürgerschaft könne nicht ausschließlich auf Blutsverwandtschaft oder Abstammung beruhen – und unter Berufung auf den Juristen Luigi Ferrajoli und dessen Idee einer „Verfassung für die Erde“ betonte Ferrara die Notwendigkeit einer europäischen Staatsbürgerschaft, die in eine umfassendere Perspektive der universellen Staatsbürgerschaft eingebettet ist.
Dieses Ziel sei erreichbar, wenn man das Bild der „Wurzeln“ hinter sich lasse und stattdessen das des „Flusses“ annähme: eine Identität, die sich verändert, wächst und wandelt, ohne dabei ihre Kontinuität zu verlieren. Diese Metapher beschreibt für den Diplomaten die Natur Europas gut, das dazu berufen ist, die Vielfalt zusammenzuhalten. Schließlich hat Europa „der Welt gelehrt, dass Konflikte durch Recht und politischen Dialog bewältigt werden können“. In einem von der Rückkehr der Waffengewalt geprägten Szenario sollte sich der „Alte Kontinent“ deshalb als „sanfte Kraft“ profilieren, die in der Lage ist, zu regieren, ohne der Logik der Gewalt nachzugeben.

Mit einem ökumenischen Gebet…

in der Basilika Santa Maria sopra Minerva, das von Mons. Marco Gnavi, dem Beauftragten für Ökumene, interreligiösen Dialog und neue Glaubensgemeinschaften der Diözese Rom, eröffnet wurde, ging der lange Nachmittag zu Ende. Der feierliche Moment war geprägt von Friedensgebeten, die von Vertreter*innen der lutherischen, anglikanischen, presbyterianischen, methodistischen, evangelischen, orthodoxen und katholischen Kirche vorgetragen wurden.