Slowenien: Das Leben hat gewonnen

Slowenien: Das Leben hat gewonnen

Nie dagewesene nationale Einheit

Die Vorbereitung auf die Abstimmung führte zu einer Einheit, wie sie in der 35-jährigen Geschichte des unabhängigen Sloweniens noch nie zuvor gesehen wurde. Es gelang der Referendumskampagne, die traditionellen politischen Spaltungen zwischen Links und Rechts zu überwinden und den Fokus auf Respekt, Wert und Kultur des Lebens zu legen. Zum ersten Mal kamen alle christlichen Konfessionen (Katholiken, Evangelikale, serbisch-orthodoxe und mazedonisch-orthodoxe Christen), alle wichtigen slowenischen Bewegungen und Gemeinschaften sowie Muslime zusammen, um eine gemeinsame Botschaft gegen das Gesetz zu verfassen. Hauptakteure der Kampagne waren Laien, unterstützt von Ärzten, Rechtsanwälten, Psychologen und einer breiten Beteiligung junger Menschen.

Die Kampagne und die Debatte

Die Initiative begann im Januar 2024 mit dem Besuch von Alex Schadenberg, einem kanadischen Pionier des Aktivismus gegen Sterbehilfe, der die Tücken der Gesetzgebung aufzeigte. Die Kampagne war flächendeckend und umfasste mehr als 100 Treffen, Konferenzen und Podiumsdiskussionen im ganzen Land, oft mit drei bis vier bedeutenden Veranstaltungen pro Tag. Obwohl 85 % der wichtigsten Medien von Parteien kontrolliert wurden, die das Gesetz befürworteten, nutzten die Aktivisten intensiv soziale Netzwerke und den katholischen Rundfunk (der täglich Berichte gegen die Sterbehilfe sendete), um aufgezeichnete Erfahrungsberichte von Patienten, Behinderten, Ärzten und Krankenschwestern zu verbreiten. Darüber hinaus gaben alle großen Religionsgemeinschaften und medizinischen Organisationen Sloweniens gemeinsame Erklärungen gegen die Sterbehilfe ab und stärkten damit die Front der „NEIN“-Stimmen

Die Kraft des Glaubens und des Gebets

Ein entscheidendes Element der Initiative war eine starke geistliche Unterstützung. Die Religionsgemeinschaften organisierten mit Unterstützung der slowenischen Bischöfe eine Vielzahl von Aktivitäten: Gebetsmomente in allen Pfarreien, Novenen, Rosenkranz (selbst um 5 Uhr morgens im Radio), Fasten- und Gebetstage, auch seitens Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft. Solidarität im Blick auf spirituelle Unterstützung kam auch aus Kroatien, Bosnien und anderen osteuropäischen Ländern. Die Beteiligung übertraf das Quorum von 20 % der Wahlberechtigten. Der Erfolg des Referendums hat die Einheit der Christen gefestigt und gezeigt, dass der Kampf um den Wert des Lebens ein Anliegen ist, das die ganze Nation vereinen kann. Der Eindruck eines Teilnehmers: „Die Kultur des Lebens hat hier gewonnen.“

Und ist nicht das JA zum Leben – „wir verpflichten uns, seine unantastbare Würde in allen Phasen, von der Empfängnis bis zum natürlichen Ende, zu verteidigen“ – das erste der 7 JA, für die sich unser ökumenisches Netzwerk einsetzt?

Marjana e Pavel Snoj (MfE Slowenien)

Gebetsfrühstück im EU Parlament

Gebetsfrühstück im EU Parlament

Unterschiedliche Strömungen, aber eine gemeinsame Grundlage

Miteinander für Europa (MfE) nahm am 28. „European Prayer Breakfast“ teil, einer jährlich in Brüssel stattfindenden Veranstaltung. Die Initiative wurde ins Leben gerufen, um Christinnen und Christen verschiedener Kirchen und Konfessionen zusammenzubringen, die in vielfältigen Rollen – als Parlamentarier, Fachleute oder Unterstützer – im Umfeld der Institutionen der Europäischen Union tätig sind. Die Veranstaltung bot die Gelegenheit, neue Freundschaften zu knüpfen, bestehende zu vertiefen und die reiche Welt jener Christinnen und Christen kennenzulernen, die sich für die Förderung der Berufung Europas zu Frieden und Harmonie zwischen den Völkern einsetzen. Im Einklang mit den Zielen von MfE eröffnete der zyprische Europaabgeordnete Mavridis, Mitglied der International Assembly on Orthodoxy (I.A.O.), die Frühstückssitzung mit den Worten: „Auch wenn wir unterschiedlichen Gruppierungen angehören, ist Jesus das gemeinsame Fundament, das uns verbindet.“

Besonders wertvoll und fruchtbar waren die Begegnungen, die Jeff Fountain (Niederlande), Alberto Lo Presti (Italien) und Maria Wienken (Deutschland), Teilnehmende für Miteinander für Europa, mit einigen besonderen Freunden hatten: mit Eduard Heger, dem ehemaligen slowakischen Ministerpräsidenten, der sie ermutigte, die Europaabgeordneten weiterhin in ihrem Einsatz für eine christlich geprägte Politik zu begleiten; mit Miriam Lexmann, die ihre Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit im Hinblick auf ein nächstes Treffen im Mai im Europäischen Parlament bekräftigte; sowie mit weiteren Personen, die daran interessiert waren, die Erfahrung von MfE kennenzulernen. 

Beyond the numbers

Vor diesem Ereignis fand ein interessantes Seminar statt, das vom Sekretariat von Art.17, zuständig für den „Dialog mit religiösen und nichtkonfessionellen Organisationen“, unter dem Titel „Beyond the Numbers“ organisiert wurde. Ziel war es, die europäische Bilanz hinsichtlich der Förderung des Dialogs und der Beziehungen zwischen religiösen und philosophischen Weltanschauungen, die den europäischen Geist prägen, zu beleuchten. Der parlamentarische Sitzungssaal, in dem die Veranstaltung stattfand, wirkte wie ein buntes Mosaik aus Religionen, philosophischen Traditionen, spirituellen Inspirationen und kulturellen Einrichtungen. Dennoch herrschte keine Verwirrung. Das Engagement für Europa bildete den gemeinsamen Nenner und bestätigte, dass dies die Zeit des Netzwerkens und des gemeinsamen Handelns ist, mit dem Ziel, den Dialog und die Begegnungen unter denen zu fördern, die sich um das Schicksal des Alten Kontinents und damit auch um das der Menschheit sorgen.

Der Beitrag von Miteinander für Europa

In diesem Zusammenhang wurde der Beitrag von Miteinander für Europa von Antonella Sberna, italienische Europaabgeordnete und Vizepräsidentin von Art.17 der EU, als unverzichtbar anerkannt. Sie erinnerte sich mit Freude an die Veranstaltung vom 15. Mai und erklärte sich bereit, ein weiteres Event im Mai 2026 zu unterstützen. Freundschaftliche Begegnungen gab es auch mit dem Präsidenten der COMECE, Mons. Crociata, und dem Sekretär, Rev. Barroso, sowie mit den beiden Vertretern der KEK. Die deutsche Europaabgeordnete Monika Hohlmeier zeigte Interesse daran, unser Netzwerk näher kennenzulernen, und wir vereinbarten ein Treffen in Deutschland. 

Abschließend konnten wir noch an zwei Veranstaltungen im Europäischen Parlament teilnehmen: eine zum Multilateralismus unter dem Titel „Die Rolle Europas bei der Reform der UN“ mit Referenten wie Nicola Zingaretti und Lucia d’Annunziata, und eine weitere zum Thema „Die Rolle des Glaubens beim Aufbau sozialer Kohäsion“, organisiert von Prof. McDonagh vom Zentrum für Religionen, menschliche Werte und internationale Beziehungen. Bei letzterer wurde auch das Netzwerk Miteinander für Europa kurz vorgestellt, was auf Anerkennung und Interesse stieß.

Maria Wienken, Alberto Lo Presti

Wenn die Nerven blank liegen

Wenn die Nerven blank liegen

Alltag im Angesicht des Krieges

Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres bin ich in der Ukraine. Was ich hier sehe, ist ein Land, das nach fast vier Jahren Krieg am Limit ist. Die Widerstandsfähigkeit der Menschen ist unglaublich, doch die Anspannung ist überall spürbar. Die Nerven liegen blank – und das ist nur allzu verständlich.

Der Winter ohne Elektrizität, Wasser und Heizung, die ständigen Alarme und Bombardierungen zu jeder Tages- und Nachtzeit – all das hat sich tief in den Alltag eingebrannt. Es ist ein Leben in permanenter Unsicherheit, ein Leben im Angesicht der Bedrohung.

Eine Minute der Stille und des Respekts

Trotz des Chaos gibt es Momente der tiefen Verbundenheit und des gemeinsamen Gedenkens, die das Land zusammenhalten. Jeden Morgen um neun Uhr ertönt auf den Straßen der gesamten Ukraine ein nationales Widerstandslied. Für eine Minute hält das öffentliche Leben inne. Die Kassiererin im Supermarkt stoppt das Scannen, der Mann im Café stellt seine Tasse auf dem Tischchen ab, die Bibliothekarin an der Buchausgabe erstarrt in ihrer Bewegung. Diese Minute ist der Erinnerung und dem Respekt gewidmet – den gefallenen Soldaten und allen Männern und Frauen, die an den vordersten Linien in den Schützengräben ausharren. Es ist eine tägliche, bewegende Zeremonie, die die Opfer des Krieges in den Mittelpunkt stellt.

Wo Gebete das Leben retten  

Die Nähe zum Tod verändert die Perspektive auf das Leben und den Glauben zutiefst. Ein junger Mann, der an vorderster Front kämpft, erzählte mir: „Im Angesicht des Todes gibt es keine Atheisten. Selbst die Männer, die nicht gläubig sind, flehen dann: Sprich Du ein Gebet auch für mich, denn ich weiß nicht, wie man betet.“ Ein anderer Soldat berichtete von einem Hinterhalt, in den seine Einheit geraten war: „Wir standen unter starkem feindlichem Beschuss. Wie durch ein Wunder ist die Kugel in meiner kugelsicheren Weste steckengeblieben. So viele Menschen in der ganzen Welt beten für uns und ich weiß genau, dass eines der vielen Gebete mein Leben gerettet hat.“

Beatriz Lauenroth, Pressesprecherin von Miteinander für Europa

Called to future

Called to future

Der Titel dieses Treffens – „Called to future“ – spiegelte einen Aufruf Gottes wider, offen zu sein für die Stimme des Geistes in uns, und auf unsere Schwestern und Brüder zu hören. Er steht in engem Zusammenhang mit dem, was um uns herum geschieht. Insbesondere angesichts unseres zersplitterten, verunsicherten und gespaltenen Europas, angesichts seiner zunehmenden Bedeutungslosigkeit im globalen geopolitischen Rahmen, wurde der dringende Ruf laut, einen Weg der Versöhnung aufzuzeigen, der durch die Kraft der Gemeinschaft möglich ist.

Es handelte sich hauptsächlich um ein Arbeitstreffen, das auf der Grundlage von Meditationen und Gebeten (die am Ende der Seite heruntergeladen werden können), Berichten, lebhaftem Austausch in kleinen Gruppen – im Stil des Gespräches im Geist – und in Plenarsitzungen durchgeführt wurde. All dies diente dazu, die geschwisterliche Gemeinschaft zu stärken und die Stimme des Geistes im Hinblick auf zukünftige Schritte zu erkennen. Das Bündnis der gegenseitigen Liebe (nach Johannes 13,34), das jedes Jahr feierlich erneuert wird, konnte nicht fehlen und ist in einer Phase des Generationswechsels, in der sich unser ökumenisches Netzwerk befindet, umso aktueller. Passend zu diesem Wendepunkt stellten Pater Lothar Penners (Schönstatt) und Gerhard Pross (CVJM) ein Buch vor, das grundlegende Texte und verschiedene Zeugnisse zur Geschichte von MfE sammelt: „Sternstunden der Einheit – Erfahrungen aus 25 Jahren Miteinander für Europa“, das demnächst veröffentlicht wird.

Um diesen Weg sichtbar zu machen und den Bürger/innen Europas ein Zeichen der Hoffnung zu geben, wurde das Projekt eines größeren europäischen Treffens in Betracht gezogen. In einem intensiven Austausch entstanden Ideen und Vorschläge, die nun in den kommenden Monaten vom Leitungskomitee geprüft und ausgearbeitet werden. Ein zentraler Event könnte in Verbindung mit ähnlichen Initiativen in verschiedenen europäischen Städten stattfinden, beispielsweise im Frühjahr 2028. Das wäre bedeutungsvoll, 30 Jahre nach dem ersten Treffen von Johannes Paul II. mit den neuen katholischen Bewegungen und Gemeinschaften, das den Beginn eines Weges der Gemeinschaft unter ihnen initiierte. Diesem Weg schlossen sich später Bewegungen der reformierten Kirchen und in der Folge auch andere Kirchen an.

Die Anwesenheit von führenden Vertretern einiger Bewegungen – Nuria Alonso (CHARIS), Fadi Krikor (Treffen von Verantwortlichen), Reinhardt Schink (Evangelische Allianz Deutschland), Valeria Martano (Comunità Sant’Egidio), Margaret Karram und Jesús Moran (Fokolar-Bewegung) und andere – stärkte die Gemeinschaft und bestätigte die Übereinstimmung der Anliegen.

Von verschiedenen Seiten wurde die Erwartung geäußert, junge Erwachsene stärker in den Vordergrund zu rücken. Eine kleine Gruppe von ihnen, die Rumänien, die Slowakei und Italien vertrat, kam unmittelbar nach diesem Treffen in Castel Gandolfo zusammen, um die ersten Ideen für einen zweiten Event im Jahr 2026 im Europaparlament in Brüssel zu erarbeiten.

von Diego Goller

Hoffnung in schwierigen Zeiten – Cezara Perian, 6. November 2025>>

Herausforderungen – Sr. M. Lioba Ruprecht, 7. November 2025>>

Gebet-Mediation von Margaret Karram, 8. November 2025 >>

Mitteilung – Update MfE „Called to future“, 8. November 2025>> 

Sternstunden der Einheit

Sternstunden der Einheit

Vor fünfundzwanzig Jahren geschah etwas, das viele für unmöglich hielten: Christinnen und Christen aus verschiedenen Konfessionen, Bewegungen und Gemeinschaften begannen gemeinsam, auf den Ruf Gottes zur Einheit zu hören. Aus diesen ersten Begegnungen entstand das ökumenische Netzwerk Miteinander für Europa, das heute zahlreiche und vielfältige Bewegungen und Gemeinschaften in ganz Europa vereint.

Das Buch „Sternstunden der Einheit“ von Gerhard Proß und Lothar Penners zeichnet diese Geschichte der Versöhnung und geistlichen Entwicklung nach und bietet zahlreiche persönliche Zeugnisse über den gemeinsam zurückgelegten Weg.

Es handelt sich nicht um eine einfache Chronik, sondern um eine Einladung zu erkennen, wie der Glaube Grenzen überschreiten und Brücken bauen kann, nicht nur zwischen den Kirchen, sondern auch in der Gesellschaft.

Das Buch fasst Erfahrungen, Denkanstöße und Vorträge aus 25 Jahren gemeinsamen Weges zusammen und lädt dazu ein, in einer Zeit der Spaltungen eine „Kultur des Miteinanders“ zu pflegen, die auf gegenseitiger Liebe und der Kraft des Evangeliums beruht.

Das Buch wird im November 2025 erscheinen, vorerst nur in deutscher Sprache.

Für weitere Informationen hier klicken >>

Hier geht es zur Vorstellung des Buches auf der Webseite der Schönstatt-Beweung: hier klicken >>

Kleine Gesten, große Visionen

Kleine Gesten, große Visionen

Seit einiger Zeit spüren wir: Unser ökumenisches Netzwerk braucht eine verlässlichere finanzielle Grundlage. Uns ist klar geworden, dass wir neue Wege finden müssen, um die Zukunft unseres gemeinsamen Projekts zu sichern.

„Wo der Heilige Geist ist, dort öffnet der Himmlische Vater seine Hände“, sagte Helmut Niklas, einer der Mitbegründer von Miteinander für Europa.  Das hat sich für uns in den vergangenen Jahren immer wieder bewahrheitet.

Wir sind überzeugt davon, dass es – um etwas Großes aufzubauen – auch die kleinsten Bausteine braucht. Oder wie Mutter Teresa von Kalkutta meinte: Eine kleine Tat, mit großer Liebe getan, kann die Welt verändern.

Mit diesem Geist haben wir gemeinsam mit einigen Freunden an einem Ortsfest in Unterhaching bei München teilgenommen. Unser Beitrag: ein Flohmarktstand. Das finanzielle Ergebnis: 115 Euro.

Doch da war noch mehr… Wir konnten von unserem Netzwerk erzählen, davon, wie man für ein geeintes Europa leben kann, in dem Geschwisterlichkeit und Frieden herrschen – ein Anliegen und eine Notwendigkeit, die aktueller sind denn je.

Auch wenn es sich um eine bescheidene Initiative handelte, war sie für uns ein Ausdruck unseres gemeinsamen Weges, auf dem auch einfache Gesten den Unterschied ausmachen.

Maria Wienken