Europa und die Aufgabe, die Vielfalt zusammenzuhalten

von | Mai 15, 2026

Wir geben hier den Artikel von Fabio Beretta wieder, der auf RomaSette.it über die Veranstaltung „Ein Licht für Europa in der globalen Dämmerung“ veröffentlicht wurde. Der Event fand am 9. Mai 2026 in Rom statt und wurde vom Netzwerk Miteinander für Europa und den Jugendlichen der Gruppe "Ut Omens" organisiert. Botschafter Pasquale Ferrara lieferte einen wichtigen Beitrag.
Europe Day Rome 9 May 2026

Den Europatag feiern…

und dabei über die Identität der Europäischen Union und den Sinn der Entwicklung einer europäischen Bürgerschaft nachdenken. Dies ist der Vorschlag des ökumenischen Netzwerks Miteinander für Europa, das am Samstag, dem 9. Mai, die Veranstaltung „Ein Licht für Europa in der globalen Dämmerung“ im Teatro Rossini veranstaltet hat. Zu den Protagonisten zählten junge Menschen sowie Vertreter aus Wissenschaft und Politik. Sie waren dazu aufgerufen, gemeinsam über die Grundwerte der EU im aktuellen globalen Kontext nachzudenken. Eine „Dämmerung“, da diese Zeit von Konflikten und Krisen geprägt ist.

Die Diskussion wurde…

– mit musikalischen Live-Einlagen –  von sechs jungen Leuten der Gruppe „Ut Omnes“ geleitet, die von einigen Studenten der Lumsa-Universität gegründet wurde und sich mittlerweile auf andere Hochschulen ausgeweitet hat. In den nächsten Tagen werden diese jungen Leute im Europäischen Parlament sein, um sich mit den Abgeordneten auszutauschen und einen „Pakt zwischen den Generationen“ zu unterzeichnen. Im Mittelpunkt der Debatte stand das Thema der europäischen Bürgerschaft, das sich nicht nur auf die institutionelle Dimension beschränkt. Wie Mattia Federici in seinem Beitrag betonte, hat die EU in den letzten Jahrzehnten zwar ein „außergewöhnliches Erbe“ in wirtschaftlicher, rechtlicher und institutioneller Hinsicht aufgebaut, es jedoch nicht geschafft, bei den Bürgern ein echtes Gefühl der Zusammengehörigkeit zu verankern. Die europäische Bürgerschaft existiere, so bemerkte er, „nur in den Verträgen und in den Stimmrechten“.

Daraus ergibt sich der Vorschlag

das europäische Projekt durch ein neues Narrativ wiederzubeleben und in politische Bildung sowie eine stärkere Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen zu investieren. Doch dies reicht nicht aus, wie Alessandra Arcidiacono, eine der an der Debatte teilnehmenden Jugendlichen, betonte: „Staatsbürgerschaft besteht aus Gesetzen, Kulturen, Sprachen und Traditionen, doch was alles zusammenhält, muss die Seele sein.“ Eine Seele, die in den neuen Generationen bereits vorhanden ist. „Die jungen Menschen leben Europa bereits, noch bevor sie es definieren“, bemerkte sie und fügte hinzu: „Für sie ist Europa nicht das Ziel, sondern der Ausgangspunkt.“

Pasquale Ferrara, Botschafter und ehemaliger Politischer Direktor des Außenministeriums

lieferte eine geopolitische Interpretation des aktuellen historischen Moments. Er rief die Anwesenden dazu auf, die ursprüngliche Bestimmung Europas als Raum des Dialogs und des Zusammenlebens wiederzuentdecken. Ausgehend von einer Kritik jeder „geschlossenen“ Auffassung der europäischen Identität – Staatsbürgerschaft könne nicht ausschließlich auf Blutsverwandtschaft oder Abstammung beruhen – und unter Berufung auf den Juristen Luigi Ferrajoli und dessen Idee einer „Verfassung für die Erde“ betonte Ferrara die Notwendigkeit einer europäischen Staatsbürgerschaft, die in eine umfassendere Perspektive der universellen Staatsbürgerschaft eingebettet ist.
Dieses Ziel sei erreichbar, wenn man das Bild der „Wurzeln“ hinter sich lasse und stattdessen das des „Flusses“ annähme: eine Identität, die sich verändert, wächst und wandelt, ohne dabei ihre Kontinuität zu verlieren. Diese Metapher beschreibt für den Diplomaten die Natur Europas gut, das dazu berufen ist, die Vielfalt zusammenzuhalten. Schließlich hat Europa „der Welt gelehrt, dass Konflikte durch Recht und politischen Dialog bewältigt werden können“. In einem von der Rückkehr der Waffengewalt geprägten Szenario sollte sich der „Alte Kontinent“ deshalb als „sanfte Kraft“ profilieren, die in der Lage ist, zu regieren, ohne der Logik der Gewalt nachzugeben.

Mit einem ökumenischen Gebet

in der Basilika Santa Maria sopra Minerva, das von Mons. Marco Gnavi, dem Beauftragten für Ökumene, interreligiösen Dialog und neue Glaubensgemeinschaften der Diözese Rom, eröffnet wurde, ging der lange Nachmittag zu Ende. Der feierliche Moment war geprägt von Friedensgebeten, die von Vertreter*innen der lutherischen, anglikanischen, presbyterianischen, methodistischen, evangelischen, orthodoxen und katholischen Kirche vorgetragen wurden.

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