1.700 Jahre Christentum in Georgien

1.700 Jahre Christentum in Georgien

Der Auftakt der Konferenz – ein Festakt im Zeichen von Glauben und Familie – war ein gesellschaftliches Großereignis von nationaler Tragweite. Neben dem Staatspräsidenten Micheil Qawelaschwili, dem Ministerpräsidenten Irakli Kobachidse und dem georgischen Patriarchen Shio III nahmen zahlreiche Spitzenpolitiker aus ganz Europa teil.

Ein eindrucksvoller Kurzfilm beleuchtete den Weg des georgischen Christentums – von den Anfängen bis zu den dunklen Jahrzehnten unter Lenin und Stalin, in denen Kirchen zerstört und Geistliche verfolgt wurden. Ein Besuch des Klosters Bodbe machte den Wiederaufbau nach der Sowjetzeit greifbar. Wo einst Ruinen standen, haben Nonnen mit staatlicher Unterstützung eine beeindruckende Oase des Glaubens geschaffen.

Während die Spitzenpolitik vor allem den glanzvollen Start prägte, stand der zweite und dritte Teil der Konferenz im Zeichen intensiver inhaltlicher Fachvorträge. Gerhard Pross brachte dabei die Perspektive von Miteinander für Europa zum Thema „Ehe und Familie“ ein. Kernsätze seines Impulses wurden direkt in die offizielle schriftliche Deklaration der Konferenz aufgenommen.

Die Reise bot eine Plattform, um bestehende Kontakte zu vertiefen und neue europäische Netzwerke zu knüpfen. Die Tagung zeigte zudem, welchen Segen ein christliches Fundament für ein Land bedeuten kann, und schenkte vielen der internationalen Gäste ein Stück Ermutigung.

Gleichzeitig gab die Veranstaltung Raum für Austausch und Differenzierung: In persönlichen Gesprächen am Rande der Konferenz – etwa mit einem EU-Parlamentarier aus Rumänien – wurden die Potenziale, aber auch kritische Fragen zur politischen Ausrichtung mancher europäischen Parlamentarier reflektiert.

Beatriz Lauenroth

Kontinuität und Zukunft

Kontinuität und Zukunft

Vom 16. bis 18. April 2026 fand im Schönstatt-Zentrum auf dem Kahlenberg in Wien die jährliche Klausurtagung des Leitungskomitees statt. 26 Vertreter:innen von acht christlichen Bewegungen lebten Tage des Zuhörens und der Entscheidungsfindung, die von einem historischen Wendepunkt im internationalen Koordinationsprozess geprägt waren.

Ein Generationswechsel im Zeichen der Einheit

Zentraler Moment des Treffens war die Staffelübergabe durch einige langjährige Mitglieder des Komitees, die den Weg von MfE jahrzehntelang mit Engagement begleitet haben. Ihr bewegender Abschied ebnete den Weg für eine neue Phase, die auf dankbarer Erinnerung und Vertrauen gründet.

Den Wert dieses Dienstes hob Margaret Karram, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, in einem Brief an die ausscheidenden Mitglieder hervor. Darin sprach sie ihnen ihre tiefe Dankbarkeit für ihren Beitrag zur Gestaltung der Identität und des Weges des Netzwerks aus.

Die Moderation übernimmt nun eine neue Gruppe, die aus drei Mitgliedern aus verschiedenen Kirchen und Bewegungen besteht. Ein konkretes Zeichen der Kontinuität und der Offenheit für neue Horizonte. In einem von Unsicherheiten geprägten europäischen Kontext bekräftigt MfE seine Mission, zu bezeugen, dass Einheit in der Vielfalt eine prophetische Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit ist.

Agenda und nächste Schritte

Im Laufe des Treffens wurden einige zukünftige Prioritäten abgesteckt, mit besonderem Augenmerk auf die Rolle der nationalen Komitees und die Einbindung junger Menschen. Zu den bereits im Kalender vermerkten Terminen gehören:

  • 11.–13. Mai 2026 – Anlässlich des Europatags werden etwa 120 junge Menschen dem Europäischen Parlament einen „Pakt zwischen Generationen“ vorlegen, der aus den Erfahrungen in MfE hervorgegangen ist.

  • 29.–31. Oktober 2026 – Jahrestreffen des Trägerkreises von Miteinander für Europa in Würzburg (Deutschland).

Ein Weg, der also weitergeht – im Bewusstsein, dass das gemeinsame Unterwegssein, bei dem die Gaben jedes Einzelnen wertgeschätzt werden, der richtige Weg ist, um ein geeinteres, solidarischeres und zukunftsorientiertes Europa aufzubauen.

Beatriz Lauenroth

Weitere Informationen sind in der Mitteilung vom 18. April 2026 zu finden >>

Foto: K. Oberegelsbacher / L. Taite

Wenn die Nerven blank liegen

Wenn die Nerven blank liegen

Alltag im Angesicht des Krieges

Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres bin ich in der Ukraine. Was ich hier sehe, ist ein Land, das nach fast vier Jahren Krieg am Limit ist. Die Widerstandsfähigkeit der Menschen ist unglaublich, doch die Anspannung ist überall spürbar. Die Nerven liegen blank – und das ist nur allzu verständlich.

Der Winter ohne Elektrizität, Wasser und Heizung, die ständigen Alarme und Bombardierungen zu jeder Tages- und Nachtzeit – all das hat sich tief in den Alltag eingebrannt. Es ist ein Leben in permanenter Unsicherheit, ein Leben im Angesicht der Bedrohung.

Eine Minute der Stille und des Respekts

Trotz des Chaos gibt es Momente der tiefen Verbundenheit und des gemeinsamen Gedenkens, die das Land zusammenhalten. Jeden Morgen um neun Uhr ertönt auf den Straßen der gesamten Ukraine ein nationales Widerstandslied. Für eine Minute hält das öffentliche Leben inne. Die Kassiererin im Supermarkt stoppt das Scannen, der Mann im Café stellt seine Tasse auf dem Tischchen ab, die Bibliothekarin an der Buchausgabe erstarrt in ihrer Bewegung. Diese Minute ist der Erinnerung und dem Respekt gewidmet – den gefallenen Soldaten und allen Männern und Frauen, die an den vordersten Linien in den Schützengräben ausharren. Es ist eine tägliche, bewegende Zeremonie, die die Opfer des Krieges in den Mittelpunkt stellt.

Wo Gebete das Leben retten  

Die Nähe zum Tod verändert die Perspektive auf das Leben und den Glauben zutiefst. Ein junger Mann, der an vorderster Front kämpft, erzählte mir: „Im Angesicht des Todes gibt es keine Atheisten. Selbst die Männer, die nicht gläubig sind, flehen dann: Sprich Du ein Gebet auch für mich, denn ich weiß nicht, wie man betet.“ Ein anderer Soldat berichtete von einem Hinterhalt, in den seine Einheit geraten war: „Wir standen unter starkem feindlichem Beschuss. Wie durch ein Wunder ist die Kugel in meiner kugelsicheren Weste steckengeblieben. So viele Menschen in der ganzen Welt beten für uns und ich weiß genau, dass eines der vielen Gebete mein Leben gerettet hat.“

Beatriz Lauenroth, Pressesprecherin von Miteinander für Europa

Hoffnung in schwierigen Zeiten

Hoffnung in schwierigen Zeiten

Wenn wir heute von Europa sprechen, dann sprechen wir von wirtschaftlichen Problemen, von Konflikten und Kriegen. Manchmal hat man den Eindruck, Europa zerfällt. „Diese Gefahr macht die Arbeit des Netzwerks MfE, das die spirituellen Wurzeln des Kontinents betont, umso wertvoller“, sagt eine Journalistin, die das Netzwerk seit einiger Zeit begleitet.

Auf den Frieden in Europa Einfluss nehmen

Im April 2025 fand das alljährliche Treffen des Leitungskomitees MfE im slowakischen Bratislava statt. Gastgeber in Mitteleuropa war dieses Mal das charismatische katholische Netzwerk ENC (European Network of Communities). Achtzehn Personen aus sieben Bewegungen und fünf Ländern vertraten das europäische Netzwerk MfE in Bratislava, darunter Margaret Karram, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Gerhard Pross, Moderator von MfE, sowie weitere Leiter von Quinta Dimensione, Vineyard, Schönstatt und verschiedenen CVJMs in Deutschland. „MfE  will ein Dienst für Europa sein. Unter uns üben wir uns ständig darin, Einheit in der Vielfalt zu schaffen. Und durch diese Erfahrung kann MfE einen positiven Einfluss auf die Friedensarbeit in Europa ausüben“. So erklärte es Sr. Nicole Grochowina, Christusbruderschaft Selbitz. Und dann wurde Jesaja 43,19 zitiert: „Siehe, nun mache ich etwas Neues, seht ihr es nicht?“

Ein atemberaubendes Panorama

Dieser innovative Geist wurde besonders spürbar, als Vertreter von sieben slowakischen Bewegungen, christliche Politiker des Landes (Eduard Heger, Miriam Lexmann, Viliam Karas und Branislav Skripek) und Persönlichkeiten aus der Kirche, darunter Nuntius Monsignore Nicola Girasoli, dazu kamen. Die slowakischen Bewegungen stellten ihre Charismen und ihr Engagement vor, viele von ihnen in der Welt der Jugend. Der Nachmittag war für sie eine einzigartige Gelegenheit, MfE kennen zu lernen, sich aber auch untereinander zu begegnen. Die Slowakei ist ein politisch geprüftes Land mit großer innerer Stärke. Dies wurde in der Begegnung besonders deutlich.  Am nächsten Morgen stellten Vertreter des ENC Slowakei mit ihrem Vorsitzenden Alex Myskov die Arbeit  ihres Netzwerks vor. MfE und ENC haben offen miteinander kommuniziert und sind sich in diesem Treffen sehr nahe gekommen.

Ruft es von den Dächern (Mt 10,27)

„Es ist wichtiger denn je, die Erfahrungen von MfE nicht unter den  „Scheffel zu stellen“,  sondern sie von den Dächern zu rufen.“ Mit diesen Worten ermutigte Margaret Karram das Komitee zu weiteren Schritten. „MfE gibt Europa den Impuls, mit zwei Lungenflügeln zu atmen, d.h. den Dialog zwischen Ost und West zu leben.“ Verschiedene Projekte, wie z.B. eine größere Veranstaltung 2027, sollen beim Trägerkreistreffen vom 6. bis 8. November 2025 in Castel Gandolfo/Rom weiter besprochen werden.

Beatriz Lauenroth

Foto: Lauenroth/Tanesini/Brand

Besuch in Taizé

Besuch in Taizé

Die Gemeinschaft von Taizé ist ökumenisch ausgerichtet und von regelmäßigen Gebetszeiten am Morgen, Mittag und Abend geprägt, bei denen die bekannten Taizélieder, eine Bibellesung, gemeinsames Schweigen und der Kommunionempfang eine zentrale Rolle spielen. Die ca. 60 Brüder laden Jugendliche aus der ganzen Welt ein, um eine Woche an ihrem Leben teilzunehmen. So waren beispielsweise gleichzeitig mit der Delegation von Miteinander für Europa (MfE) etwa tausend Jugendliche aus Portugal in Taizé. 

Begegnung

Über das gemeinsame Bibellesen (Joel 2,12-18) kam die Delegation mit Bruder Matthew, dem Prior der Gemeinschaft, sowie mit Bruder Richard und Bruder Andreas ins Gespräch. Der Text berührte die Lesenden gerade im Hinblick auf Europa, nämlich „das Herz und nicht die Kleider zu zerreißen.“ Der Ruf gehe an alle Generationen, um sich Gott in echter Hingabe zu nähern und IHN um sein Erbarmen zu bitten. Darin war sich die Gruppe einig. Im Kontakt mit den vielen jungen Menschen bekommen die Brüder in Taizé auch Einblick in deren Ängste, bei denen sie dringend Begleitung benötigen. Taizé ist so für die Jugend sicherlich ein geistlicher Ort, an dem sie Gehör und Verständnis finden.

Brücke zu Miteinander für Europa

Wie kann nun eine Brücke von Taizè zu MfE geschlagen werden? Das Dreier-Team erkannte, dass im Miteinander der Brüder vor Ort, in der Treue ihrer Gebete und ihrer Gastfreundschaft für Jugendliche ihr Charisma und tatsächlich ihr Beitrag für ein Miteinander und damit auch für Europa liegt. Es gehe nun zunächst darum, aus der tiefer gewordenen Freundschaft heraus gemeinsam die nächsten Schritte zu ertasten, wie sie es in Taizé ausdrücken. Und wer weiß? Vielleicht wird es in Zukunft ein „Miteinander für Europa“-Treffen von Jugendlichen in Taizé geben? Die Brüder und MfE können es sich jedenfalls durchaus vorstellen.

Eindrücke

Sr. Nicole, P. Raffael und Matthias sind erfüllt und beschwingt nach Hause zurückgekehrt. „Neben der Begegnung mit den Brüdern in Taizé haben uns diese Tage – als mittlere und jüngere Generation im Leitungsteam – näher zueinander gebracht. Wir brauchen diese Erfahrung. Die gemeinsamen Reisen und Begegnungen  mit den verschiedenen Bewegungen, die wir besuchen, lassen uns erkennen: Miteinander in Europa lebt, und wir gehen miteinander weiter!“

Beatriz Lauenroth